Wenn Sie ein Ereignis Ihrer Karriere wiederholen könnten – welches wäre das?
Wiederholungen führen nur zu Enttäuschungen, weil man alles schon erlebt hat. Ich habe vor 70.000 Leuten im Petersdom „Großer Gott, wir loben dich“ angestimmt. In allen Sprachen der Welt, die ganze Welt hat miteinander gesungen, die Welt hat sich sofort verstanden mit ein paar Akkorden.
Die ARD hat Ihnen zum 80. Geburtstag ein merkwürdiges Geschenk gemacht und im vergangenen Jahr die „Straße der Lieder“ eingestellt ...
Das war wirklich eine Überraschung. Ich werde so oft auf der Straße angesprochen, wann es denn wieder eine Sendung gibt, sie habe immer so viel Freude bereitet. Aber das interessiert die Redaktionen nicht. Ältere Zuschauer werden als störend empfunden. Die Mächtigen haben das Wort.
Unvergessen sind die Schlagzeilen anlässlich der Love Parade in Berlin im Jahr 2000, als Ihnen jemand heimlich Drogen ins Bier getan haben soll ...
Ich war damals nur als Moderator engagiert worden. Irgendwie kam es dazu, dass ich „Hoch auf dem gelben Wagen“ anstimmte und unversehens im Zentrum des Geschehens stand und mir die Jugendlichen zujubelten. Plötzlich hieß es, der Fischer ist außer Rand und Band, dem hat jemand was ins Bier getan. Als die Presseanfragen kamen, habe ich das Spiel mitgemacht und von tanzenden Elefanten und Schlangen und seltsamen Zuckungen erzählt. Die brauchten eine Geschichte, und da habe ich halt dem Affen etwas Zucker gegeben.
Bei den Fischer-Chören wurden im Lauf der Jahre gut 300 Ehen geschlossen. Wie viele davon bestehen noch?
Ich weiß von keiner einzigen Scheidung. Das ist fast ein bisschen unheimlich. Aber Singen verbindet eben. Oder die Geschiedenen trauen sich nicht, mir das zu erzählen ...
Sie haben alles dirigiert, was man dirigieren kann. Haben Sie noch einen Traum?
Ich will auf dem Tafelberg in Kapstadt mit 2000 Menschen singen. Und ich möchte, dass an einem Heiligen Abend die ganze Welt miteinander „Stille Nacht“ singt.
Wollen Sie wirklich den Weltfrieden herbeisingen, das schaffen, was der Politik nicht gelingt?
Ich bin länger Dirigent, als irgendein Politiker im Amt ist. Wenn wir unsere Sehnsucht nach der heilen Welt aufgeben, haben wir nichts mehr, dann sind wir tot.
Stimmt es, dass Ihr Grabkreuz zu Hause neben dem Klavier steht?
1965, im Landeanflug auf Rio de Janeiro, brach plötzlich die Jesus-Statue auf dem Corcovado durch die Wolkendecke. Das war so faszinierend, dass ich seitdem Kreuze sammle. Nach einem Konzert im Bregenzer Wald fragte mich der Pfarrer, was ich als Honorar haben möchte. Da habe ich mir ein altes Grabkreuz gewünscht, das dort herrenlos im Kirchgarten lag. Nun steht es in meinem Wohnzimmer, solange ich noch lebe.
Herr Fischer, Ihre Haare ...
... sind echt. Bei meinen Konzerten bitte ich immer eine Dame in der ersten Reihe, daran zu ziehen. Dann ist das für den Abend geklärt. Aber nach jedem Fernsehauftritt kommen Briefe oder Anrufe, ob ich nicht auf diese scheußliche Perücke verzichten könnte ...
Thomas Röbke / Senioren Ratgeber;
01.10.2009
dpa Picture-Alliance GmbH/Andreas Wrede
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