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Schwindelanfälle im Alter

Beim Aufstehen, nachts im Bett oder unterwegs: Schwindel kann überall auftreten. Vor allem ältere Menschen leiden häufig darunter. Über Behandlungsmethoden und Soforthilfe bei Schwindelanfällen


Wenn die Welt sich dreht: Schwindel hat viele Ursachen. Fast immer gibt es Hilfe

Schwindel-Patienten können das Gefühl haben, dass der ganze Raum schwankt, sich dreht oder eine Bewusstlosigkeit droht. Besonders Menschen im höheren Alter verlieren dadurch ihre Unbefangenheit im Raum. „Bei den über 65 Jährigen stürzt ein Drittel mindestens einmal im Jahr, bei den über 80 Jährigen zirka die Hälfte. Dabei wird Schwindel häufig als Sturzursache angegeben“, erläutert Dr. Hans-Jürgen Nabel, Chefarzt der Klinik für Akutgeriatrie und geriatrische Frührehabilitation am Evangelischen Krankenhaus Hubertus in Berlin.

Ältere Menschen können Schwindel schlechter kompensieren

Bei älteren Menschen ist Schwindel besonders häufig und teilweise durch viele verschiedene Faktoren bedingt, die zusammenkommen. „Zudem stehen dem älteren Menschen weniger Kompensationsmöglichkeiten zur Verfügung, weil Muskelkraft und Gelenkbeweglichkeit reduziert und Reaktionszeiten verlängert sind“, erklärt Nabel.

Wer unter Schwindel leidet, sollte die Ursache unbedingt beim Arzt abklären lassen. Dies dient dazu, ernsthafte Krankheiten auszuschließen und den passenden Behandlungsansatz zu finden – denn die Therapie richtet sich in der Regel nach dem zugrunde liegenden Problem. Dieser Text zeigt einige mögliche Ursachen für Schwindel auf und gibt ein paar allgemeine Tipps, was Sie selbst bei akuten Schwindelanfällen tun können. Mehr über die zahlreichen Hintergründe des Symptoms Schwindel erfahren Sie in dem entsprechenden Ratgeber auf www.apotheken-umschau.de.



Dr. Hans-Jürgen Nabel ist Chefarzt für Akutgeriatrie in Berlin

Eine Möglichkeit: Gestörte Kreislaufregulation

„Bei einem Viertel der älteren Menschen tritt eine gestörte Kreislaufregulation auf, die wir Ärzte als Orthostase bezeichnen“, erläutert der Facharzt für Innere und Altersmedizin. Beim Lagewechsel aus dem Liegen oder Sitzen ins Stehen sinkt der Blutdruck plötzlich ab. Wenn eine Gegenregulation des Kreislaufes ausbleibt, klagt der Betroffene über „Schwarzwerden vor den Augen“ oder Schwindel. „Im Rahmen solcher Ereignisse kann es auch zu Stürzen kommen“, sagt Nabel.

Auslöser im Innenohr: Lagerungsschwindel

Eine häufige Form des Schwindels ist der „gutartige Lagerungsschwindel“. Hierbei bilden sich in der Flüssigkeit des Innenohrs Steinchen, welche die Bewegungsfühler in den Bogengängen im Inneren des Ohrs reizen und damit durcheinander bringen. Der Arzt kann mit einer einfachen Übung, die Krankheit behandeln: durch ein bestimmtes Lagerunsmanöver lösen sich die Steinchen.

Auslöser im Gehirn: Zentraler Schwindel

Liegt die Ursache des Schwindels im Gehirn, spricht man von zentralem Schwindel. Auslöser können eine Vielzahl an Erkrankungen sein. Diese Form des Schwindels muss ganz besonders dringend abgeklärt werden. Durchblutungsstörungen im Gehirn sind ein möglicher Auslöser dieses Schwindels.

Medikamente können Schwindel verursachen

„Für mich als Altersmediziner sind noch Nebenwirkungen von Medikamenten als Schwindelursache wichtig“, erklärt Nabel. Viele Arzneimittel können Schwindel auslösen oder verstärken. So zum Beispiel bestimmte Blutdrucktabletten, Herz- aber auch Diabetesmedikamente. Patienten, die unter Schwindel leiden, sollten daher auch immer mit Ihrem Hausarzt die Medikamente durchgehen. Wichtig ist allerdings, niemals ohne Absprache mit dem behandelnden Arzt Medikamente selbst abzusetzen, da dies schwerwiegende Auswirkungen haben kann.

Strategien gegen den Schwindel

Je nach Schwindelform behandelt der Arzt mit unterschiedlichen Mitteln. Spezielle Schwindelmedikamente, sogenannte Antivertiginosa, spielen vor allem bei akuten und starken Schwindelanfällen eine Rolle. Sie bessern allerdings nur das Symptom, nicht die möglicherweise dahintersteckende Krankheit. Trotz der zahlreichen unterschiedlichen Ursachen gibt es Tipps die bei vielen Formen helfen.

1. Erste Hilfe bei Schwindelanfällen

Die wichtigste Maßnahme bei Schwindel ist, Stürze und Verletzungen zu verhindern. Daher gilt als „erste Hilfe“ bei Schwindelanfällen, sich nach Möglichkeit sofort hinzusetzen und hinzulegen. Gibt es dazu keine Möglichkeit, hilft es auch, sich an einem feststehenden, stabilen Gegenstand festzuhalten. Das Festhalten kann das Gefühl von Stabilität zurückgeben und das Unsicherheitsgefühl beim Schwindelanfall lindern.

Im Anfall kann es helfen, ruhig zu liegen, mit den Augen einen festen Punkt zu fixieren und den Kopf nur langsam zu drehen. Dadurch hat wenigstens der Sehsinn einen klaren, stabilen Bezugsrahmen. Gleichzeitig sollte man versuchen, ruhig und normal zu atmen, um das Schwindelgefühl nicht noch zu verstärken.

2. Risikofaktoren minimieren

Einige Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen lassen sich behandeln. „Das sind vor allem der Bluthochdruck, die Zuckerkrankheit und die Fettstoffwechselstörungen“, sagt Nabel.

3. Schwindeltraining

Von einigen Ausnahmen abgesehen gilt: Spezielles Training bessert Schwindel, während Ruhe und Schonung ihn eher verschlimmern. Einen wichtigen Teil der Behandlung stellen deshalb oft krankengymnastische Maßnahmen dar. Dabei werden mit einem Therapeuten unter anderem Übungen durchgeführt, die Haltungs- und Gangunsicherheiten des Patienten hervorrufen und Ausgleichsbewegungen von ihm erfordern. Durch das Training sollen die Gleichgewichtsreaktionen des Patienten verbessert und falschen „Schonhaltungen“ vorgebeugt werden.

Leben mit Schwindel

„Als allgemeine Maßnahme ist eine Versorgung mit Hilfsmitteln und die Wohnraumgestaltung notwendig“, sagt Nabel. „Mit einem Gehstock oder einem Rollator kann man ein unsicheres Gangbild stabilisieren.“

Um langfristig Stürze durch Gangunsicherheiten und Schwindelattacken zu verhindern, gibt es einfache Methoden um die Wohnung oder das Haus sicherer zu machen. Zum Beispiel sollte ein Patient mit Schwindel nicht auf Leitern oder Steighilfen steigen. Das heißt, Mobilar anpassen, wichtige Dinge in Reichweite lagern, Küchenschränke gegebenenfalls tiefer hängen. Zusätzlich sollten Stolperfallen beseitigt, die Wohnung gut ausgeleuchtet und Handläufe und Griffe anbracht werden. Hier kann eventuell ein Altersmediziner oder Physiotherapeut mit Tipps weiterhelfen.

Ob ein unter Schwindel leidender Patient noch Auto fahren kann beziehungsweise sollte, muss er mit dem Arzt klären. Generell gilt: in einer akuten Attacke auf keinen Fall ans Steuer setzen, besser keine langen Strecken alleine bewältigen und bei einem sich ankündigenden Schwindel sofort rechts ran fahren.




Bildnachweis: Stockbyte/ RYF, W&B/Privat

Dr. Alexandra Kirsten / www.senioren-ratgeber.de; aktualisiert am 22.04.2013,
Bildnachweis: Stockbyte/ RYF, W&B/Privat

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