Kann unser Körper Emotionen verstecken? Dieser Frage geht Samy Molcho im Interview auf den Grund.
Ohne Worte Samy Molcho in „Kain und Abel“ (1970)
Beim Thema Pantomime fallen einem Marcel Marceau und Sie ein – Marceau ist 2007 gestorben, Sie haben sich 1980 von der Theaterbühne verabschiedet. Wo ist der Nachwuchs? Ist die Pantomime eine aussterbende Kunst?
Nein. Die Pantomime war noch nie sehr verbreitet. Sie ist immer an die Persönlichkeit des Künstlers gebunden. Zu unserer Zeit, Mitte der 60er-Jahre, benutzten viele junge Gruppen die Pantomime für politisches Straßentheater, also nicht als reine Form. Es gibt heute viele Schulen für Pantomimen, und es spielen auch heute sehr viele Pantomimen, vor allem in kleineren Theatern. Um mit eigenen Kreationen und ohne Hilfsmittel einen Saal mit 600 oder 800 Zuschauern zu unterhalten, braucht man aber schon eine besondere Stärke.
Mit der Konkurrenz durch das Fernsehen würde Ihnen diese Karriere heute auch nicht mehr gelingen, oder?
Ich glaube doch. Der Erfolg hat damit zu tun, welche Faszination der Pantomime verbreiten kann. Noch heute erzählen mir Leute von den starken Erlebnissen, die sie bei meinem Auftritt gehabt haben. Ein guter Pantomime versetzt seine Zuschauer in eine Zauberwelt. Man kann nicht einfach dasitzen und zuhören, man muss seine Fantasie einschalten und gerät selbst in einen kreativen Zustand, erlebt die Aufführung wirklich mit. Manche meiner Zuschauer waren sich sicher, Musik gehört zu haben, dabei war da kein einziger Ton.
Als Sie 1961 das erste Mal in Deutschland auftraten, brachte Ihnen das Kritik in Ihrer Heimat Israel ein …
Oh ja, sehr viel. Ich habe damals gesagt: Mit Hass baut man keine Brücken. Ich habe mich häufig nach der Vorstellung mit deutschen Jugendlichen ausgetauscht. Die hatten überhaupt keine Informationen über Israel. Da saß ich manchmal mit 20 jungen Leuten am Tisch. Diese Gespräche waren wichtig.
Haben Sie je bereut, dass Sie sich vom Theater zurückgezogen haben?
Nein, keine Sekunde. Die Tourneen, die langen Reisen – ich wollte meine Kinder erleben und für sie als Vater da sein. Kinder sind schließlich keine Koffer, die man einfach mitschleppt. Ich bin ja auch nicht inaktiv gewesen seitdem. Zu meinen Vorträgen kommen Hunderte von Menschen.
Thomas Röbke, Senioren Ratgeber / GesundheitPro;
06.08.2009
Ullstein Bilde/Fugere(L)
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