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Sex ist keine Frage des Alters

Erotik und Lust hören nicht irgendwann einfach so auf. Sie mögen sich im Alter verändern, doch sie bleiben lebendiger Ausdruck von Liebe und Gefühl


Reife Erotik: Auch Ältere haben gerne Sex

In Filmen oder Fernsehspielen mit selbstbewussten 70-Jährigen wie Christiane Hörbiger haben Filmemacher ein einstiges Tabuthema ans Licht geholt – und oft erfreulich sensibel und lebensnah umgesetzt. Sie zeigen farbenreiche Facetten auf, und vor allem eins:

Die Sexualität im Alter gibt es nicht. Wissenschaftler und Publizisten schreiben und diskutieren zwar in den letzten Jahren offener als je zuvor darüber. Doch ihre Studien und Befragungen belegen: Reifere Männer und Frauen erfahren ihr Liebesleben höchst vielfältig und individuell. Anders als in jungen Jahren – das meist schon, aber in der Mehrzahl nicht weniger beglückend und intensiv. Oft erfüllter, befreiter, inniger, manchmal allerdings auch schwieriger, gehemmter, sprachloser.


Paar sein – mit allen Sinnen

Erotik gehört für die meisten 60- bis 75-Jährigen zu einer Partnerschaft dazu. Und die meisten sind auch sexuell aktiv – Männer etwas häufiger als Frauen. Das liegt daran, dass im Rentenalter mehr Männer verheiratet oder gebunden sind als Frauen, die im Durchschnitt älter werden. Daher sind sie bei den Senioren in der Überzahl und folglich häufiger Single. Das erschwert es, Sexualität auszuleben. Für die körperliche Liebe wird gerade im Alter eine verständnisvolle, zugewandte Partnerschaft immer wesentlicher.

Erst ab 75 gehen bei den Männern – bei Frauen oft schon früher – die sexuelle Lust und das Bedürfnis nach Geschlechtsverkehr teilweise zurück, doch längst nicht bei allen. Die Sehnsucht nach Zärtlichkeit bleibt allerdings fast unverändert ein Leben lang bestehen. Die Forschung steht bei diesem Thema immer noch am Anfang, viele Fragen sind noch unbeantwortet und es gibt große Unterschiede, wie Ältere Sexualität einschätzen und erleben. Aber ein Umdenken gegenüber früheren, festgefügten Sichtweisen zeichnet sich deutlich in der Gesellschaft ab.

Was ändert sich?

Muss Mann immer können und Frau immer jugendlich attraktiv sein, um sexuelle Erfüllung zu erleben? Zum Glück nicht. Es dauert zwar, bis solche Klischees aus den Köpfen sind, aber sie weichen ganz allmählich neuen Wirklichkeiten. Denn genussvolle Sexualität zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sie variantenreich, anpassungsfähig und wandelbar ist. Viele Menschen, die heute 60 oder 65 sind, gehen entspannter mit ihren Bedürfnissen auf der einen Seite und den naturgegeben auftretenden Problemen auf der anderen um.

Männer orientieren sich klugerweise nicht mehr ausschließlich an den „Leistungen“ vermeintlich ewiger Jugendlichkeit. Denn überhöhte Ansprüche an sich selbst erzeugen meist nur Stress und verstärken damit eventuelle Potenzschwierigkeiten. Mancher Mann zieht sich dann schweigend zurück, oft zum Leidwesen seiner Partnerin. Dabei verändert sich schon ab Mitte Vierzig bei Männern der Hormonhaushalt mit Folgen für die sexuellen Funktionen. Dazu kommen mit den Jahren körperliche Beschwerden wie Durchblutungsstörungen, Diabetes, Herz- oder Prostataprobleme. Wenn auch viele Männer bis ins hohe Alter noch „können“, so geht alles meist nicht mehr so schnell und kraftvoll. Er braucht einfach mehr Zeit und Aufmerksamkeit, um sich und seiner Partnerin Freude zu bereiten.

Hilfe bei Problemen

Und wenn doch anhaltende Probleme vorliegen? Hier kann der Arzt ganz individuell helfen. Es gibt Medikamente und Hilfsmittel, die eine Erektion ermöglichen. Eine Reihe von Paaren haben auch ihre ganz persönlichen, fantasievollen Formen entdeckt, um sich intensiv gegenseitig Lust zu schenken, auch ohne den Geschlechtsakt zu vollziehen.

Frauen akzeptieren inzwischen selbstbewusster, dass sich ihr Aussehen verändert. Sie fühlen sich trotzdem gut in ihrer Haut, ob mit 60 oder 70, und strahlen das auch aus. Die Generation vor ihnen war noch überzeugt, dass mit den Wechseljahren die Erotik zum Erliegen kommt. Im Gegenteil – viele Frauen können gerade danach die Liebe unbeschwert genießen.

Die Lust bleibt bei ihnen oft sogar noch lebendiger als bei manchem Mann, da die weibliche Orgasmusfähigkeit unabhängiger von bestimmten körperlichen Funktionen abläuft. Zwar wird die Haut im Geschlechtsbereich trockener und dünner und damit schmerzempfindlicher. Doch hier gibt es Hilfsmittel wie Gleitcremes zum Beispiel. Die Psyche oder Partnerschaftsprobleme spielen meist eine gewichtigere Rolle, wenn Frauen keine Freude mehr am Sex haben. Natürlich erschweren nicht selten Krankheiten, Gelenk- oder Blasenbeschwerden die Lust. Viele Frauen wagen es aber nicht, der Ärztin oder dem Arzt offen von ihren Schwierigkeiten zu erzählen und auch gemeinsam mit dem Partner Lösungen zu finden, Hemmungen abzubauen.

Sich lieb haben und – reden

Bei aller demonstrierten Unbefangenheit – so einfach ist es für die ältere Generation dennoch nicht, die Veränderungen anzunehmen, die das Alter nun einmal mit sich bringt, und ihre sexuellen Vorstellungen damit in Einklang zu bringen. Die Scheu, über ihre Wünsche, Sehnsüchte und Probleme beim Sex zu reden, sitzt bei vielen Paaren über 60 noch tief. Übrigens nicht nur bei ihnen, wie Untersuchungen ergaben. Auch die jüngere Generation tut sich durchaus nicht immer leicht, über Lust und Gefühle zu sprechen.

Darin liegt eine Chance für reifere Paare: Sich die Zeit zu nehmen, um aufeinander zuzugehen, Neues zu lernen und zu entdecken, die Sprache wiederzufinden, mutig zu sein, weil sie um den Wert der gemeinsamen Zeit wissen.

Wenn das von alleine nicht geht, gibt es zunehmend gute Beratungsangebote von Gesundheitsämtern, Seniorenverbänden, Ärzten, Paartherapeuten oder Einrichtungen wie pro familia. Gespräche können Wege aufzeigen und dabei helfen, Gefühle und Erotik freudvoll zu verbinden und Sexualität ganz nach den eigenen Vorstellungen zu leben.




Bildnachweis: Panthermedia/Yuri Arcurs

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Andrea Blank-Koppenleitner, www.senioren-ratgeber.de; 19.06.2008, aktualisiert am 04.02.2013
Bildnachweis: Panthermedia/Yuri Arcurs

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