Berufsleben:
"Chancen durch Ältere"

Professor Sven Völpel erörtert in unserem Interview Fragen zum Thema "Arbeiten mit 50 plus"

Arbeitnehmer über 50: Vorteil durch Erfahrung

Herr Prof. Völpel, Sie untersuchen, wie Betriebe mit älter werdender Belegschaft innovativ bleiben. Sind Ältere weniger fortschrittlich?


Nein. Statistisch ist es sogar so, dass Ältere mehr Patente anmelden als Nachwuchskräfte. Es gibt auch keinen erwiesenen Zusammenhang zwischen Alter und Produktivität. Aber die Unternehmen sind zu wenig auf den wachsenden Anteil von über 50-Jährigen eingestellt.

 

Woran machen Sie das fest?


Eklatant zeigt sich das im Bereich Fortbildungen. Weniger als fünf Prozent der über 45- jährigen Kollegen nehmen an Fortbildungen teil.

 

Liegt das am Unternehmen oder an den Mitarbeitern?


Ich würde sagen, an beiden. Aufseiten der Mitarbeiter bestehen häufig Barrieren im Kopf, viele haben es verlernt zu lernen. Bei den Firmen gibt es oft die Einstellung, dass sich die Fortbildungskosten nicht mehr rechnen. Aber das Argument zieht immer weniger, denn schon wegen der Rente mit 67 werden wir künftig länger arbeiten. 

Prof. Dr. Sven Völpel
Sven Völpel, Professor für Betriebswirtschaft, Jacobs-University in Bremen

Wie wird das die Betriebe verändern?


Es klingt vielleicht überraschend, aber ich sehe darin eine Chance. Wir wissen aus Studien, dass ein Generationenmix für viele Aufgaben die beste Lösung ist: Die oft radikalen Ideen der Jungen mischen sich mit der Erfahrung der Alten. Das ließ sich aber bislang kaum umsetzen, weil nur wenige über 55-Jährige noch im Beruf standen.

 

Vielleicht ist mancher Jüngere gar nicht erbaut, wenn die Älteren länger bleiben.


Ja, es kann Konflikte geben. Ich plädiere für neue Karrieremuster. Zurzeit ist alles darauf angelegt, bis Anfang 40 aufzusteigen, dann noch einige Jahre zu arbeiten und in Rente zu gehen. Wir brauchen mehr horizontale Karrieren: Auch auf einer Stufe muss es weitergehen, etwa durch neue Aufgaben oder Qualifizierungen.