Binnen Sekunden einschlafen und operiert aufwachen: ein Menschheitstraum, der 1856 wahr wurde. Doch seit der ersten Äthernarkose in Boston hat sich viel getan. Heutige Medikamente schaffen es, dass der Patient punktgenau einschläft und aufwacht. Zehn Millionen Betäubungen und Narkosen finden jährlich in Deutschland statt, zunehmend auch bei älteren Patienten, die trotz ernsthafter Begleiterkrankungen, wie etwa am Herzen oder der Lunge, operiert werden können.
„Wir finden für fast jedes Alter, für fast jeden operativen Eingriff die passende Betäubung“, meint Professor Bernd Landauer, Präsident des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten. Das ermöglichen zeitsparende Operationstechniken, aber auch verschiedene Alternativen zur Vollnarkose. Überdies kontrollieren neuere Überwachungsinstrumente sowohl die Narkosetiefe als auch den Zustand des Patienten. „Die Anästhesie war noch nie so sicher wie heute.“
Wichtig: Das Vorbereitungsgespräch
Vor dem Eingriff besprechen Sie mit dem Narkosearzt, welches Verfahren für Ihre geplante Operation infrage kommt. Der Anästhesist klärt Sie über mögliche Folgen und Risiken auf. Diese sind von Patient zu Patient unterschiedlich. Wie viel Sie rauchen, trinken oder wiegen, welche Medikamente Sie gegen welche Erkrankungen einnehmen, entscheidet über Narkosemittel und Dosis. Beantworten Sie die Fragen des Narkosearztes deshalb wahrheitsgemäß.
Die Narkoseverfahren im Überblick
Örtliche Betäubung
Wann: Bei kleinen chirurgischen Eingriffen, wie am Zahn oder am Fuß, genügt es oft, nur das Operationsfeld schmerzfrei zu machen.
Wie: Der Arzt spritzt Betäubungsmittel unter die Haut. Nach wenigen Minuten sind kleinste Nerven blockiert.
Vorteil: Keine schweren Reaktionen zu erwarten. Kein Anästhesist nötig.
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Rückenmarksnahe Betäubung
Wann: Der Anästhesist kann größere Körperbereiche gefühllos machen, indem er Nervenleitungen zum Rückenmark blockiert.
Wie: Mithilfe einer Hohlnadel sticht der Anästhesist zwischen den Wirbelkörpern hindurch und spritzt das Betäubungsmittel direkt in den Wirbelkanal oder platziert dort erst einen Katheter. Das Schmerzmittel gelangt so zu den gewünschten Nerven und den von ihnen versorgten Körperbereichen. Welche das genau sind, hängt sowohl von der Einstichstelle am Rücken als auch von der Lagerung des Patienten und vom Narkosemittel ab.
Vorteil: Der Patient erlebt die Operation schmerzfrei, aber wach. Eine Schlafnarkose ist nicht vonnöten, kann jedoch auf Wunsch zusätzlich verabreicht werden. Bei Bedarf kann der Narkosearzt über den Katheter das Betäubungsmittel nachspritzen. Der Katheter bleibt manchmal auch nach der Operation für eine mögliche Schmerztherapie liegen.
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Vollnarkose
Wann: Dauert eine Operation voraussichtlich Stunden, verlangt der Eingriff minutiöse Detailarbeit oder lässt sich das Operationsgebiet nicht örtlich betäuben, entscheiden sich die Ärzte meist für eine Vollnarkose. Das ist zum Beispiel bei Eingriffen an der Lunge, im Bauchraum, an der Wirbelsäule oder im Kopf der Fall.
Wie: Eine Mischung aus Schmerz- und Schlafmitteln, oft ergänzt durch muskelentspannende Medikamente, gelangt per Tropfinfusion, manchmal auch über ein eingeatmetes Gas in das Blut des Patienten. Nach 30 bis 60 Sekunden ist dieser schmerzfrei und auch nicht mehr bei Bewusstsein. Der Medikamenten-Mix bewirkt, dass Schmerzen vom Gehirn nicht wahrgenommen und verarbeitet werden und der Patient in einen schlafähnlichen Zustand fällt. Weil dabei auch sein Atemzentrum lahmgelegt wird, muss er während des Eingriffs künstlich beatmet werden, etwa über eine Atemmaske, in den meisten Fällen aber über einen Tubus, den der Narkosearzt in die Luftröhre platziert.
Vorteil: Der Patient erlebt das Operationsgeschehen nicht mit. Der Arzt überwacht alle Körperfunktionen, um Komplikationen während des Eingriffs zu vermeiden. Teil- und Vollnarkose lassen sich im Einzelfall auch kombinieren, sodass eine geringere Medikamentendosis ausreicht. Ohnehin treten bei modernen Narkosemitteln meistens weniger Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Verwirrtheit auf.
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Nervenblockade am Arm
Wann: Bei Verletzungen oder Erkrankungen des Arms oder der Hand, etwa einem Karpaltunnelsyndrom am Handgelenk, kann der Arzt das Schmerzempfinden im Arm gezielt ausschalten.
Wie: Der Arzt spritzt ein örtliches Betäubungsmittel in das Nervengeflecht in der Achselhöhle.
Vorteil: Der Patient ist bei Bewusstsein, sein Arm ist 15 Minuten nach dem Einstich völlig schmerzfrei. Auch bei dieser Betäubungsart kann der Arzt über einen Katheter immer wieder das Schmerzmittel nachspritzen oder es nach der Operation zur Schmerzbehandlung einsetzen, was auch schmerzhafte krankengymnastische Übungen ermöglicht. Wer von der Operation nichts mitbekommen will, lässt sich mit einem Dämmerschlaf-Mittel beruhigen, das der Infusion beigemischt wird.
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Elke Schurr / Senioren Ratgeber;
02.12.2011
Bildnachweis: W&B/Szczesny, Prisma Bildagentur AG
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