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Promi-Interview mit Wolf von Lojewski

Der ehemalige Moderator vom "Heute-Journal" erzählt über seinen Ruhestand, seine Karriere und warum er gerne ein Interview mit Gott führen würde.

von Thomas Röbke, 30.08.2021
Fernsehjournalist Wolf von Lojewski

Senioren Ratgeber: Sie haben an aufregenden Orten gelebt. Wieso verbringen Sie den Ruhestand in einem Dorf bei Wiesbaden?

Wolf von Lojewski: Meine Frau sagte: "Nach all der Herumtreiberei müssen wir irgendwo die Wurzeln wieder tiefer in die Erde gehen lassen." Darum sind wir jetzt seit 26 Jahren hier, und das ist auch sehr schön.

Welche Orte reizen Sie überhaupt noch?

Ich bin ein Zum-Meer-Hingezogener. Das kommt durch die Kindheit und Jugend, die ich im Wesentlichen an der Unterelbe bei Cuxhaven und dann später in Kiel verbrachte. Dieser Blick in die Weite fehlt mir etwas.

War es in Ihren Fernsehjahren immer leicht, sich einzuleben?

Für mich immer. Überall wo ich hinkam, war ein Studio mit netten Kollegen. Meine Frau musste die sozialen Kontakte aufbauen. Aber sie war auch sehr reisefreudig. Wenn ich aus heiterem Himmel sagte: "Wir ziehen nach Washington", sagte sie sofort: "Prima!" Sie war Lehrerin, das war nicht ganz ohne Probleme für sie. Aber das ließ sich regeln.

Bleiben wir bei den Wurzeln: Fühlen Sie noch etwas Ostpreußisches in sich?

Ja, schon. Ich musste meinen Eltern fest versprechen, wenn mich einer nach meiner Heimat fragt, dann ist die erste Antwort Ostpreußen. Etwas, das untergegangen ist, etwas ganz Besonderes, so eine Heimat hat nicht jeder. Darauf bin ich auch irgendwie stolz.

Wolf von Lojewski

  • *4. Juli 1937 in Berlin, bis 1945 
aufgewachsen in Ostpreußen
  • Nachrichtenmann: Jurastudium, journalistischer Start bei "Kieler Nachrichten". Dann TV-Karriere, u. a. ARD-Kor­res­pondent in Washington und London, Moderator vom "Heute-Journal".
  • Privatmann: Mit Ehefrau Ute lebt er in der Nähe von Wiesbaden.
Interview Wolf von Lojewski

Ihr Vater war auch Journalist. Wie sehr hat er Sie geprägt?

Ich wuchs auf einem Gut im Osten auf, das war alles wunderschön. Ich hatte die Rolle des jungen Prinzen, aber mir war unendlich langweilig. Ich war sechs, als ich meinen Vater kennenlernte. Und als er mir erzählte, was ein Journalist ist und wo der sich überall herumtreibt, wusste ich: Das ist es! Es war der Wunsch, die Welt kennenzulernen, der mich in den Beruf trieb.

Bereits 1957 waren Sie zum ersten Mal in der "Tagesschau" zu sehen. Wie kam das?

Als die Wehrpflicht eingeführt wurde, gehörte ich zu den ersten Rekruten. Plötzlich fand ich mich in der Kaserne in Hamburg-Rahlstedt wieder und das Fernsehen drehte einen Beitrag über uns.

Wären Sie vier Tage früher geboren worden, wäre der Einzugsstichtag an Ihnen vorbeigegangen. Hat Sie das geärgert?

Zuerst schon. Aber ich habe da eine ganze Menge gelernt, insbesondere den Umgang mit Vorgesetzten. Jeder, der einen Streifen am Ärmel hatte, durfte einen anbrüllen: "Sind Sie wahnsinnig, Lojewski?" Und dann sagte man sofort: "Jawoll, Herr Unteroffizier!" Da bekommst du ein Gespür dafür, wer es gut mit dir meint und wer sich nur aufbläst. Du bist Mitglied einer größeren Gruppe, und die kann es demjenigen ganz schön heimzahlen, der nur seine Position ausnutzt.

Stimmt es, dass Sie Ihre Frau auf der Kieler "Hausfrauenmesse" kennenlernten?

Ja. Aber nicht, weil sie eine leidenschaftliche Hausfrau gewesen wäre. Sie war damals Studentin und verdiente sich an einem Stand etwas dazu, indem sie für die Vorzüge von Schulbroten warb. Dort ging ich mit dem Minister und einem Fernsehteam durch die Runde, sie krallte sich den Minister und quatschte auf den ein, der arme Kerl kam gar nicht wieder los. Da habe ich sie gefragt, ob wir zusammen essen gehen wollen.

Sie sind dann durch die Lokale gezogen und aus einem wieder rausgeflogen …

Wir tanzten sehr leidenschaftlich, sagen wir es mal so. In einer Bar, bei der man vermuten sollte, dass die Sitten nicht so streng sind. Der Wirt komplimentierte uns hinaus, andere Gäste hätten sich beschwert.

Fernsehgesicht: Der Journalist informierte von 1979 bis 1982 bei den "Tages- themen" über die Nachrichtenlage. Von 1992 bis 2003 leitete und moderierte er das "Heute-Journal" im ZDF.

Neidisch, wenn Sie die vielen technischen Möglichkeiten sehen, die Journalisten heute haben?

Natürlich ist das alles faszinierend, was Computer und Smartphone uns heute an Möglichkeiten geben. Zu meiner aktiven Zeit konnte sich noch nicht jeder, dem danach war, selbst an Millionen Menschen wenden. Aber ist der öffentliche Dialog dadurch besser geworden? Da kann man erhebliche Zweifel hegen. Dass jeder seine Meinung durchzupauken versucht und nicht mehr ansprechbar für andere ist, treibt die Spaltung der Gesellschaft sehr voran. Die Welt in einer Zeit kennenzulernen, als man das noch Schritt für Schritt tat, war schöner. Ich erinnere mich intensiv an meine erste Auslandsreise, mit zwölf Jahren, nach Dänemark. Wie der Zug langsam über die Grenze rollte, und dann öffnete sich aus dem noch etwas herben Deutschland he-raus eine Art Märchenland. Durchs Trampen überallhin, bis in den Iran hinein, durfte ich die Welt Schritt für Schritt erleben, statt am Computer zu reisen.

Heute gibt es ständig Nachrichten. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Heute wird uns jeder Konflikt auf der Welt nach Hause geliefert, und wir sehen, dass sie völlig außer Rand und Band ist. Als die Mauer fiel, hatten wir wenigstens einmal das Gefühl: "Jetzt ist die Welt besser geworden." Dieser schöne Augenblick hat leider nicht lange gehalten. Die Menschen haben einfach nicht das Talent, sich zu vertragen und glücklich zu sein, die finden immer einen Grund, sich die Köpfe einzuhauen.

Würden Sie gerne noch mal im Journalismus mitmischen?

Nach meinem Abschied vom "Heute-Journal" hatte ich schon manchmal den Impuls, zum Telefon zu greifen und den Kollegen mitzuteilen, was mir gefallen hatte und was nicht. Den zu unterdrücken ist mir noch jedes Mal im letzten Moment gelungen. So empfinde ich mich auch heute nicht als Lehrmeister.

Sie lesen gerne in alten Büchern. Was lernen Sie daraus?

Wenn man alte Zeiten verstehen will, darf man sie nicht nur mit dem Hochmut unseres heutigen Wissens beurteilen, sondern muss fragen: Wie dachten die Leute damals?

Gibt es ein Interview, das Sie immer gerne machen wollten?

Vieles an dieser Welt verstehe ich nicht, und ich bete, dass ich am Ende vor Gott treten und um ein Interview bitten darf. Das ist eine Hoffnung, die ich nicht aufgebe.

Was wollen Sie von Gott wissen?

Was hast Du von mir erwartet? Habe ich Dich enttäuscht? So vieles an Deiner Schöpfung habe ich bewundert, aber so vieles leider nicht begriffen. Zum Beispiel warum Du Menschen auf die Reise schickst, von denen die einen sofort ins gemachte Bett fallen, und die anderen haben schon von Geburt an verloren? Das ist doch kein faires Rennen.


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