Anmelden | Registrieren
Drucken

Was bei seniler Bettflucht hilft

Schon früh auf den Beinen? Was dahintersteckt und was Ihnen hilft, wenn Sie morgens keinen Schlaf mehr finden


Senile Bettflucht: Draußen ist es finster, drinnen brennt schon Licht

Draußen ist es stockfinster, der Wecker zeigt gerade mal vier Uhr, und in den Gliedern steckt noch der letzte Rest Schlaf. Aber Ihr Kopf ist schon hellwach. Die Gedanken kreisen, unruhig wälzen Sie sich im Bett hin und her in der Hoffnung, wieder einzunicken. Bis Sie sich irgendwann eingestehen: Mit der Nachtruhe ist es endgültig vorbei.

Kürzere Tiefschlafphase

Gerade Ältere erleben das häufig, deswegen spricht der Volksmund auch von „seniler Bettflucht“. „Wir wissen, dass jeder vierte Ältere über Einschlaf- und Durchschlafprobleme klagt“, erklärt Professor Thomas Penzel. Doch der wissenschaftliche Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité Berlin muss oft Aufklärungsarbeit leisten. „Die wenigsten, die früher als gewohnt aufwachen, haben eine Schlafstörung“, sagt Penzel. „Meistens stecken andere Gründe dahinter.“


Zum Beispiel das Alter. Mit den Jahren weckt einen die innere Uhr immer zeitiger. Selbst ehemals eingefleischte Morgenmuffel kommen jenseits der 70 in der Früh leicht aus den Federn. „Außerdem nimmt im Alter auch bei Gesunden die Fähigkeit ab, durchgehend zu schlafen“, betont Penzel. Das liegt daran, dass sich die Tiefschlafphase verkürzt und die Leichtschlafphase verlängert. Wer auf die 70 oder 80 zugeht, muss damit rechnen, dass ihn morgens eine zuklappende Autotür oder ein bellender Hund aus süßen Träumen reißt.

Das Argument, ältere Menschen würden früher aufwachen, weil sie insgesamt weniger Schlaf brauchen, lassen Experten aber nicht gelten. „Die Gesamtzeit nimmt ab dem 20. Lebensjahr nur um wenige Minuten ab“, erklärt Thomas Penzel. Das bedeutet: Den Schlaf, den der Körper in der Nacht nicht bekommt, holt er sich am Tag – sei es durch das kurze Nickerchen vor dem Fernseher oder die Siesta nach dem Mittagessen. „Viele ältere Menschen legen sich nach dem Frühstück wieder ins Bett und ruhen noch eine Stunde“, weiß Penzel.

Sorgen aufschreiben

Manchmal sind auch körperliche oder seelische Krankheiten wie Herzschwäche oder Depressionen die Ursache, wenn jemand in der Früh keinen Schlaf findet. Deshalb ist es so wichtig, bei länger anhaltenden Beschwerden zum Hausarzt zu gehen. Ob eine echte Schlafstörung der Auslöser ist, muss ein Schlafmediziner überprüfen. „Ich war erleichtert, als ich erfahren habe, dass das bei mir nicht der Fall ist“, erzählt Helga Plurer aus Berlin. Die 76-Jährige hat sich mit ihrem frühen Erwachen längst gut arrangiert.

Anderen gelingt das nicht so leicht. „Ob man darunter leidet, ist individuell unterschiedlich“, erklärt Thomas Penzel. Der Berliner Schlafmediziner rät den Patienten, in sich hineinzuhorchen. Was quält einen am meisten? Das Grübeln in der Früh? Wen das nervt, der sollte seine trüben Gedanken aus dem Schlafzimmer verbannen. Penzel rät, sich abzu­lenken: „Am besten aufstehen und in einem anderen Zimmer seine Ängste aufschreiben.“

Wer lieber länger schlafen möchte, sollte seinen Lebensstil hinterfragen. Liegt es womöglich am Schlummertrunk? Viele gönnen sich abends häufiger etwas Hochprozentiges. Sie finden dann zwar leichter in den Schlaf, quälen sich aber in der Früh.

Wie gewohnt aufstehen

Auch eine andere Gewohnheit gilt es zu überprüfen: „Wer sich tagsüber oft hinlegt, darf sich nicht wundern, dass der Schlafdruck in der Nacht fehlt und er morgens um vier wach ist“, erklärt der Berliner Schlafexperte. Sein Tipp: Immer zur gewohnten Zeit aufstehen und tagsüber aktiv sein. Also statt des Schlummers nach dem Frühstück einen Spaziergang einplanen. Tageslicht ist ein wichtiger Taktgeber für die Nachtruhe. Schlafmediziner raten zwar nicht grundsätzlich von einem Nickerchen am Tag ab. Es sollte aber nicht länger als 30 Minuten dauern.

Ist die Nachtruhe gestört, schaffen auch Schlafmittel Abhilfe. Eine sanfte Möglichkeit sind pflanzliche Präparate mit Baldrian, Hopfen oder Melisse. Greifen Sie zu frei verkäuflichen synthetischen Mitteln (Antihistaminika), so sprechen Sie das mit dem Apotheker und Hausarzt ab. Bei einer ausgeprägten Prostatavergrößerung oder einer bestimmten Form des grünen Stars sollten Sie sie auf keinen Fall einnehmen. Wer regelmäßig auf die Arznei setzt, schadet seiner Gesundheit, denn sie verändert den Schlafrhythmus und macht die Nachtruhe wenig erholsam. Außerdem erhöht sie die Sturzgefahr und hat zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Medikamente sind keine Dauerlösung

Auch verschreibungspflichtige Medikamente helfen nur kurzfristig. „Sie können zwar den Anstoß geben, einen gestörten Tag-und-Nacht-Rhythmus zu regulieren, als Dauermedikation eignen sie sich aber nicht“, warnt Penzel. Es kann sich eine Sucht entwickeln, auch die Nebenwirkungen der Mittel sind gefährlich. Helga Plurer kommt ohne sie aus. „Ich sehe es positiv, früh aufzuwachen. Dann habe ich viel Zeit.“




Bildnachweis: F1online

Raphaela Birkelbach / Senioren Ratgeber; 26.03.2012
Bildnachweis: F1online

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Morgengymnastik

Bauen Sie Obst und Gemüse daheim selbst an?

Auf www.apotheken-umschau.de

Medikamentencheck

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Arzneien überprüfen »

Sudoku

Lieben Sie es, mit Zahlen zu knobeln? Dann können Sie sich auf unserer Sudoku-Seite so richtig austoben »

Memo-Spiele

Unsere Kartenaufdeck-Spiele, die ähnlich wie das klassische Memory® funktionieren »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Apotheken Umschau mit den Themen Krankheiten von A-Z, Symptome, Medikamentencheck, Laborwerte, Heilpflanzen, Hausapotheke, Abnehmen, Gesundheitsvideos, Apothekensuche, Gehirn-Jogging und Sport
Diabetes Ratgeber mit Informationen zu Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung

55 23