Den Yanomami-Indianern hat er bereits geholfen. Heute kämpft Rüdiger Nehberg gegen die Beschneidung von Frauen im Islam
Rüdiger Nehberg: Abenteurer und Weltverbesserer
Ihr Name ist immer noch sehr verbunden mit den alten Abenteuergeschichten ...
Nehberg, der Würmerfresser – ja klar, das war der Anfang. Damit lebe ich sehr gut, denn die Aufmerksamkeit ist ja auch den Yanomami-Indianern in Brasilien zugutegekommen, für die ich mich damals eingesetzt habe.
Könnten Sie heute noch genauso in die Schlagzeilen kommen?
Nein, das mit den Würmern hat mir RTL mit dem Dschungelcamp geklaut. Das hat aber nichts mit Überlebenstraining zu tun. Das ist nur Quotenjagd mit Ekel.
Jetzt haben Sie Erfolge erzielt im Kampf gegen die Beschneidung von Frauenin islamischen Ländern. Warum kann auch ein Einzelner etwas bewegen?
Bei den Hilfsorganisationen hieß es überall, der Islam sei nicht dialogfähig. Greenpeace und Amnesty International waren anderer Meinung, aber da passte ich nicht ins Konzept. Beide rieten mir: Mach deinen eigenen Verein auf. Bei den Yanomami, die einer riesigen „Armee“ von Goldsuchern gegenüberstanden, habe ich gemerkt: Ein Einzelner ist nicht chancenlos, jeder kann etwas bewegen. Natürlich kann man nicht das ganze Weltelend beseitigen, aber wenn man sich auf ein Thema festlegt und das mit aller Energie vorantreibt, ist schon einiges möglich.
Warum engagieren Sie sich bei allem Elend auf der Welt für dieses Thema?
Die weibliche Genitalverstümmelung kostet laut UNO 8000 Opfer – jeden Tag. Jedes dritte Mädchen stirbt bei der Beschneidung, die oft mit rostigen Klingen oder Glasscherben gemacht wird. Ohne Betäubung. Die Überlebenden haben lebenslang Schmerzen und Traumata. Und das alles für eine sinnlose Tradition.
Woher nehmen Sie die Chuzpe zu sagen: Mir gelingt etwas, was den Politikern nicht gelungen ist?
Politikern und Großorganisationen wie Unicef sind immer diplomatische Grenzen gesetzt. Ich bin als Kleinbürger und Ex-Vorstadtbäcker völlig unabhängig. Und ich kenne den Islam gut. Ich habe auf meinen Reisen so viel Positives erlebt mit Muslimen, manche haben mit mir ihre letzte Dattel geteilt. Ich komme mit Respekt vor der Religion und bitte um Kooperation. Dieses Verbrechen ist mit der Ethik des Islams unvereinbar, es muss zur Sünde erklärt werden. Ich wünsche mir, das auf einem Transparent über der Kaaba in Mekka zu lesen, die jedes Jahr von vier Millionen Gläubigen umrundet wird.
Sie haben hohe muslimische Theologen mit Filmaufnahmen überzeugt, die Ihre Lebensgefährtin Annette Weber bei Beschneidungen von Mädchen gemacht hat …
Da wurden Männer blass und bekamen feuchte Augen. Danach, im November 2006, erklärten sie die Genitalverstümmelung in einer Fatwa (islamisches Rechtsgutachten, d. Red.) für unvereinbar mit dem Islam. Diesen Beschluss versuchen wir jetzt durch das „Goldene Buch“ zu verbreiten – auf Arabisch, Französisch, Englisch und mit Illustrationen. Es soll so schnell wie möglich in allen vier Millionen Moscheen der 35 betroffenen Länder sein. Wir haben es bewusst aufwendig gestaltet, damit es einen Ehrenplatz neben dem Koran einnimmt. Die ersten 100.000 Exemplare werden gerade ausgeliefert. Jedes kostet fünf Euro, dafür suchen wir noch Spender.
Thomas Röbke, Senioren Ratgeber / GesundheitPro;
14.07.2009
Image Stock & People GmbH/Horst Rudel
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