Gutes Timing ist alles: Warum ein Leben mit der inneren Uhr so wichtig ist
Wach und ausgeschlafen: Der Tag kann beginnen. Licht gehört unbedingt dazu
Seit Kurzem tickt Europa nicht mehr richtig: Die Sommerzeit-Umstellung Ende März raubte uns nicht nur eine Stunde Schlaf, sondern versetzt uns für das nächste halbe Jahr kollektiv in eine Art Mini-Jetlag. Das jedenfalls behauptet Professor Till Roenneberg, Chronobiologe aus München, und ergänzt: „Dieser Unsinn bringt unseren inneren Rhythmus völlig aus dem Takt.“
Roenneberg macht damit auf ein Phänomen aufmerksam, das uns jeden Tag zu bestimmten Zeiten müde, wach, hungrig oder unaufmerksam werden lässt: die innere Uhr. Wie empfindlich sie auf Lichtund Jahreszeiteneinflüsse reagiert, wissen Roenneberg und sein Team vom Institut für Medizinische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München seit fünf Jahren etwas genauer: Schritt für Schritt kommen sie diesem inneren Taktgeber auf die Spur.
Chronobiologen erforschen dabei vor allem die Frage, welche Konsequenzen eine fehlende Übereinstimmung von biologischer und sozialer Zeit nach sich zieht. So viel steht fest: Sie macht auf Dauer krank. So sind Schlafstörungen im Alter auch häufig darauf zurückzuführen, dass die innere Uhr verstellt ist.
Warum das so ist, liegt unter anderem daran, dass Senioren viel mehr Zeit in Innenräumen verbringen. Sie setzen sich immer weniger jenen Reizen aus, die die Wissenschaftler „Zeitgeber“ nennen. Um am Tag aktiv und aufmerksam zu bleiben und in der Nacht besser zu schlafen, ist es vor allem wichtig, den Wechsel von hell zu dunkel zu verstärken.
Das Licht, das auf unsere Augen trifft, ist eine Art Weckruf für den Körper. Sehpigmente der Netzhaut senden über chemische Prozesse das Lichtsignal ins Gehirn: Dort, in einem winzigen Nervenklumpen hinter der Nasenwurzel, an der Kreuzung der beiden Sehnerven, fanden die Forscher die Zentrale, die Hauptuhr, wo unsere persönliche innere Zeit täglich auf die astronomischen 24 Stunden eingestellt wird. Das Lichtsignal schafft es, unsere Innenzeit jeden Tag mit der Außenzeit zu synchronisieren. Ohne diese tägliche Eichung dauerte unser „subjektiver“ Tag bis zu einer Stunde länger.
Der Lichtreiz ist also unser wichtigster Zeitgeber. Das heißt: wirklich helles Licht. 2500 Lux stark sollte es mindestens sein. Zum Vergleich: Das Innenlicht in unseren Räumen mit seinen „düsteren“ 100 bis 300 Lux reicht zwar gut für unsere Augen aus, um Farben und Formen zu erkennen. „Doch für unsere innere Uhr ist das eine biologische Finsternis“, fasst Professorin Anna Wirz-Justice, Chronobiologin an der Universitätsklinik Basel, die Lichtsituation in vielen Wohnungen und Altenheimen zusammen. „Das Wichtigste ist deshalb: Jeden Tag raus ins Freie.
Elke Schurr, Senioren Ratgeber / GesundheitPro;
08.06.2009, aktualisiert am 12.06.2009
Getty Images/Tom Gril
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