Reisemedizin:
Fit für neue Ziele

Gut vorbereitet in den Urlaub. Wie Apotheker dabei helfen

Informiert in fremde Länger aufbrechen: Dabei hilft eine entsprechende Beratung

Zum ersten Mal nach Thailand! Prima. Aber Christoph Gulde will es schon genauer wissen. „Besuchen Sie auch das goldene Dreieck? Sind Sie per Rucksack unterwegs? In welcher Jahreszeit starten Sie?“

 

Umfassender Service für wenig Geld

 

Bis zu eine halbe Stunde nimmt sich der Stuttgarter Apotheker für das Gespräch Zeit, redet mit seinem Kunden über Impfungen und Thrombosegefahr, den Jetlag nach Langzeitflügen und das Trinkwasser vor Ort. „Dass wir in Sachen Reisemedizin beraten, wird inzwischen erwartet“, sagt Gulde. „Doch die meisten sind überrascht, wie detailliert wir dabei vorgehen.“ Für den Service veranschlagt der Apotheker eine Gebühr im einstelligen Euro-Bereich. „Kostendeckend ist das nicht“, räumt er ein. „Aber wir können mit dem Angebot unsere Beratungsqualität unter Beweis stellen.“

Das sieht auch eine wachsende Zahl seiner Kollegen so. Seit 2003 haben mehr als 5000 Apothekenmitarbeiter allein beim Düsseldorfer "Centrum für Reisemedizin“ (CRM) eine Fortbildung durchlaufen. Viele Apotheken haben sich dem Netzwerk "Projekt Reise- und Impfberatung in der Apotheke“ angeschlossen, das von einigen Apothekerverbänden gestartet wurde. "Die Apotheken sind ideal, um über Reisemedizin zu informieren“, kommentiert Dr. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM. "Hier erreichen wir mehr Menschen als beim Arzt – und die Beratung ist häufig umfassender.“

 

Manches Reisebüro rät seinen Kunden gar zu einem Besuch in der Apotheke. "Es geht nicht darum, den Urlaub madig zu machen“, wirbt Dr. Norbert Böger, Apotheker aus Frankfurt am Main. "Wir wollen eine Reise ermöglichen – gerade bei gesundheitlichen Problemen.“

Individueller Zuschnitt der Beratung

 

So liegt die Stärke des Beratungsangebots im individuellen Zuschnitt. Beispiel Malaria. "Es gibt probate Mittel zur Vorbeugung“, sagt Böger. „Das Problem ist nur: Sie vertragen sich nicht immer mit anderen Arzneien.“ Das gilt etwa für bestimmte Herzmittel oder Medikamente gegen Parkinson. Böger recherchiert in diesen Fällen einen alternativen Schutz.

 

Solche Detailfragen lassen sich nicht durch einen Blick ins Internet klären. "Wir haben immer mehr Kunden, die schon im Netz Informationen eingeholt haben“, berichtet Apotheker Christoph Gulde. "Es kommt aber darauf an, die Fülle der Hinweise einzuordnen und abzuwägen.“

 

Knifflig ist etwa die Hepatitis-Vorsorge. Die Leberentzündung wird durch verunreinigte Lebensmittel übertragen und tritt in fernen Urlaubsländern wie Thailand häufig auf. Ein pauschaler Rat zur Impfung ist aber wenig sinnvoll. "Die meisten Senioren haben in der Jugend mehr oder weniger unbemerkt eine Hepatitis A durchgemacht“, sagt Gulde. "Sie sind dann gegen die Krankheit immun.“ Ein Test auf Abwehrkörper (ca. 25 Euro) schafft Klarheit.

 

Tipps vom Sonnen- bis zum Mückenschutz 

 

Der Schutz vor tückischen Infektionsleiden steht im Mittelpunkt der Beratung. Hier arbeiten die Apotheker Hand in Hand mit dem Hausarzt: Während die Pharmazeuten einen Impfkalender vorschlagen, die Dosis berechnen und dafür sorgen, dass die Impfstoffe pünktlich kommen, übernimmt der Mediziner das Spritzen und verordnet bei Bedarf weitere Medikamente wie etwa Antibiotika.

 

In puncto Sonnenschutz sind Apotheker dagegen oft die alleinigen Experten – und auch was die Abwehr einer Mückenplage angeht. Die Wahl des passenden Mittels – chemisch oder auf der Basis von ätherischen Ölen – hängt unter anderem vom Urlaubsziel ab, erklärt Böge. "In Malariagebieten etwa sollte man zu synthetischem Schutz greifen.“

 

Der Apotheker, selbst Globetrotter, scheut nicht den persönlichen Einsatz, um für die Beratung besser gewappnet zu sein. Im Urlaub trägt er auf dem rechten und dem linken Arm zwei verschiedene Mückenvertreiber auf. Abends macht er dann die Stichprobe.