Konflikte in der Partnerschaft lösen

Fünf Kommunikations-Tipps, wie Sie sich bei Meinungsverschiedenheiten am besten verhalten
von Stephan Soutschek, 20.06.2016

Nichts zu sagen: Das richtige Verhalten bei Konflikten vermeidet Streit

Shotshop/Danstar

Es sind klassische Konfliktthemen: Er möchte gerne gemeinsam auf große Wanderungen gehen. Sie kann sich für Bergtouren allerdings gar nicht begeistern. Dafür ist sie der Meinung, dass beide mehr auf ihr Gewicht achten sollten. Er sieht jedoch nicht ein, warum er auf seine geliebte Wurststulle verzichten sollte.

Vor solchen Diskussionen ist keine Partnerschaft gefeit. Wenn zwei Menschen längere Zeit miteinander leben, sind Meinungsverschiedenheiten mehr oder weniger unausweichlich. Das ist für sich genommen kein Problem. Entscheidend ist aber, wie beide Parteien in solchen Situationen miteinander umgehen. Mit der richtigen Kommunikation wächst eine Diskussion nicht zum handfesten Streit heran, dafür steigen die Chancen auf eine Lösung, der alle Beteiligten zustimmen können.

1. In Ich-Botschaften reden

Oft versuchen wir, unsere persönliche Meinung als allgemeingültige Wahrheit zu verkaufen. Dann kommen Sätze heraus wie "Es ist doch klar, dass du zu fettig isst". Das ist aber schon die erste Kommunikationsfalle. Denn dadurch wird die Meinung des Gegenübers nicht als gleichwertig angesehen. Drücken Sie besser in Ich-Botschaften aus, was Sie meinen. Dann wird aus dem obigen Satz: "Ich mache mir Sorgen um dich. Ich habe den Eindruck, dass das fettige Essen nicht gut für deine Gesundheit ist."

Wer so redet, bewertet die Meinung des Anderen nicht grundsätzlich als falsch. "Außerdem überlassen wir ihm damit die Entscheidungsfreiheit", sagt Ariane Grünberger, Psychotherapeutin in Hannover. Der Partner darf nun selbst bestimmen, ob er die Meinung annehmen möchte oder bei seiner eigenen bleibt. Und das erhöht letzten Endes die Wahrscheinlichkeit, dass er sich tatsächlich überzeugen lässt.

2. Allgemeine Vorwürfe vermeiden

Kritisieren Sie immer nur bestimmte Verhaltensweisen, nicht den Mensch an sich oder die Absicht, die Sie dahinter vermuten. Schuldzuweisungen wie "Damit willst du mich doch nur ärgern" empfindet das Gegenüber zu Recht als Angriff auf seine Persönlichkeit. "Dann ist es verständlich, wenn er auf solche Vorwürfe mit Abwehr reagiert", sagt Grünberger. Es ist außerdem eher nicht hilfreich, bei einer Diskussion über ein bestimmtes Thema den ungeklärten Streit von vor einigen Wochen noch einmal aufzuwärmen.

3. Ausreden lassen

Wir haben unseren eigenen Standpunkt klargemacht. Jetzt sollte unser Gegenüber die Gelegenheit haben, seine Sicht der Dinge darzustellen. Und zwar ohne, dass wir ihn dabei unterbrechen. "Wer unterbricht, macht klar: Es interessiert mich nicht, was du zu sagen hast", sagt Grünberger.

Geben Sie Ihrem Partner also Raum für seine eigenen Worte und versuchen Sie sich dabei in seine Lage zu versetzen. Wenn Sie seine Beweggründe kennen, können Sie leichter eine Lösung finden, die beiden genüge tut.

4. Eigene Motive klar machen

Nicht nur den Wünschen des Anderen lohnt es sich auf den Grund zu gehen – unsere eigenen sind uns selbst oft ebenso schleierhaft. Fragen Sie sich also selbst, was Ihnen an dieser Angelegenheit wichtig ist und welche Motive bei Ihnen dahinterstecken.

"Hinter dem Versuch, den Partner zu beeinflussen, steckt häufig der Wunsch, sich selbst zu verändern", sagt Psychotherapeutin Grünberger. Häufig nerven uns bei Anderen gerade die Eigenheiten, die uns bei uns selbst am meisten stören. Anstatt Energie darauf zu verschwenden, um Ihr Gegenüber zu ändern, lohnt es sich in diesem Fall darüber nachzudenken, was Sie bei sich selbst anders gestalten möchten.

5. Eigenständigkeit des Anderen akzeptieren

Sie wollen natürlich nur das Beste für Ihren Partner. Und Sie glauben genau zu wissen, was er dazu benötigt. Aber: "Sie können den Anderen nicht erziehen", sagt Grünberger. Als erwachsener Mensch darf dieser seine eigene Meinung haben und muss selbst Verantwortung für sein Leben übernehmen.

Machen Sie sich also darauf gefasst, dass Sie trotz bester Argumente bei Ihrer Überzeugungsarbeit auf Granit beißen werden – und dass das völlig in Ordnung ist. Schließlich haben auch Sie Ihr Recht auf Ihre eigenen Macken und Eigenheiten, die beim Partner nicht unbedingt auf Zustimmung stoßen müssen. Machen Sie sich also weniger Gedanken darüber, wie Sie bestimmte Verhaltensweisen ändern können, sondern wie Sie für beide Seiten zufriedenstellend mit diesen umgehen können.


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