Was ist eine Makuladegeneration?

Die altersabhängige Makuladegeneration zählt zu den häufigsten Ursachen für Sehbehinderungen hierzulande. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 22.03.2016

Im Alter erkranken viele Menschen an einer Makuladegeneration

Shotshop/Daniel Dunca

1. Was passiert bei einer altersabhängigen Makuladegeneration?

Die Makula – auch "gelber Fleck" genannt – ist der Punkt des schärfsten Sehens im Auge. Sie liegt in der Mitte der Netzhaut. Im Laufe des Lebens können sich Ablagerungen in der Netzhaut bilden, sogenannte Drusen. Diese können die Sehzellen in der Makula beschädigen. Ärzte sprechen dann von einer trockenen Makuladegeneration. Dieser Prozess erfolgt meist schleichend, sodass die Krankheit sich über einen längeren Zeitraum entwickelt.

Daneben gibt es noch eine zweite Form, die aber seltener auftritt. Die feuchte Makuladegeneration entsteht oft aus einer trockenen Makuladegeneration, wenn in der Netzhaut Blutgefäße nachwachsen, um die Durchblutung wieder zu verbessern. Diese Gefäße sind oft undicht. Tritt Flüssigkeit aus, nehmen die Sehzellen Schaden. "Eine feuchte Makuladegeneration entwickelt sich meist wesentlich schneller als eine trockene", sagt Professor Christian Ohrloff, Augenarzt in Frankfurt und Pressesprecher der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft.


2. Woran erkenne ich eine altersabhängige Makuladegeneration?

Die Makula ist der Punkt des zentralen Sehens im Auge. Worauf wir den Blick richten, das sehen wir mit der Makula. Menschen mit einer altersabhängigen Makuladegeneration sehen deshalb im mittleren Sichtfeld meist verschwommen. Typisch ist auch, dass sie gerade Linien verzerrt sehen. "Oft bemerken Betroffene beim Lesen die ersten Anzeichen der Erkrankung", sagt Ohrloff. Buchstaben scheinen dann etwa leicht gekippt und verschwommen auf dem Papier zu stehen. Schreitet die Makuladegeneration weiter fort, fällt es Patienten zunehmend schwer, Gesichter zu erkennen. Schließlich sehen sie zentral nur noch einen grauen Fleck. Wer diese Symptome bei sich wahrnimmt oder feststellt, dass sein Sehvermögen in letzter Zeit stark abgenommen hat, sollte zeitnah einen Augenarzt aufsuchen.

Oft ist bei einer altersabhängigen Makuladegeneration nur ein Auge betroffen. "Das gesunde Auge gleicht dann die gestörte Sicht des anderen aus, sodass Betroffene oft lange Zeit keine Änderung bemerken", sagt Professor Arthur Mueller, Chefarzt der Augenklinik am Klinikum Augsburg. Sein Tipp: Wer einem Verdacht auf eine Makuladegeneration nachgehen will, schließt am besten ein Auge, bevor er mit dem anderen den Blick auf eine gerade Linie richtet – zum Beispiel Kacheln im Bad. Dann das Ganze mit dem anderen Auge wiederholen.

3. Führt die Krankheit zur Erblindung?

"Bei einer altersabhängigen Makuladegeneration werden Patienten nicht im eigentlichen Sinne blind", sagt Ohrloff. Eine völlige Schwärze muss also niemand fürchten. Häufig büßen Betroffene jedoch ihre Sehfähigkeit so stark ein, dass sie im Alltag stark eingeschränkt sind. So weit muss es allerdings nicht kommen. Denn die Krankheit verläuft stufenförmig. Und wie weit sie fortschreitet, ist von Patient zu Patient stark unterschiedlich.

4. Wie kann ich vorbeugen?

Warum es zu einer altersabhängigen Makuladegeneration kommt, ist noch nicht endgültig geklärt. "Das Alter ist aber mit Abstand der größte Risikofaktor", sagt Mueller. Daneben spielen auch die Gene eine Rolle. Deren Einfluss ist aber verhältnismäßig gering. Wer ein Familienmitglied mit dem Augenleiden hat, erkrankt also nicht zwangsläufig ebenfalls.

Wer vorbeugen möchte, sollte mit dem Rauchen aufhören, auf gute Blutdruckwerte achten und sich gesund ernähren. "Hilfreich ist vor allem grünblätteriges Gemüse", sagt Mueller. Denn in diesen steckt das Carotinoid Lutein, das am Aufbau der Makula beteiligt ist. Zu den grünblättrigen Gemüsesorten zählen zum Beispiel Karotten, Brokkoli oder Blumenkohl.

Zudem die Augen mit breitkrempigen Hüten oder Sonnenbrillen mit entsprechendem UV-Schutz vor zu starker Lichtbelastung bewahren. Außerdem die Augen regelmäßig überprüfen lassen, um mögliche Veränderungen im Sehorgan früh aufzudecken. Ab dem 40. Lebensjahr ist eine regelmäßige Kontrolle auf einen Grünen Star beim Augenarzt sinnvoll. "Bei der Gelegenheit am besten gleich auf eine Makuladegeneration untersuchen lassen", sagt Mueller. Achtung: Die Kassen übernehmen die Kosten für die Untersuchung in der Regel nicht – am besten vorab erkundigen.

5. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei einer feuchten Makuladegeneration gibt es sogenannte VGEF-Hemmer, die der Arzt in den Glaskörper spritzt. Sie sollen die undichten Blutgefäße am Wachsen hindern. Der Erfolg kann sehr unterschiedlich ausfallen: Bei vielen Patienten lässt sich der Verlauf der Erkrankung mit den Medikamenten stoppen. "Bei anderen bessert sich das Sehvermögen sogar", sagt Ohrloff. In anderen Fällen schreitet die altersbedingte Makuladegeneration jedoch trotz VGEF-Hemmer voran. Bei starken Blutungen im Auge kann zudem ein chirurgischer Eingriff notwendig sein, bei dem der Arzt einen künstlichen Glaskörper einsetzt.

Bei der trockenen Makuladegeneration gibt es noch keine Behandlungsmöglichkeiten. Derzeit wird aber an mehreren Medikamenten geforscht, sodass es in einigen Jahren ein Mittel geben könnte, mit dem sich der Verlauf zumindest bremsen lässt.

6. Was kann ich selbst tun?

Um den Verlauf abzubremsen, sind die gleichen Maßnahmen sinnvoll wie zur Vorsorge: Blutdruck gut einstellen, die Augen vor übermäßiger Lichtbelastung schützen, mit dem Rauchen aufhören. In einigen Fällen können bestimmte Nahrungsergänzungsmittel den Verlauf verlangsamen. "Ob sie bei einem Patienten sinnvoll sind, entscheidet der Augenarzt", sagt Mueller.

Diese speziellen Nahrungsergänzungsmittel enthalten eine bestimmte Zusammensetzung an Nährstoffen. Ersatzweise zu anderen Vitamintabletten zu greifen, würde also wenig bringen.

Außerdem sollten Betroffene auf mögliche Änderungen in den Augen achten. Lässt die Sehkraft schnell nach oder ist der Blick auf einmal verzerrt, kann das ein Hinweis sein, dass die trockene in eine feuchte Makuladegeneration übergegangen ist. Wer das bemerkt, sollte unbedingt einen Augenarzt aufsuchen.

7. Was bedeutet die Erkrankung für meinen Alltag?

Eine altersabhängige Makuladegeneration verläuft bei Patienten sehr unterschiedlich. Wie der Alltag sich ändert, lässt sich deshalb nicht pauschal sagen. Eine trockene Makuladegeneration entwickelt sich so langsam, dass Betroffene sich zumindest in frühen Stadien oft daran gewöhnen können – zum Beispiel indem sie an einem Gegenstand, den sie betrachten möchten, leicht vorbeisehen. Zudem gibt es Hilfsmittel wie Lupen oder Vorlesefunktionen, die den Alltag erleichtern.

Schreitet die Krankheit fort, wird Lesen oft schwierig bis unmöglich. Auf Autofahren müssen Patienten dann verzichten. Tipps für den Alltag mit eingeschränktem Sehvermögen bietet der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband auf seiner Homepage.

Die Änderungen mögen alle für sich genommen schmerzhaft sein für die Betroffenen. Und dennoch: "Ein Mensch mit altersabhängiger Makuladegeneration wird immer selbstständig bleiben und sich allein versorgen können", sagt Mueller.

8. Wo kann ich mich austauschen?

Für Menschen mit Makuladegeneration gibt es Stammtische und Selbsthilfegruppen, bei denen sie andere Betroffene treffen und sich austauschen können. Interessierte können sich auf der Seite des Vereins PRO RETINA Deutschland e.V. nach Angeboten in ihrer Region erkundigen.



Bildnachweis: Shotshop/Daniel Dunca

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