Serie Versicherungen - Teil 1:
Sichere Sache gegen Aufpreis

Immer mehr Spezial-Angebote richten sich an Senioren. Welche sind sinnvoll?

Senioren
Für viele Senioren gehört eine gute Versicherung zur Lebensqualität. Allerdings sollte man abwägen, welche Zusatzversicherungen im Einzelfall wirklich notwendig sind, um sich geborgen fühlen

Vor allem ältere Leute fühlen sich wohler, wenn sie für überraschende Notfälle vorgesorgt haben. Diesem speziellen Bedürfnis tragen viele Versicherungsunternehmen nun Rechnung. Verstärkt werden in jüngster Zeit spezielle Policen für Senioren angeboten: von der Pflegezusatzversicherung über Unfallversicherungen für ältere Leute bis hin zu Brillenversicherungen.

Kritischer Blick

Grundsätzlich lohnt zunächst eine Prüfung, ob bereits bestehende Versicherungen tatsächlich notwendig sind.

Eine Absicherung der Berufsunfähigkeit etwa ist für einen Rentner überflüssig. Dagegen bleibt die private Haftpflichtversicherung ein Muss. Denn diese greift nicht nur bei kleinen selbst verursachten Sachschäden, sondern auch bei Personenschäden – und sie ist günstig zu haben.

 
Eine private Haftpflichtversicherung speziell für Senioren, die etwa die Besuchszeiten der Enkel einschließt, ist jedoch meist nur ein Werbe-Gag.

Schließlich reicht hier eine normale Haftpflicht- Police völlig aus. Denn nach deutschem Recht haftet zum Beispiel eine Großmutter wie jede andere Begleitperson, wenn sie ihr Enkelkind betreut – und dieses dabei fremdes Eigentum kaputtmacht.

Wichtig ist eine private Auslandsreisekrankenversicherung, denn die gesetzlichen Krankenkassen zahlen in der Regel nur innerhalb Europas – und auch da nur ein Minimum.

 
Für wenig Geld kann man sich mit einer solchen Police für den Fall der Fälle gut absichern, empfiehlt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: „Gerade wenn ältere Menschen in Rente gehen, wollen sie häufig ihre Unabhängigkeit nutzen und öfter in Urlaub fahren.

Bei dem Abschluss einer Krankenversicherung fürs Ausland sollten Sie darauf achten, dass der Vertrag nicht in einem bestimmten Lebensalter endet, sondern sich automatisch von Jahr zu Jahr verlängert.“ Denn wer sich mit über 65 erstmals eine Reisekrankenversicherung besorgt, muss häufig erhöhte Prämien zahlen.

Wieder auf die Beine

Auch Unfallversicherungen können für Senioren durchaus sinnvoll sein. Hier sollte darauf geachtet werden, dass nicht nur Unfälle, sondern auch Krankheitsfolgen, etwa von Schlaganfall oder Herzinfarkt, eingeschlossen sind. In jedem Fall sollten die klassischen Verletzungsrisiken im Alter – Oberschenkelhals- und Armbruch – mit versichert sein.

Zusätzliche Hilfs- und Pflegeleistungen wirken zwar auf den ersten Blick interessant, werden jedoch meist nur für sechs Monate gewährt und sind in der Regel billiger selbst zu finanzieren. Wer die Altersgrenze für eine normale Unfallversicherung noch nicht überschritten hat – sie liegt für Neukunden meist bei 75 Jahren –, sollte auch den klassischen Unfallschutz in den Vergleich einbeziehen.

Teurer Aufstieg

Von privaten Krankenzusatzpolicen rät Weidenbach jedoch ab: „Dies gilt auch für den Abschluss privater Pflegezusatzversicherungen. Wenn der Versicherer überhaupt einen solchen Antrag akzeptiert, sind die Beiträge für Senioren in der Regel sehr hoch.“ Zudem ist vor Vertragsabschluss eine detaillierte Gesundheitsprüfung nötig.

Zusatzversicherungen für Zahnersatz sollte man so frühzeitig wie möglich abschließen, da die Versicherungen lange Wartezeiten haben, bis die erste Rechnung eingereicht werden darf. Und wer eine Brillenzusatzversicherung haben möchte, sollte sich gut überlegen, ob sich das rechnet.

 
Denn bei solchen Policen kann man beim Optiker oft nur aus einem Standardsortiment auswählen. Wer eine andere Fassung oder höherwertige Gläser wünscht, erhält meist nur eine anteilige Gutschrift.

Insbesondere Sterbegeldversicherungen werden Senioren immer wieder angepriesen. Auch hier ist Vorsicht geboten: Oft liegen die Leistungen, die im Sterbefall für die Übernahme der Beerdigungskosten ausgezahlt werden, weit unter dem, was über die Jahre an Beiträgen eingezahlt wurde.

 
Wer die finanziellen Mittel hat und für seine Angehörigen Rücklagen bilden will, sollte das nötige Geld also besser selbst sparen und anlegen.