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Interview mit Lena Valaitis: "Bleib dir selber treu, spiel nie eine Rolle"

Mit uns spricht die Sängerin Lena Valaitis über Altersweisheit, den knapp verfehlten ersten Platz beim Eurovision Song Contest 1981 und einen ihrer größten Hits: "Ob es so oder so oder anders kommt..."

von Thomas Röbke, 28.10.2020
Lena Valaitis

Senioren Ratgeber: Was fällt Ihnen zu "Evergreens und dufte Blüten" ein?

Lena Valaitis: Das war mein erstes Engagement, eine Tournee mit Marika Rökk. Einmal nahm sie mich zur Seite: "Mädel, du musst mehr Rouge auftun, sonst sehen dich die Menschen in der letzten Reihe nicht." Ich musste jeden Abend als Erste auf die Bühne und "Sentimental Journey" singen mit einem deutschen Text. Damals habe ich Blut geleckt und meine Ausbildung in der Buchhaltung der Bundespost in Frankfurt abgebrochen.

Zuvor hatten Sie einen Talentwettbewerb gewonnen, für den Ihre beste Freundin Sie ange-meldet hatte …

Ich wusste selbst nicht, wie mir geschah. Aber ich fühlte mich vom Klavierspiel des Pianisten getragen wie auf einer Wolke. Als Preis gewann ich eine goldene Uhr und eine riesengroße Torte.

Hatten Sie damals ein Idol?

Nein, ich wollte niemanden nachahmen. Aber mit meiner besten Freundin schmetterte ich wahnsinnig gerne Lieder von Caterina Valente. Die hallten so gut im Internatsgemäuer.

Verlief Ihre Musikkarriere geradlinig, oder hatten Sie auch Existenzängste?

Wenn es mit der Musik gerade nicht lief, nahm ich halt andere Jobs an, etwa als Verkäuferin.

Lena Valaitis

  • geboren am 7. September 1943 in Memel, heute Klaipeda (Litauen)
  • Wuchs mit Mutter und Bruder in Memmingen auf.
  • Während ihrer Lehre wurde sie als Sängerin entdeckt.
  • In zweiter Ehe war sie mit dem Schauspieler Horst Jüssen ("Klimbim", gestorben 2008) verheiratet.
  • Valaitis lebt in München.

Macht es Sie wehmütig, dass die Zeit der glitzernden Showtreppen vorbei ist?

Nein, so ist nun einmal der Zeitgeist. Man muss bereit sein, Veränderungen zu akzeptieren. Früher haben wir unter Kollegen mehr gesprochen, uns mehr getroffen, wir hatten mehr Spaß zusammen, wir haben richtig viel Blödsinn gemacht. Heute beschäftigen sich die jungen Kollegen lieber mit ihren Handys und Laptops. Kaum dass sie gesungen haben, schauen sie schon nach den Reaktionen bei Twitter. Das Zwischenmenschliche bleibt dabei auf der Strecke. Es ist so wichtig, dem anderen in die Augen zu schauen, seine Stimme zu hören, die unterschiedlichen Betonungen, hat er Humor, hat er keinen, ist er gut drauf? Das geht verloren.

Viele Ihrer Kollegen von früher sind weiter aktiv und beliebt. Die Stars der 1970er scheinen vieles richtig gemacht zu haben …

Sie müssen bedenken: In den großen Shows waren alle drin, es gab ja nur ARD und ZDF. Das waren auch für die Zuschauer so intensive Momente, dass sie sich Gesichter, Stimmen, Musik ganz anders gemerkt haben. Heute ist alles austauschbarer und schnelllebiger. Und die meisten Anfänger wollen gleich Stars sein.

Sängerin Lena Valaitis bei der ZDF Hitparade 1981

Ganz knapp verfehlten Sie 1981 den ersten Platz beim Eurovision Song Contest. Schmerzt das noch?

Das war der knappste zweite Platz, den Deutschland je hatte. Und für mich die Praline in meiner Laufbahn. Wer weiß, wie alles gelaufen wäre, wenn ich den ersten Platz gemacht hätte. Ich bin nach wie vor sehr zufrieden damit.

Wie es in einem Ihrer größten Hits schon heißt: "Ob es so oder so oder anders kommt ..." Man muss das Beste draus machen ...

Das ist ein so jung gebliebenes Lied! Es hat eine unglaubliche Fröhlichkeit, und ich liebe dieses Wortspiel. Ich staune immer wieder, wie viele Menschen den Text noch können.

Ist es ein gutes Motto, um fröhlich älter zu werden?

Unbedingt. Leider nehmen sich viele Menschen zu wichtig und frönen einer erschreckenden Ernsthaftigkeit.

Stimmt es, dass Sie nur an Jungfrau- und Löwentagen zum Friseur gehen?

Meine Mutter hatte das schon so gemacht, auch mit mir, und das ist bei mir hängen geblieben. Ob das wirklich hilft, kann ich nicht sagen.

Ihre Ponyfrisur ist eins Ihrer Markenzeichen. Waren Sie nie versucht, was zu verändern?

Eine völlige Veränderung? Nein, ich hatte nie das Bedürfnis. Wenn du einmal etwas gefunden hast, mit dem du dich wohlfühlst und das du beherrschst, wozu?

Wo finden Sie Ruhe?

In der Natur. Durch einen Park zu ­gehen oder einen Bach rauschen zu hören, ist etwas Wunderbares, wie Musik. Außerdem höre ich sehr gerne Klassik und bin eine Leseratte. Da tauche ich ab.

Sie malen auch gerne?

Ja, auch wenn ich das nie so richtig gepflegt habe. Malen ist auch eine Entwicklungsgeschichte, und ich bin stecken geblieben. Ich liebe Bilder mit besonderen Farben. Die versuche ich nachzumalen. Am liebsten sind mir Gesichter, Porträts.

Wie halten Sie sich fit?

Ich bin sehr diszipliniert, mache morgens meine Turngeschichten für den Rücken, Yoga. Man muss etwas dafür tun, dass Geist und Körper beweglich bleiben: Ich versuche, dabei zu helfen.

Achten Sie besonders auf Ihre Ernährung?

Pasta und Kartoffeln gehören zu meinen großen Leidenschaften, sind aber keine Schlankmacher. Ich liebe aber auch Gemüse und Fisch. Ich über­treibe es nicht, und wenn die Hose spannt, wird zurückgefahren.

Spüren Sie Altersweisheit?

Man sammelt fortlaufend Erfahrungswerte und wird doch nie so weise und klug, um sagen zu können: Ich habe damit abgeschlossen.

Was war der beste Ratschlag, den Sie jemals erhalten haben?

Bleib dir selber treu, spiel nie eine Rolle. Das habe ich immer beherzigt.

Welche Eigenschaft vermissen Sie an sich?

Früher hätte ich mir mehr Ehrgeiz gewünscht. Nicht, dass ich nachlässig gewesen wäre, aber ich bin viel zu bequem, um alles für ein Ziel zu opfern. Und heute kann ich sagen: Es war auch ohne Ehrgeiz gut.

Stimmt es, dass Sie in Krisen versuchen, sich mit Leichtem abzulenken?

In sehr tragischen Fällen kannst du das nicht. Man muss auch manches zulassen, die Tiefe erleben. Dann kann es passieren, dass du wie ­Phönix aus der Asche ganz neue ­Erfahrungen machst. Ich habe eine sagenhafte Familie und tolle Freunde. Die machen es leichter, das Schwere zu ertragen.

Worüber ärgern Sie sich im Alltag?

Wenn jemand mein Vertrauen missbraucht, bin ich gnadenlos. Das ist das Verletzendste, was es gibt.

Haben Sie eine Marotte, die Sie gerne ablegen würden?

Ich verteile überall im Haus Schuhe. Dabei bin ich sonst ein sehr ordent­licher Mensch, das passt gar nicht.

Wen würden Sie zu Ihrer Traum-Dinnerparty einladen?

Paul Gauguin, Stefan Zweig, Mary Roos und Leonard Bernstein. Mit Mary könnte es sogar klappen.


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