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Seniorenhandy: So finden Sie das richtige

Auch bei Senioren werden Mobiltelefone immer beliebter. Welche Geräte für ältere Menschen geeignet sind


Einfach zu bedienen und ohne Schnickschnack: Handys für Senioren

Eine Forsa-Studie ergab, dass inzwischen jeder zweite Deutsche, der älter als 65 Jahre ist, ein Handy besitzt. Allerdings sind die wenigsten älteren Mobiltelefon-Besitzer wirklich zufrieden mit ihren Geräten. Zu viele überflüssige Funktionen, zu kleine Tasten und eine komplizierte Bedienung erschweren den Umgang.


Integrierte Kamera? Wechselnde Hintergrundbilder? Musikwiedergabe? All das brauchen die meisten Senioren nicht. Sie wollen im Notfall telefonieren oder erreichbar sein, vielleicht auch mal eine SMS verschicken. Sie möchten ein Gerät, dass sich auf das Wesentliche beschränkt. Nicht mehr, aber auch auf keinen Fall weniger. Nach welchen Kriterien Sie Ihr Handy aussuchen sollten, erfahren Sie hier.

Große Tasten

Menschen im fortgeschrittenen Alter sehen oft schlecht. Auch die Finger zittern bisweilen und treffen nicht mehr so zielsicher wir früher. Kleine, unleserliche oder zu eng aneinander liegende Tasten sind deshalb ungeeignet.

Ingeborg Berger kennt diese Probleme. Die 71-jährige Rentnerin aus Berlin trägt eine dicke Brille. „Manchmal habe ich das Gefühl,“ sagt sie, „dass ich von Tag zu Tag schlechter sehe.“ Ein Handy hat sie trotzdem. Eines, das aussieht wie eine wuchtige Fernsehbedienung mit extra großen Tasten. Die Zahlen darauf – weiß auf schwarz – sind riesig und werden von hinten beleuchtet. Durch große, farbliche Symbole wird sofort klar, wie sie einen Anruf annehmen und wieder auflegen kann. Berger kommt gut damit zurecht, auch wenn sie das Handy nicht oft benutzt.

Großes Display

Wichtig ist ebenfalls ein großes und klares Display, auf dem die eingetippten Zahlen und Buchstaben deutlich zu erkennen sind. Auch die Namen und Nummern der eingehenden Anrufer müssen leicht lesbar sein. Einfarbige Anzeigen ohne störende Hintergrundbilder erleichtern die Handhabung.

Wenige Funktionen

Senioren sind oft irritiert von den vielen Funktionen, die ein Handy hat. Diese Erfahrung machte auch Alfred Brunner aus Wien: „Mein erstes Handy habe ich von meiner Tochter bekommen,“ erzählt der 74-Jährige.  „Damit kannte ich mich überhaupt nicht aus. Hier ein Stern, da ein Kreuz. Obwohl es mir meine Tochter erklärt hat, wusste ich wochenlang nicht, wie man eine Nummer einspeichert oder eine Nachricht verschickt.“

Dass „vererbte“ Mobiltelefone gerade für Senioren nicht die erste Wahl sind, weiß auch Dietrich Gohlke. Der 67-jährige Berliner hat unter anderem schon Handys für die Stiftung Warentest bewertet. „Oft bekommen ältere Menschen von ihren Kindern ein Handy geschenkt, das sie sich nicht selbst ausgesucht haben oder das vielleicht nur ausgemustert wurde.“ Sein Rat: Unbedingt das Angebot gründlich sichten und sich im Fachgeschäft beraten lassen.

Klare Menüführung

Spezielle Seniorenhandys legen großen Wert auf eine einfache und verständliche Menüführung, die keiner großen Erklärungen bedarf. Die Nutzer sollen ganz intuitiv durch die Funktionen navigieren. Da sich manche Funktionen allerdings doch nicht von selbst erschließen, ist eine gut lesbare und einleuchtende Gebrauchsanleitung extrem wichtig. Einige Produkte sind auch mit Kurzanleitungen ausgestattet, die die Senioren immer mit sich führen können.

Individuelle Auswahl


Es lohnt sich auf jeden Fall, sich die unterschiedlichen Modelle im Fachgeschäft zeigen zu lassen und diese auch eingehend auszuprobieren. Liegt das Handy gut in der Hand? Ist es mir auch nicht zu schwer? Wie bruchsicher und widerstandsfähig ist das Gehäuse? Komme ich mit der Nutzerführung klar? Kann ich das Gerät problemlos in Betrieb nehmen? Wie lade ich den Akku? Sind mir die Tasten auch groß genug? Entscheiden Sie sich für ein Handy, das Ihren persönlichen Ansprüchen genügt.

Kurzwahltasten

Als besonders praktisch hat sich die Funktion der so genannten Kurzwahltasten erwiesen. Das bedeutet: Sie können eine komplette Telefonnummer unter nur einer einzigen Ziffer speichern. Wenn Sie also beispielsweise die Nummer Ihres Arztes unter der „1“ gespeichert haben, reicht zukünftig lediglich das Antippen der „1“ und Sie werden automatisch mit der Praxis verbunden. Für Ingeborg Berger hat sich das schon einmal als sehr hilfreich erwiesen: „Es war zwar nichts Schlimmes, aber mir war nach dem Einkaufen und Treppensteigen recht schwindlig. Ich habe nur schnell auf die „1“ getippt und war schon mit meiner Tochter verbunden.“ Auch wenn sie das Mobiltelefon nicht oft benutzt, sagt Berger: „Das Handy gibt mir einfach ein Gefühl der Sicherheit. Nicht nur mir, sondern auch meiner Verwandtschaft.“

Einige Seniorenhandys gehen sogar noch weiter: Wenn eine bestimmte Ziffer gedrückt wird, werden nacheinander bis zu fünf vorher festgelegte Nummern angewählt. Es klingelt also zuerst bei den Kindern, dann bei Freunden, beim Nachbarn oder beim Rettungsdienst. Meistens ist die mittlere Taste mit dieser Funktion belegt. In manchen Fällen ist sie auch rot oder mit einem Herz versehen.  

Standorterkennung

Als hilfreich hat sich auch eine Standorterkennung via GPS (Global Positioning System) erwiesen. Wenn dieser kostenpflichtige Dienst aktiviert wurde, ist das Handy bei einem abgegebenen Notruf in der Lage, über einen Satelliten die aktuelle Position an den Rettungsdienst weiterzugeben. Leider hat das GPS-System auch seine Schwächen: Wenn man sich zum Beispiel auf einem Spaziergang im Wald oder in einem mehrstöckigem Haus befindet, ist eine exakte Ortung sehr schwierig.

Nicht vergessen: Spezielle Seniorenhandys brauchen aufgrund von größeren Displays oder einem aktivierten GPS-System mehr Strom. Ein Handy mit guten Standby-Zeiten (Standby = Handy aktiviert, aber im Ruhezustand) ist von Vorteil.

Sprachqualität und Hörgerätekompatibilität


Ein weiteres Plus der Seniorenhandys: die verbesserte Sprach- und Lautstärkequalität. Viele ältere Menschen hören etwas schlechter, einige sind auch auf ein Hörgerät angewiesen. Spezielle Mobiltelefone für Senioren haben meist eine extra gute Sprachübertragung. Die Lautsprecher sind für Menschen ausgelegt, die ein Hörgerät benutzen. Ebenso kann die Hörerlautstärke bis auf 23 Dezibel erhöht werden, die Klingeltöne auf bis zu 100 Dezibel. Irritierende Nebengeräusche werden bei diesen Geräten fast vollständig eliminiert.

Alfred Brunner, Besitzer eines solchen Seniorenhandys und gleichzeitig Träger eines Hörgerätes, hat lange gesucht bis er ein geeignetes Handy gefunden hat. „Am Anfang war das schon eine Herumprobiererei, aber es hat sich wirklich gelohnt.“ Selbst im Vergleich zum Festnetz sei die Sprachqualität des Mobiltelefons besser. Und wenn das Handy klingelt? „Ich trage das Handy in der Hosentasche“, erklärt Brunner. „Da merke ich durch den verstärkten Vibrationsalarm, wenn mich jemand anruft.“

Viele Seniorinnen und Senioren haben bereits gute Erfahrungen mit Handys gemacht. Manche haben aber auch noch Berührungsängste vor der Technik und ihren Finessen. Manchmal hilft ihnen, an einem Handykurs für ältere Menschen teilzunehmen, die es inzwischen gibt.




Bildnachweis: W&B/U.Schmidt

Sandra Schmid / www.senioren-ratgeber.de; 19.09.2011
Bildnachweis: W&B/U.Schmidt

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