Handy-Apps für Handicaps

Unterwegs gerüstet: Von manchen Miniprogrammen profitieren auch Menschen mit Behinderungen. Eine kleine Auswahl.

von Elke Schurr, 30.05.2018

Apps kennt jeder, der ein Smartphone oder ein Tablet besitzt, also ein Gerät mit einem mobilen Internetzugang. Dass sie mehr bieten können als nur Spiel, Spaß oder aktuelle Staumeldungen, beweisen die Miniprogramme für Menschen mit Handicaps: Sie weisen den Weg, verschriftlichen Gesagtes, kommunizieren mit Bildern oder zeigen barrierefreie Zugänge. Unsere kleine Auswahl an häufig genutzten Apps kann geh- und sehbehinderten, hör- oder sprachbehinderten Menschen nützlich sein. In jedem App- oder Play-Store auf Ihrem Smartphone finden Sie zudem viele weitere solcher mobilen Angebote.

Was ist eine App?

  • App leitet sich von application = Anwendung ab. Im Deutschen wird der Begriff für ein Miniprogramm verwendet, das den Nutzer eines Smartphones in einem bestimmten Lebensbereich (Wetter, News, meine Apotheke vor Ort) unterstützt.
  • Auf jedem Smartphone gibt es eine Art Kaufladen für Apps. In diesem App-, Play- oder PhoneStore lassen sich diese auf dem Handy anschauen und auswählen. Manche sind gratis, manche kosten was. Viele gängige Apps sind auf Smartphones bereits vorinstalliert, etwa ein Kalender oder eine Kamera.
  • Das Herunterladen und ­Installieren einer App für Ihr Smartphone geschieht innerhalb von wenigen Minuten. Es geht schneller, wenn Sie sich in einem WLAN-Bereich befinden. Bezahlt wird über Ihre Identi­fikationsnummer und eine Einzugsermächtigung von einem angegebenen Konto.

 

gehbehindert

Wheelmap

Ob für Menschen im Rollstuhl oder für jene, die einen Rollator benutzen: Die App ermöglicht es, barrierefreie Orte zu finden und sich am bekannten Wohnort oder in einer anderen Stadt ohne Hindernis zu bewegen. Das Programm ermittelt per GPS den aktuellen Standort und zeigt auf einer Karte, welche Orte in der Nähe barrierefrei sind oder ob Treppen den Zugang einschränken. Mithilfe aktiver Nutzer erweitert sich das Angebot an Bewertungen in dieser App ständig, da die Nutzer neue Orte oder ­Lokalitäten auf ihre Barrierefreiheit hin bewerten und eintragen können.  

Andere Apps:

Myhandicap Adressverzeichnis mit Angaben zur Barrierefreiheit von Restaurants, ­Kinos, Theater oder Toiletten
Toilettenfinder/WC-Finder zeigen öffentliche WCs und ob sie barrierefrei sind.

 

sehbehindert

Ariadne GPS

Blinde oder sehbehinderte Menschen können damit durch Orte oder Umgebungen navigieren. Möglich macht das eine sprechende Karte, die Straßen­namen oder Hausnummern ansagt. Mittels GPS-Funk­tion­ kann sich ein Nutzer seinen aktuellen Standort ansagen lassen.

Andere Apps:

DZB Nutzer der Deutschen Zentralbibliothek können damit Bücher herunterladen und sich als Hörbuch anhören.
TapTapSee liefert schriftliche oder gesprochene Beschreibungen von Gegenständen, die man abfotografiert hat.
Prizmo/OfficeLens/Text Detektiv/Seeing ai Gescannte Texte werden in elektronisch verwertbare umgewandelt und vorgelesen.
ColorVisor/CamColor erkennen und beschreiben Farben von Gegenständen.
Greta liefert im Flüsterton Audiobeschreibungen von Filmszenen.

 

hörbehindert

VerbaVoice

Die App ist ein Dolmetscherdienst für gehörlose oder hörgeschädigte Menschen: Akustische Signale eines Gesprächs (beim Arzt, Anwalt etc.) werden simultan an einen Schrift- bzw. Gebärdensprachdolmetscher live übertragen, in Schrift übersetzt und können so parallel mitgelesen werden. Alternativ kann auch ein Gebärdensprach-Video gewählt werden.   

Andere Apps: 

Starks ist eine Kino-App für gehörlose Filmfans. Sie bietet Untertitel in jedem Kino zu jeder gewünschten Vorstellung.
Deutsche Gebärdensprache Die App ist ein interaktives Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache. Gesuchte Gebärden lassen sich schnell finden und als Video zeigen.   

 

kommunikationseingeschränkt

Grace App

bietet Menschen mit sprachlichen Einschränkungen oder Sprechdefiziten (etwa nach Schlaganfall oder bei ALS) die Möglichkeit zu kommunizieren. Anhand von Bildern, die nach verschiedenen Themen, etwa "Mein Körper", "Essen und Trinken", "Was ich mag", kategorisiert sind, drückt der Nutzer seine Wünsche oder Seelenzustände aus. Da die Bilder jeweils mit ihrem Begriff gekoppelt sind, kann der Nutzer auch mit einer Begleitperson versuchen, den Begriff auszusprechen, um seine sprachlichen Fähigkeiten zu trainieren.  

Andere Apps: 

aCommunicate/LetMeTalk/iTalk2you (für Pads): Durch Antippen von Symbolen kann man Sätze bilden und so ­unterstützt kommunizieren.

 

Fachliche Beratung bei der Auswahl:
Mathias Sutorius, Bundesarbeits­gemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR) und Domingos de Oliveira, ­Aktion Mensch e. V.


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