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Gedächtnistraining:
Warum Lernen nie aufhört

Unser Gehirn braucht Herausforderungen. Und wer sich dem Neuen stellt, profitiert in jeder Hinsicht

Gehirnjogging - Gedächtnistraining für Senioren

Fit im Kopf: Jung und Alt inspirieren sich gegenseitig

Egal, ob man ratlos vor der Digitalanzeige eines Fahrscheinautomaten steht, mit dem neuen Handy telefoniert oder einfach nur den eigenen DVD-Rekorder verstehen möchte: Alles scheint sich permanent zu verändern. Vor allem im alltäglichen Umgang mit Technik erfahren wir immer wieder aufs Neue, was das heißt: lebenslanges Lernen. Auf viele Menschen wirkt das erst einmal bedrohlich.

 

Aber die Lernforschung belegt: Wer sich dem Neuen stellt und öffnet, profitiert davon – geistig, psychisch und auch körperlich. Dank der gestiegenen Lebenserwartung lohnt sich die Investition doppelt: Vor den meisten Ruheständlern liegen heute noch 20 bis 30 Jahre Lebenszeit – Zeit, die aktiv gestaltet und genutzt werden will.

 


Dass Ältere die Zeichen der Zeit erkannt haben, beweisen viele Einzelbeispiele: Die 50jährige, die als Auszubildende noch mit Schreibmaschine tippte, arbeitet sich in moderne Computerprogramme ein. Von heute auf morgen führt eine Witwe mit Anfang 60 den Betrieb ihres verstorbenen Ehemannes weiter. Ein Großvater paukt Englisch, weil er mitreden will, wenn er seine Enkelin und ihren irischen Ehemann trifft. Oder das Rentnerpaar, das Saxophon lernt. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie das Neue begrüßen, anstatt sich davon einschüchtern zu lassen.

 

Mehr Silver Surfer als Teenies

Längst schlägt sich die neue Lust auf Lernen auch in den Statistiken nieder. Erstmals tummeln sich mehr Silver Surfer als 14- bis 19-jährige Teenies im Internet, ergab die ARD-ZDF-Online Studie 2007. Volkshochschulen verzeichnen eine stärkere Nachfrage von Älteren nach Kursen. Rund 50 deutsche Universitäten und Hochschulen machen spezielle Gasthörerangebote für ältere Erwachsene. Immer mehr Senioren sind nach Angaben des Freiwilligensurveys 2004 ehrenamtlich in einem Verein oder Verband engagiert.

 

Die explodierende Aktivität und der wachsende Wissensdurst der 50-plus-Generation hat nicht allein mit dem demografischen Wandel zu tun, betonen Experten. Menschen wollen nicht die Hände in den Schoß legen, bloß weil ihr dritter Lebensabschnitt beginnt.

Neugier wichtiger als Alter

Recht haben sie. Schon Etappensiege auf dem Weg zu selbst gesteckten Zielen motivieren und stärkendas Selbstbewusstsein sowie das Wohlbefinden. „Lernen bringt immer Erfolgserlebnisse, man darf nur nicht zu viel auf einmal erwarten“, betont Dr. Magdalene Malwitz-Schütte, die an der Universität Bielefeld das Weiterbildungsprogramm „Studierenab 50“ leitet. „Das Entscheidende für den Lernerfolg ist gar nicht so sehr das Alter, sondern, ob jemand neugierig ist und auch bereit, nicht nur die eigene Erfahrung gelten zu lassen.“

Vorkenntnisse helfen, das ist klar. Wer schon eine Fremdsprache spricht, tut sich leichter, eine zweite zu erlernen. Wer in seiner Jugend viel gekickt hat, lernt auch eine andere Ballsportart schneller (siehe auch „Lerntipps für Ältere“). „Noch wichtiger ist“, sagt Malwitz-Schütte, „ob ein Mensch das Lernen gelernt hat und ob er Freude daran hat, sich neues Wissen anzueignen.“
 
Studien belegen: Wer aufmerksam durchs Leben geht, pflegt sein Gehirn – und ist obendrein besser gelaunt. Zwar kann die menschliche Aufnahmefähigkeit bereits ab 25 Jahren zurückgehen, erläutert Hirnforscher Professor Dr. Siegfried Lehrl von der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Uniklinik Erlangen. „Nervenzellen werden dann kleiner, oder Verbindungen lösen sich. Das passiert aber nur, wenn eine Person in ihrem täglichen Trott verharrt und sich geistig nicht mehr fordert.“

Auch Menschen um die 40 sind gefährdet. Viele setzen sich in dieser Lebensphase starkem beruflichem oder auch familiärem Stress aus – und Dauerstress belastet das Herz-Kreislauf-System und schwächt Konzentration sowie Lernbereitschaft. „Gesunde Menschen über 60 dagegen sind geistig so fit wie die Jüngeren“, berichtet Lehrl, der untersucht, wie sich das Gehirn beim Denken und Lernen unterstützen lässt, „denn Training und Gesundheit beeinflussen das Lernvermögen stärker als das Lebensalter.“



www.senioren-ratgeber.de; 03.09.2009, aktualisiert am 18.05.2010
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