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Venen: Was tun gegen schwere Beine?

Im Alter kommt es häufig zu einer Venenschwäche. Vielen hilft es bei schweren Beinen schon, täglich Kompressionsstrümpfe zu tragen. Wann eine Operation nötig ist


Maßarbeit: Eine Apothekerin misst das Bein einer Kundin aus, damit sie passgenaue Stützstrümpfe auswählen kann

Wie ein blauer, träger Fluss schlängelt sich eine Krampfader die Wade hinauf. Für viele ein Grund, den Rock lieber knöchellang zu tragen. Doch das Versteckspiel kann böse enden. „Schwache Venen sollte man rasch behandeln lassen“, sagt Dr. Horst-Peter Steffen, Chefarzt der Capio Klinik im Park in Hilden. „Sonst schreitet die Erkrankung weiter voran, und es können sich Geschwüre oder Ekzeme bilden.“ Was Betroffene wissen müssen:

Wie spüre ich eine Venenschwäche?

Die Krankheit verläuft schleichend – und nicht immer ist eine Venenschwäche mit bloßem Auge zu erkennen. Bei beginnender Erkrankung spürt man eher, dass mit den Beinen etwas nicht stimmt: Sie fühlen sich müde und schwer an. Sie spannen, ziehen, schmerzen und sind besonders nach warmen Sommertagen dicker als sonst.

Die Ursache für Venenschwäche ist hohes Alter, Übergewicht oder eine erblich bedingte Schwäche des Bindegewebes. Letztere kann sich auch schon in jungen Jahren bemerkbar machen, durch Cellulite an den Oberschenkeln, blaue Äderchen an den Fußknöcheln, rosafarbene Stauungsflecken an den Unterschenkeln oder bläuliche Aussackungen dicht unter der Hautoberfläche, die Krampfadern. Bewegungsmangel, langes Stehen, enge Kleidung und hohe Schuhe können die Gefäße zusätzlich belasten. Schwere Beine können ein Warnzeichen für eine Venenschwäche sein.


Was passiert bei Venenschwäche?

Venen sind Teil des Blutkreislaufs: Die netzartig aufgebauten Gefäße transportieren das sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen. Die oberflächlichen Beinvenen sammeln das Blut zunächst aus den oberen Hautschichten und transportieren es über zahlreiche kleinere Verbindungsvenen zu den tief liegenden Venen – von dort fließt es aufwärts zum Herzen.

Wenn die Spannung der Gefäßwände oder das diese umgebende Muskel- und Bindegewebe zu schwach ist, haben die Venen keinen ausreichenden äußeren Halt mehr. Sie dehnen sich aus, und die Venenklappen, die als Ventile den Rückfluss verhindern, schließen nicht mehr richtig. Die Folge: Das Blut staut sich, Flüssigkeit tritt in das umliegende Gewebe aus, und die Haut wird nicht mehr gut mit Nährstoffen versorgt. Sie kann sich entzünden, in den tiefen Beinvenen steigt das Risiko für ein Blutgerinnsel.

Welcher Arzt ist der richtige für geschwollene oder schwere Beine?

Gehen Sie zuerst zu Ihrem Hausarzt – er muss zunächst für die Beschwerden, etwa geschwollene oder schwere Beine, andere Gründe ausschließen, und kann Sie zu einem Facharzt für Venenkrankheiten, einem Phlebologen, überweisen. „Lassen Sie sich den Patienten-Fragebogen der jeweiligen Praxis vorab nach Hause schicken – so können Sie ihn in Ruhe ausfüllen, denn er ist sehr ausführlich“, rät Steffen. Der Facharzt muss viel von Ihnen erfahren: Welche Symptome haben Sie? Gibt es in der Familie bereits Venenleiden? Wurden bei Ihnen schon Operationen an den Venen durchgeführt? Welche Medikamente nehmen Sie ein? Der Arzt wird die Beine inspizieren und abtasten sowie anschließend per Ultraschall die Venen und den Blutfluss begutachten, was völlig schmerzfrei ist. Mittels der Untersuchung kann er in den meisten Fällen den Schweregrad einer Venenschwäche beurteilen und eine Therapie empfehlen.

Was hilft in frühen Stadien?

„Den meisten Patienten hilft bereits das Tragen von Kompressionsstrümpfen“, weiß Steffen. Durch ihr spezielles Strickverfahren umschließen diese das Bein und üben von außen Druck auf die erweiterten Venen aus. Das verringert deren Durchmesser, und die Venenklappen können wieder gut schließen – voraus­gesetzt, man trägt die Strümpfe jeden Tag von morgens bis abends. Ein Laie kann sie kaum von Nylonstrümpfen oder Strumpfhosen unterscheiden.

Woher bekomme ich die Strümpfe?

Der behandelnde Arzt verschreibt sie. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für zwei Paar Strümpfe pro Jahr. Kompressionsstrümpfe gibt es in unterschiedlichen Materialien, Stärken, Größen und Längen. Die Stärke und die Länge gibt der Arzt vor. Lassen Sie sich daher verschiedene Herstellermuster zeigen – Sie können in der Regel zwischen verschiedenen Materialien und Farben wählen und auch, ob Sie lieber eine offene oder geschlossene Fußspitze mögen.

Doch zuerst muss das Bein in der Apotheke vermessen werden, „und zwar möglichst früh am Morgen, wenn die Beine noch nicht geschwollen sind“, sagt Miriam Nürnberger von der Alten Stadtapotheke in Miesbach. Dafür muss der Patient Schuhe, Strümpfe und meist auch die Hose ausziehen. Beide Füße und Beine werden dann im Stehen, auf Wunsch auch im Sitzen vermessen. Nach etwa ein bis zwei Tagen können Sie die bestellten Strümpfe in der Apotheke abholen – bei Sonderanfertigungen dauert es länger.

„Lassen Sie sich gleich zeigen, wie Sie Ihre Strümpfe anziehen. Am besten geht es mit Gummihandschuhen – so können die Fingernägel zudem das Material nicht verletzen“, rät Nürnberger. Kompressionsstrümpfe kann man in der Waschmaschine reinigen, nur sollte man keinen Weichspüler verwenden und sie nicht in den Trockner geben.

Wie kann ich meine Haut schützen?

Unter den fest sitzenden Kompressionsstrümpfen kann die Haut ein wenig rissig werden und jucken. Mit einer guten Hautpflege beugen Sie vor: Fragen Sie in der Apotheke nach speziellen Pflegeprodukten, die Sie kurz vor dem Anziehen der Strümpfe am Morgen auftragen können. Mittlerweile gibt es auch Kompressionsstrümpfe mit pflegenden Substanzen.

Was bewirken pflanzliche Mittel?

„Die Kompressionstherapie kann man gut mit Venenmitteln zum Einnehmen ergänzen“, sagt der Apotheker Dr. Fritz Grasberger aus Miesbach. Extrakte aus Rosskastanie, Rotem Weinlaub oder Mäusedorn stärken die Gefäßwände und verhindern Wassereinlagerungen (Ödeme). „Bis zur vollen Wirkung muss man sich allerdings zwei bis drei Wochen gedulden – am besten, man fängt mit dem Einnehmen zeitig im Frühjahr an, bevor es richtig warm wird“, rät Grasberger.

Wann muss operiert werden?

Zeigt die Kompressionstherapie zu wenig Wirkung oder ist die Venenschwäche weit fortgeschritten, wird der Arzt zu einer Operation raten. Ziel eines Eingriffs ist es, den defekten Venenbereich auszuschalten. Dann übernehmen mehrere kleinere Venen die Funktion, was den Blutfluss wieder verbessert und mögliche Folgeerkrankungen verhindert. Der Arzt holt den geschädigten Gefäßabschnitt entweder heraus oder er verödet ihn. „Dafür gibt es viele unterschiedliche, anerkannte Verfahren – welches infrage kommt, hängt davon ab, wie alt und wie gesund ein Patient ist und welche Venen wie stark betroffen sind“, sagt Steffen. „Ich rate Betroffenen, sich vor einem Eingriff gut zu informieren und bei Unsicherheit eine zweite Meinung einzuholen.“ Ist die vom Arzt vorgeschlagene Methode wirklich die beste für mich? Wie schonend und erfolgversprechend ist sie? Auch die Nachsorge ist wichtig: Muss man weiterhin Kompressionsstrümpfe tragen? Sprechen Sie das vorher an.

Was tut den Venen sonst noch gut?

Stehen und sitzen Sie so wenig wie möglich – dafür sollten Sie öfter gehen oder sich hinlegen. Wer aktiv ist, sollte sanfte Ausdauersportarten wählen, etwa Nordic Walking, Schwimmen, Radfahren oder Tanzen. Außer beim Schwimmen sollte man auch beim Sport seine Kompressionsstrümpfe tragen. Tägliche Gymnastik für die Venen hält die Gefäße fit und beugt Wassereinlagerungen vor – fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Krankenkasse nach einer Anleitung. Wer ein gutes Gleichgewichtsgefühl besitzt, sollte ab und zu in den Zehenstand gehen – das aktiviert die Muskulatur in den Waden und kräftigt die Venenwände. An warmen Tagen tut es gut, die Füße und Unterschenkel zwischendurch mit dem Duschkopf kalt abzubrausen. Eine Venenschwäche ist nicht heilbar – Betroffene können aber viel tun, um das Fortschreiten aufzuhalten.



Petra Haas / Senioren Ratgeber; 24.10.2011, aktualisiert am 16.03.2012
Bildnachweis: W&B/Stepahn Höck

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