Die Anstrengung lohnt sich, wie zahlreiche weitere Untersuchungen belegen. Wer sich im Alltag regelmäßig bewegt, verzögert seinen genetisch programmierten Alterungsprozess, verringert das Sturzrisiko und verbessert den Fett- und Zuckerstoffwechsel. Mobile Menschen haben im Vergleich zu Bewegungsmuffeln ein geringeres Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, meldet die American Heart Association. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit geringer, an Brustkrebs, Dickdarmkrebs oder Prostatakrebs zu erkranken.
Heilsam: Bewegung für Kranke
Körperliche Aktivität macht auch Laune. US-Wissenschaftler der Yale-Universität in New Haven fanden in Tierversuchen heraus, dass das Gehirn als Reaktion auf Bewegung ein natürliches, körpereigenes Antidepressivum produziert.
Also künftig doch mit dem Nachbarn joggen gehen? „Das ist gar nicht nötig“, beruhigt Professor Martin Halle, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der Technischen Universität München. „In vielen Studien, die den positiven Einfluss von Bewegung im Alter belegen, geht es um zehn bis 20 Minuten schnelles Gehen am Tag.“ Hauptsache, Sie sorgen an drei bis vier Tagen pro Woche neben alltäglichen Belastungen wie aufstehen, in die Dusche steigen, Fenster putzen oder Staub saugen zusätzlich für Aktivität.
Den Körper fordern trotz Krankheit, etwa bei Arthrose, Herzschwäche oder Krebs – das galt lange als undenkbar. „Heute wissen wir, dass sich die Aussichten bei vielen Krankheiten durch Bewegung verbessern“, sagt Halle. Eine aktuelle Studie zeigt zum Beispiel, dass Darmkrebs-Patienten das Risiko für das Wiederauftreten ihrer Krankheit um 40 Prozent senken können, wenn sie während und nach ihrer Behandlung körperlich aktiv sind.
Obwohl Zeitungen, Magazine, Fernsehsender und Gesundheitsseiten im Internet immer wieder über die positiven Wirkungen von körperlichem Training berichten, sind deutsche Senioren mehrheitlich Bewegungsmuffel. Nur jeder siebte Bundesbürger ab 60 Jahren pflegt einen aktiven Lebensstil, ergab eine repräsentative Umfrage der Techniker Krankenkasse. Woran das liegt, untersuchen Wissenschaftler vom Institut für Bewegungs- und Sportgerontologie an der Sporthochschule Köln.
„Trotz aller Aufklärung wissen viele ältere Menschen nicht, wie wichtig körperliche Aktivität für sie ist. Sie fühlen sich zu alt oder zu krank und meinen, dass sie ihre Fitness nicht verbessern könnten, obwohl Studien das Gegenteil beweisen“, sagt Dr. Sabine Eichberg. „Andere wiederum sind damit überfordert, aus einem breiten Angebot das Richtige für sich auszusuchen, weil sie körperlich beeinträchtigt sind.
Manche Senioren sind wiederum gar nicht mobil genug, um entsprechende Kurse zu besuchen. Dies führt häufig dazu, dass es viele ganz sein lassen“, bedauert sie. „Wir müssen Aktivität verstärkt im Umfeld von Älteren anbieten – in der direkten Nachbarschaft und ohne große Einstiegshürden.“ Nach Ansicht des Sportmediziners Halle würde häufig schon die ärztliche Verordnung helfen. „Ärzte in Norwegen können Sport auf Rezept verschreiben. Das würde ich mir auch für Deutschland wünschen“, sagt Halle. „Ein Patient, bei dem Diabetes festgestellt wird, erhält ein Bewegungsrezept, auf dem steht: 10 Einheiten Nordic Walking. Dieses löst er beim nächsten Sportverein ein.“