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Gut riechen

Gerade ältere Menschen fürchten oft schlechten Körpergeruch. Die richtige Hygiene – von Kopf bis Fuß.

von Elke Schurr , 04.11.2019
Seniorin im Bademantel vor dem Badezimmer-Spiegel

Gut riechen wollen wir alle – auch im Alter! Für einen unangenehmen Körpergeruch gibt es meist konkrete Gründe:

  • Zahnfleischentzündungen oder Krankheiten: Der Körpergeruch kann ein Warnsignal sein. Ein säuerlicher Atem, ein Geruch nach Ammoniak, Harn oder verrotteten Äpfeln können auf Krankheiten des Magens, Probleme mit den Nieren oder dem Zuckerstoffwechsel hinweisen. Am besten beim Hausarzt abklären.
  • Nachlassende Feinmotorik: Sie erschwert es oft, die Haut richtig zu waschen und zu pflegen.
  • Der Geruchssinn leidet mit den Jahren. Viele Ältere nehmen miefige Kleider oder Urinspuren in der Wäsche mit der Zeit oft nicht mehr wahr.

Duft des Alters: Orange und Rose

"Ältere riechen zwar anders, aber nicht schlechter", sagt Prof. Jessica Freiherr, Geruchsforscherin an der Universität Erlangen-Nürnberg. Der Geruch von älteren Menschen wird im Vergleich zu Jüngeren sogar eher als dezent und angenehm wahrgenommen, belegt eine amerikanische Studie. "Das hat nicht nur mit der ­gedrosselten Hormonproduktion im Alter zu tun, sondern auch mit einem anderen Fettsäuremuster in der ­älteren Haut", so die Neurowissenschaftlerin. "Vom Geruch her verschiebt sich das im Alter in Richtung Orange, Rose und Gurke."

Pflege: am besten reichhaltig

Mit den Jahren stellt die Haut auf Kurzarbeit um, erklärt Prof. Markus Braun-Falco, Dermatologe aus München: "Schweiß- und Talgdrüsen verringern allmählich ihre Aktivität." Zudem verschiebt sich der pH-Wert, sodass der natürliche Schutzmantel der Haut nicht mehr so abwehrstark ist wie früher. Hautbakterien, die es feuchtwarm lieben, können sich an den entsprechenden Körperstellen ­rasant vermehren, bis es zu stinken beginnt. Also lieber seltener duschen, um so den angegriffenen Hautschutzmantel zu schonen? Nein, nur nicht zu lange, nicht zu heiß und möglichst ohne Seife, betont Hautarzt Braun-­Falco: "Einmal am Tag duschen reicht für saubere Verhältnisse!"

Reinigungs- und Pflegeprodukte sollten außerdem den Veränderungen der Haut Rechnung tragen. "Mit der Pflege versuche ich all das zu kompensieren, was im Alter weniger wird", ergänzt Apotheker Dr. Dominic Kram. "Statt der üblichen Seife benutzen Sie am besten ein hautneutrales Syndet." Körperlotionen und -cremes sollten mehr Fett enthalten und Shampoos milder sein. Und statt alkoholhaltiger Deosprays, welche die Haut schnell austrocknen, genügen bei den meisten auch Deosticks oder -cremes.

Mundhöhle: feucht halten

Besonders unangenehme Folgen hat die Bakterienarbeit im Mund. Wenn sich die Mikroorganismen auf Speisereste und abgestorbene Zellen stürzen, entstehen Schwefelverbindungen, die der Speichel erst einmal wegspült. Zahn- und Zwischenraumbürsten, Zahncreme und -seide entfernen den Rest. "Doch wenn der Speichelfluss stockt, gibt es keine Grundreinigung mehr", erklärt Apotheker Kram, "und das riecht man!"

  • Ausreichend trinken – vor allem, wenn man zusätzlich ­Medikamente nehmen muss, die die Mundtrockenheit fördern
  • Zuckerfreier Kaugummi regt den Speichelfluss an
  • Auch Mundspülungen mit Zinklaktat oder ätherischen Ölen oder Chlorophyll-­Dragees zum Schlucken können helfen
  • Schlecht sitzende Prothesen oder entzündliche Prozesse in Zahnfleischtaschen: Hier hilft der Zahnarzt.
  • Gehen Sie regelmäßig zur professionellen Zahnreinigung oder auch zur Parodontitis-Behandlung. Der Arzt wird zudem Ihre Zungenoberfläche in Augenschein nehmen: Wer etwa als Asthmapatient Kortison inhalieren muss und das Mundausspülen vergisst, hat manchmal einen Pilz, der Mundgeruch verursachen kann.

Hautfalten: trocken legen

Zwischen den Falten des Bauchs, unter der weiblichen Brust, in der Leistengegend oder in der Gesäßfalte: Überall dort, wo Haut auf Haut zu liegen kommt, besteht die Gefahr der Staunässe. Aufgeweichte Fettsäuren und Eiweißbestandteile aus den ­Sekreten der Talg- und Schweißdrü­sen verwandeln die Hautbakterien schnell in übel riechende Ameisen- und Buttersäure. "Wer solche Pro­blemzonen nur mehr schwer reinigen kann, weil er bettlägerig ist, oder sie bei der täglichen Körperwäsche schlicht vergisst, riskiert zu müffeln", sagt Elke Kuno, Lehrerin für Pflegeberufe aus Heidelberg.

  • Dünne Leinen- oder Baumwoll-Läppchen: Legen Sie sie zwischen die Hautfalten – sie saugen den Schweiß auf, ohne zu irriteren oder wunde Stellen zu verursachen.
  • Kleine Vlieskompressen oder Pflegetücher aus der Apotheke: Sie helfen stark schwitzenden und übergewichtigen Menschen.
  • Körperpuder mit Talkum: Der Puder saugt Feuchtigkeit auf und schützt die Haut vor aggressivem Schweiß.
  • Spezielle Zehenreiniger erreichen auch die Räume zwischen den Zehen.

Intimzone: am besten neutral

Besonders empfindlich und geruchsintensiv ist die Intimzone – sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Mit der üblichen Seife sollten Sie dort keinesfalls anrücken. Ob Scheide, Penis oder Analregion: Reinigen Sie die Stellen am besten mit purem Wasser und – falls Sie nicht ohnehin unter der Dusche stehen – nur mit einem weichen Tuch. Wer ein bisschen Zusatzduft mag: Für den Intimbereich gibt es spezielle Waschlotionen und Schutzbalsame mit einem extra sauren pH-Wert. Lassen Sie sich am besten in der Apotheke beraten.

Inkontinenz: Aufsaugen ist alles

Saugstarke und hautfreundliche Einwegslips, Windeln, Vor- oder Einlagen verhindern, dass unkontrolliert abgehender Urin oder Stuhl die Haut angreift. "Patienten können sich die Produkte auf Rezept verschreiben lassen", erinnert Roswitha Gräble, die eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Inkontinenz in Villingen-Schwenningen leitet. "Lassen Sie sich verschiedene Muster in der Apotheke zeigen", rät sie. Hauptsache, das Produkt hat die richtige Form und Saugstärke und passt genau. "Meine Vorlage fasst 360 ml Wasser, ohne dass sie ausläuft."

 


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