Spinnenbeine, Ameiseneier, Krötenbeine – das waren vor einigen hundert Jahren Hausmittel gegen Rheuma. Moderne Diäten setzen auf appetitlichere Zutaten. Um Beschwerden zu begegnen, sollten z.B. tierische Fette maßvoll konsumiert werden.
Für die große Anzahl rheumatischer Erkrankungsformen (von Arthrose bis Weichteilrheumatismus) gilt, dass es keine Rheumadiät gibt, die allen hilft. Eine Regel gibt es hingegen für alle, die Probleme mit dem Bewegungsapparat haben: Sie sollten unbedingt Übergewicht vermeiden bzw. abbauen. Denn das zusätzliche Gewicht belastet die Knochen und Gelenke.
Hilfe bei Arthritis und Arthrose?
Bei zwei Formen von rheumatischen Erkrankungen ist der Einfluss der Ernährung genauer untersucht: bei Gicht (Arthritis urica) und bei chronischen Entzündungen, vor allem der primären chronischen Polyarthritis (Gelenkrheuma).
Bei der chronischen Polyarthritis handelt es sich um eine Störung des Abwehrsystems des Körpers. Dabei treten Entzündungen an den Gelenken auf, die zu starken Schmerzen und zur Zerstörung von Gelenkkapsel und Gelenken führen können. Das Ausmaß der Entzündung scheint, wie verschiedene Studien zeigen, durch die Ernährung beeinflusst zu werden: Durch manche Nahrungsbestandteile wird die Bildung von Entzündungssubstanzen gefördert (z.B. Arachidonsäure), durch andere gehemmt (z.B. Omega-3-Fettsäuren, Vitamin E).
Vorsicht vor Arachidonsäure!
Dementsprechend sollten Nahrungsmittel mit viel Arachidonsäure gemieden werden, wie zum Beispiel Schweineschmalz, Eigelb, fetter Käse oder Fleisch. Arachidonsäure ist ein Bestandteil vor allem tierischer Fette. Untersuchungen zeigten, dass bei einer Umstellung von normaler auf vegetarische Ernährung deutlich weniger Arachidonsäure aufgenommen wird.
Vitamine und Fischöl
Weniger Entzündungssubstanzen entstehen, wenn pflanzliche Öle mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren aufgenommen werden. Den gleichen Effekt haben Omega-3-Fettsäuren, die vor allem in Kaltwasserfischen (z.B. Hering, Makrele, Lachs) und daraus gewonnenen Fischölen enthalten sind. In gereinigter, konzentrierter und standardisierter Form kann man Fischöl als Kapseln in der Apotheke bekommen.
Die Vitamine E und C, Beta-Carotin sowie die Mineralstoffe Selen, Kupfer und Mangan können das Gewebe schützen – sie wirken als Antioxidantien. Damit wird wahrscheinlich der Zerstörungs- und Verschleißprozess in den Gelenken verlangsamt. Vor allem Vitamin E wird daher häufig bei Arthritis und Arthrose empfohlen. Es gibt auch Hinweise, dass diese Antioxidantien die Bildung von Entzündungssubstanzen hemmen. Reichlich Vitamin E ist z.B. in Pflanzenölen, Nüssen oder Weizenkeimen enthalten; Vitamin C z.B. in Zitrusfrüchten, Kiwis oder Gemüsepaprika; Beta-Carotin z.B. in Möhren, Fenchelgemüse oder Spinat.
Linderung durch Weglassen?
Manche Patienten stellen fest, dass ihre Beschwerden nach dem Genuss bestimmter Nahrungsmittel (z.B. Weizenmehl, Zucker, Kaffee, Tee, bestimmte Früchte) schlimmer werden. Dies beruht wahrscheinlich auf einer Allergie oder Unverträglichkeit. Weglassen der entsprechenden Lebensmittel (Eliminationsdiät) kann manchmal die Beschwerden lindern.
Ernährungsempfehlungen bei chronischer Polyarthritis:
o Fleisch- und Eierkonsum einschränken
o mehrfach ungesättigte Fettsäuren, vor allem Omega-3-Fettsäuren, bevorzugen (Sojaöl, Fischöl)
o Vitamin-E- und Vitamin-C-reiche Nahrungsmittel verzehren
o reichlich Frischkost und Vollkornprodukte essen
o Fastentage einschieben
o nur fettarme Milch und Milchprodukte essen, wenn sie vertragen werden
o Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten ausschließen
o eventuell Zuckerverzehr einschränken
o wenig Alkohol trinken
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(Quelle: Apotheken Umschau)
Apotheken Umschau; 05.08.2005, aktualisiert am 28.06.2010
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