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Renovieren: Lohnt sich das jetzt noch?

Und ob sich das lohnt! Gerade für Senioren ist eine moderne Wohnung mit altersgerechtem Komfort der entscheidende Faktor, möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben zu können


Seniorengerechte Umbauten lohnen sich (fast) immer

Die Renovierung von Wohnung oder Haus ist eine aufwändige, oft kostspielige Angelegenheit. Kein Wunder, dass viele Menschen sich davor scheuen, Zeit, Arbeit und Geld zu investieren. Je älter man wird, desto mehr möchte man sich vor so einer Baustelle drücken. „Das lohnt sich nicht mehr für uns. Das brauchen wir nicht. Bisher ging es doch auch“ – solche Sätze fallen oft in der Diskussion am Küchentisch.

Renovieren steigert den Wert einer Immobilie

Experten für seniorengerechtes Wohnen sind da anderer Meinung: „Selbst wenn das Haus oder die Wohnung gut in Schuss sind, muss man im Alter meist umgestalten, um sich auf eventuelle körperliche Beeinträchtigungen vorzubereiten“, sagt Falk Schütt, Vorsitzender der Fachgemeinschaft barrierefreies Bauen + Wohnen in Hamburg. Je früher Sie die Renovierung anpacken, umso besser. So lange Sie selbst noch rüstig sind, bleiben Sie leichter Herr über die heimische Baustelle.

Oft sind es unkomplizierte Maßnahmen, die eine große Wirkung erzielen und den Verbleib in der eigenen Wohnung bis ins hohe Alter ermöglichen. Dazu zählen Haltegriffe – nicht nur im Bad, sondern nach Bedarf in der ganzen Wohnung –, breitere Türen und das Einebnen von Schwellen oder Stufen.


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Spezialisierte Betriebe für seniorengerechtes Wohnen

„Renovieren lohnt sich auf jeden Fall“, ist auch Günter Lüers überzeugt, Geschäftsführer der Koordinierungsstelle „Wohnen im Alter“ im niedersächsischen Cloppenburg. „Es steigert den Wert der Immobilie und vermeidet in vielen Fällen den Umzug in ein Alten- oder Pflegeheim“, so der gelernte Orthopädie-Mechaniker, der gemeinsam mit der SGS-TÜV GmbH das neue Prüfzeichen „Geprüfte Fachkraft barrierefreie Installation und Montage“ entwickelt hat. Derzeit haben sich deutschlandweit bereits 250 Fachkräfte durch einen Lehrgang für das TÜV-Prüfzeichen qualifiziert. Im ganzen Land gibt es zudem immer mehr Fachgemeinschaften für seniorengerechtes Wohnen. „Sehen Sie sich möglichst in Ihrer Nähe oder im eigenen Bundesland nach einem geprüften Betrieb um. Die Fortbildungen für barrierefreies Wohnen sind in der Regel mit der Handwerkskammer und der Pflegekasse abgestimmt“, rät Falk Schütt.

Zuschüsse und zinsgünstige Kredite

Eigentum zu renovieren lohnt sich (fast) immer. „Bei Mietobjekten rentieren sich kleinere bis mittlere Maßnahmen, sofern sie verhindern, dass der Bewohner in eine Pflegeeinrichtung muss", rät der Geschäftsführer der Bauinnung Hamburg Michael Seitz. Zum Beispiel die seniorengerechte Gestaltung des Bades beziehungsweise der Badewanne. Das Bad ist oft der erste Raum, in dem etwas geschehen muss. Alte Bäder bieten meist zu wenig Bewegungsfreiheit, der Einstieg in die Badewanne bereitet Probleme. Badewannen mit Tür sind jedoch recht teuer. Eine Lösung kann sein, auf die Wanne zu verzichten und eine geräumige, ebenerdige Dusche einzubauen – gerade, wenn der Platz begrenzt ist. Vor allem bei kleinen oder ungünstig geschnittenen Bädern kann die Sanierung trotzdem schnell ins Geld gehen. „Mit 4000 bis 5000 Euro müssen Sie rechnen, bei aufwändigen Arbeiten bis zu 10.000 Euro“, schätz Falk Schütt.

Gerade, wenn Sie zur Miete wohnen, ist der Umzug in eine andere, bereits seniorengerecht ausgestattete Immobilie daher eine Überlegung wert. Manche Vermieter erklären sich bereit, einen Teil der Sanierungskosten zu übernehmen. Sollte Ihre Miete aufgrund der Umbauten steigen und Sie die Mehrkosten alleine nicht stemmen können, scheuen Sie sich nicht davor, einen Mietzuschuss zu beantragen. „Es gibt viele Programme, die die Schaffung von Wohnraum für ältere Menschen unterstützen“, berichtet Lüers. Dazu zählen zum Beispiel zinsgünstige Kredite bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) für private Bauherren. Auch gewerbliche Vermieter bekommen Zuschüsse für behindertengerechte Umbauten. Bei akut notwendigen Renovierungen erhalten Betroffene außerdem einen Zuschuss von der Pflegekasse.


Ob Eingangsbereich, Bad oder Küche: Tipps von der Fachgemeinschaft barrierefreies Bauen + Wohnen für Ihren Umbau

  • Eingangsbereich

    -       Rollstuhlgerechte Tür mit mindestens 95 Zentimetern Breite

    -       Stufen und Türschwellen vermeiden oder mit Rampen überbauen

    -       Gute Beleuchtung, möglichst mit Bewegungssensoren

    -       Falls nötig elektrische Türöffner und Haltegriffe

    -       Einbau von Wechselsprechanlage und Weitwinkelspion

    -       Rutschfester und pflegeleichter Fußboden

    -       Keine Stolperfallen durch Fußmatten. Besser ist es, die Matte in eine Bodenvertiefung zu legen, so dass sie bündig abschließt

    -       Ablagen und Bedienelemente in etwa 85 Zentimetern Höhe


    1/5

  • Bad

    -       Mindestens 1,50 Meter x 1,50 Meter Bewegungsfläche vor Waschbecken und WC

    -       Schwellenlose Dusche (1,20 Meter x 1,20 Meter), eventuell mit Duschsitz

    -       Haltegriffe für Dusche, Wanne und WC

    -       Toilette mit mindestens 48 Zentimeter Sitzhöhe

    -       Erreichbarkeit von Bedienelementen, Steckdosen und Schränken möglichst auch in sitzender Position

    -       Unterfahrbarer Waschtisch

    -       Schwenkbarer Einhebelmischer mit Temperaturbegrenzer

    -       Badezimmertür mit mindestens 90 Zentimetern Breite. Die Tür sollte nach außen aufgehen

    -       Bei Platzproblemen kann eine Schiebetür die Lösung sein

    -       Rutschfeste Fliesen. Der alte Bestand kann unter Umständen überklebt werden

    -       Eventuell Zusatzheizung und elektrische Fensteröffner, sollten die Fenster schwer erreichbar sein


    2/5

  • Küche

    -       Mindestens 120 Zentimeter Bewegungsfläche zwischen den Küchenzeilen

    -       Küchengeräte in Arbeitshöhe, eventuell erhöhte Anordnung von Backofen, Kühlschrank und Spülmaschine zum leichteren Be- und Entladen

    -       Unterfahrbarer Arbeitsplatten, besonders am Spül- und Kochfeld

    -       Unterschränke mit Vollauszügen, eventuell absenkbare Oberschränke

    -       Bedienelemente und Steckdosen in 85 Zentimetern Höhe

    -       Einhebelmischer mit herausziehbarem Brauseschlauch

    -       Robuste und pflegeleichte Materialien und gute Beleuchtung


    3/5

  • Schlafzimmer

    -       Ausreichend Bewegungsfläche rund ums Bett

    -       Kein zu niedriges, eventuell höhenverstellbares Bett für bequemes Aufstehen

    -       Eventuell elektrisch verstellbare Liegefläche

    -       Begehbare Schränke oder absenkbare Kleiderstangen

    -       Vom Bett aus bedienbare Beleuchtung, Rollos, Fenster, Heizung, Telefon

    -       Rutschfester und pflegeleichter Boden ohne Stolperfallen


    4/5

  • Balkone und Terrassen

    -       leichter, barrierefreier Zugang

    -       leicht bedienbarer Sonnen- und Regenschutz

    -       mindestens 1,50 Meter x 1,50 Meter Bewegungsfläche

    -       rutschfester Bodenbelag

    -       gute Beleuchtung


    5/5

Mehrere Angebote einholen

Sie haben sich zur Renovierung entschlossen, wissen aber nicht, welchen Handwerksbetrieb Sie beauftragen sollen? „Holen Sie sich mindestens drei unverbindliche Angebote zum Vergleich ein“, rät Jens-Christopher Ulrich, Sprecher der Handwerkskammer München und Oberbayern. Ein guter Handwerker kommt kostenlos vorbei und erstellt ein Angebot. Die Kostenvoranschläge unterscheiden sich je nach Betrieb oft deutlich in der Höhe. Wer sich im Internet auskennt, versucht es vielleicht mal mit Online-Angeboten. „Diese können günstiger sein“, sagt Ulrich. Aber vorsicht: Wählen Sie auch im Internet möglichst einen Betrieb in Ihrer näheren Umgebung, wenn es geht, aus demselben Postleitzahlenbereich. „Bei weiter Anreise muss der Handwerker seine Fahrtkosten irgendwie wieder reinholen. Er wird eventuell mehr für die eigentlichen Bauarbeiten berechnen als nötig“, gibt Kollege Seitz von der Bauinnung Hamburg zu bedenken.

Und nicht nur auf die Kosten kommt es an. Informieren Sie sich außerdem, wie lange es den Betrieb schon gibt. „Im Hinblick auf die Gewährleistung. In der Regel sind es fünf Jahre, das ist wichtig“, erklärt Seitz. Ein neu gegründetes Geschäft existiert womöglich in ein paar Jahren schon nicht mehr. Bei einem Traditionsunternehmen ist dies eher unwahrscheinlich. „Bestehen Sie außerdem auf einen vernünftigen Vertrag, in dem auch der Gewährleistungsanspruch geregelt ist, sowie auf eine ordentliche Rechnung“, rät Seitz. Arbeiten, die „unter der Hand“ erledigt wurden, können im Schadensfall schlecht reklamiert werden.

Bei größeren Maßnahmen im fünfstelligen Bereich empfiehlt es sich zudem, einen Planer oder Architekten hinzuziehen. „Ein Planer nimmt dem Bauherrn viele Sorgen ab“, sagt Seitz. Er erledigt die Ausschreibung, koordiniert die Handwerker und reklamiert überteuerte Rechnungen, da er genau weiß, wie viel zum Beispiel Material kostet. Bestehen Sie darauf, dass der Architekt die Handwerker nicht selbst mitbringt, sondern wirklich den günstigsten Betrieb für Sie auswählt. Apropos Kosten: Das Honorar des Architekten liegt bei etwa neun bis zehn Prozent der Gesamtmaßnahme.

Seniorengerecht ist schick

Der Begriff „behinderten- oder seniorengerecht“ schreckt viele Menschen ab. Sie stellen sich darunter ein steriles Umfeld wie im Krankenhaus oder Pflegeheim vor. Weit gefehlt! „Inzwischen gibt es barrierefreie Lösungen, die nicht nur praktisch sind, sondern auch schick“, sagt Ulrich von der Münchner Handwerkskammer. Auch jüngere Menschen sollten daran denken, dass Stufen oder Schwellen in einigen Jahren zum Hindernis werden können. „Wenn Sie sich sowieso eine neue Fensterfront zur Terrasse planen, bauen Sie am besten gleich eine Tür ohne Schwelle ein“, rät Experte Schütt. Bei ohnehin nötigen Renovierungen gibt es seniorengerechte Lösungen für einen relativ kleinen Mehrpreis.

Mit „seniorengerecht“ ist heutzutage eine Komfortlösung gemeint, die in der Optik oft nicht von einer „normalen“ Ausstattung zu unterscheiden ist. Und die Ihnen dennoch selbstständiges Wohnen bis ins hohe Alter ermöglicht.




Bildnachweis: iStock/Gannet77

Simone Herzner / www.senioren-ratgeber.de; 09.09.2011
Bildnachweis: iStock/Gannet77

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