Gehirnjogging:
Spielend fit im Kopf

Auch im Alter sprießen noch neue Gehirnzellen – wenn man den Geist täglich trainiert

Matt gesetzt: Schach verringert das Demenzrisiko

Ryuta Kawashima ist ein sehr zurückhaltender Mensch. Interviews gibt er nur selten, die Öffentlichkeit scheut er. Vielleicht ist das der Grund, warum er bei seinem gleichnamigen Intelligenz-Computerspiel nur als Simulation zu sehen ist. Er schneidet Grimassen, hüpft auf und ab und unterstützt so seine Informationen. Dr. Kawashimas Gehirnjogging, eine interaktive Spielekonsole, ist in Japan ein Riesenerfolg, findet aber auch hierzulande immer mehr Anhänger. Weltstars wie Nicole Kidman oder der deutsche Publikumsliebling Jörg Pilawa bewerben das Computerspiel, mit dem jeder sein Gedächtnis trainieren und steigern kann.
 
Noch vor 20 Jahren wäre ein derartiger Erfolg nicht möglich gewesen. Abgestorbene Gehirnzellen galten als unwiederbringlich verloren. Wozu also etwas für das Gedächtnis tun? „Weil wir heute wissen, dass unser Gehirn bis ins hohe Alter trainierbar ist“, sagt Kawashima. Der Neurologe aus dem fernen Asiengehört zu den Top-Wissenschaftlern bei der Erforschung des Gehirns. Er hat detaillierte Landkarten des körpereigenen Computers entwickelt. Aus ihnen ist abzulesen, welche Gehirnregion wofür gebraucht wird und bei welchen Aktivitäten welche Regionbesonders aktiv ist.

 

Einfache Aufgaben effektiver

Eine besondere Rolle spielt dabei der „präfrontale Cortex“. „Das ist ein Teil des Gehirns, der nur bei Menschen entwickelt ist“, sagt der Experte. „Denken, etwas Neues erschaffen, effektive Kommunikation mit anderen Menschen – an all diesen Funktionen ist der Stirnlappen beteiligt.“ Er ist groß und faltig. Obwohl er nur 25 Prozent des Gehirnvolumens ausmacht, befinden sich dort 75 Prozent der Gehirnzellen. Die wichtigste Erkenntnis der Wissenschaftler: Es sind nicht das intensive Nachdenken oder die Lösung schwieriger und komplexer Aufgaben, die unser Gehirn besonders stark aktivieren. Es sind einfache, schnelle Rechenaufgaben, Vorlesen oder Gedächtnisaufgaben.
 
Genau hier setzt Kawashimas Gehirnjogging ein. Das Spiel startet mit einem Alterstest, an dessen Ende man sein geistiges Alter erfährt. Tägliches Training mit der Konsole soll dann wie ein Jungbrunnen auf die Denkzentrale wirken. Rechnen, Lesen, Silben in Sätzen oder Menschen zählen, die in ein Haus und wieder hinausgehen, Zahlen in einem magischen Dreieck voneinander abziehen und  zusammenzählen – das alles ist höchst amüsant. Und so ganz nebenbei sinkt tatsächlich das geistige Alter.

Auch Bridge hat Anti-Aging-Effekt

Hightech ist aber nicht unbedingt nötig, um das Gehirn jung zu halten. „Gedichte, Theaterstücke und Vokabeln auswendig lernen ist ebenfalls ein hervorragendes Gedächtnistraining“, sagt Professorin Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité.

 

„Für das Erlernen einer neuen Sprache oder eines Musikinstruments gibt es keine Altersgrenze.“ Auch Schach, Bridge, Sudoku und Kreuzworträtsel haben einen Anti-Aging-Effekt. Sie fördern das logische Denken und die Konzentrationsfähigkeit. Schachspielen, das ergab eine New Yorker Langzeitstudie, kann das Demenzrisiko verringern und unterstützt, genau wie Bridge, zusätzlich die wichtigen sozialen Kontakte. Denn ohne Mitspieler geht es nicht.