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"So eine Krankheit zu verbergen, ist der größte Fehler, wenn Sie prominent sind"

Der Moderator Frank Elstner spricht mit dem "Senioren Ratgeber" über seine Parkinson-Erkrankung, seine Sucht nach Nachrichten und die Liebe zum Privatradio.

von Thomas Röbke, aktualisiert am 28.12.2020
Interview Frank Elstner zu Gast in der NDR Talk Show am 19.05.2017 in Hamburg

Frank Elstner ist Radio- und TV-Moderator.


Senioren Ratgeber: Herr Elstner, Sie gehen sehr offen mit Ihrer Parkinson-Erkrankung um. War das sofort selbstverständlich für Sie, als Sie die Diagnose erhielten?

Elstner: Das war eine Art Notwehr. So eine Krankheit zu verbergen, ist der größte Fehler, wenn Sie prominent sind. Irgendwer kommt dahinter, und dann schreiben die Boulevardblätter, was sie wollen. So kann ich das zumindest etwas steuern.

Werden Sie viel bemitleidet?

Nein, überhaupt nicht. Wer mich trifft, erlebt mich in einem verhältnismäßig normalen Zustand. Meine Medikamente sprechen noch an. Ich wackle beim Glashochheben vielleicht ein bisschen mehr als die anderen, aber an und für sich habe ich bisher keinen Nachteil.

Sie haben zeitlebens sehr viel Sport getrieben. Empfinden Sie die Krankheit da als besondere Ungerechtigkeit des Schicksals?

Ich denke positiv und rede mir das schön: Wenn ich nicht so viel Sport getrieben hätte, wäre der Parkinson bei mir vielleicht viel früher ausgebrochen.

Frank Elstner

  • geboren am 19. April 1942 in Linz als Timm Franz Maria Elstner
  • Radio- und TV-Moderator, u.a. von "Verstehen Sie Spaß?", und Erfinder zahlreicher Fernseh-Formate, wie "Montagsmaler" und "Wetten, dass..?".
  • "Wetten, dass..?" gilt bis heute als eine der erfolgreichsten TV-Shows. Elstner moderierte die von ihm erfundene Samstagabendsendung von 1981 bis 1987. Sein Nachfolger war Thomas Gottschalk.
  • Elstner hat fünf Kinder und wohnt mit seiner dritten Ehefrau Britta Gessler in Baden-Baden.

Sie engagieren Sie sich jetzt in der Parkinson-Stiftung. Warum?

Um meine ganze Kraft dafür einzusetzen, dass die Forschung Fortschritte macht. Ich habe zum Vorsitzenden der Stiftung gesagt: "Lass uns meine Popularität nutzen, um betteln zu ­gehen." Die Parkinson-Forschung braucht Geld. Gerade jetzt in Corona-Zeiten ist es ganz schwer, für andere Zwecke zu sammeln. Wenn die Forscher für ihre Grundlagenforschung mehr Geld haben – für mehr Labor­arbeit, für mehr Großrechner –, steigt die Hoffnung, dass mal einer den Stein der Weisen findet. Ich sage mir: Lieber suche ich mit, als dass ich mich auf die Seite drängen lasse und dem Ganzen hilflos zuschaue.

Für Ihre jüngste Talkshow "Wetten, das war’s..?" wurden Sie mit 77 als "Newcomer des Jahres" ausgezeichnet. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie davon erfuhren?

Jetzt nehmen Sie dich auf den Arm! Mein zweiter Gedanke war: Schön, dass die Leute so genau hingeschaut haben! Mein Sohn hatte zu mir gesagt: "Papa, du musst jetzt mal irgendwas im Internet machen!" So kam ich darauf, unter dem Titel "Wetten, das war’s..?" die letzten von mir zu erwartenden Sendungen eben im Internet zu machen.

Stimmt es, dass Sie aus einer alten Theaterfamilie stammen?

Ja, meine Eltern waren Schauspieler, einer meiner Uronkel hat mal den Berliner Theaterverein gegründet. Die Schauspielerei ist bei uns in mehreren Generationen vertreten.

Wetten Dass Frank Elstner Show

Sie träumten früher von einem eigenen Theater...

Davon habe ich mal in einer Talkshow erzählt und daraufhin einen Haufen Angebote von Theatern bekommen, die ich retten sollte. Mir war aber schnell klar: Ein Theater zu führen ist mit so viel Verwaltungs­arbeit verbunden, dass die Freude zu gering ausgefallen wäre. Ich suchte ja die kreative Möglichkeit, sich schauspielerisch darzustellen.

Ihre Fernsehpremiere hatten Sie 1964 mit der Serie "Schlag nach im Grundgesetz". Warum sind Sie nicht beim Schauspiel geblieben?

Für meine TV-Rollen bekam ich tatsächlich viel Lob, ich spielte auch am Kammertheater in Karlsruhe. Aber mir wurde schnell klar, dass es mir mehr Spaß macht, anderen zu sagen, wie sie sich auf der Bühne benehmen sollen. Dann ergriff ich die Möglichkeit, zu Radio Luxemburg zu gehen, und bekam relativ schnell Verantwortung für ein Team: Mit 25 war ich schon leitender Angestellter eines großen Unternehmens. Alles andere entwickelte sich dann von selbst.

Ihr wirklicher Vorname ist Timm. Wie wurden Sie zu Frank?

1964, vor meiner ersten Sendung bei Radio Luxemburg, kam der damalige Chef Camillo Felgen auf mich zu: "Wir haben schon einen Tom – und Timm und Tom hört sich an wie Fix und Foxi. Haben Sie nicht noch einen anderen Namen?" Ich überlegte: "Na ja, mein Halbbruder heißt Frank …" Und er: "Wunderbar! Einen Frank können wir gut gebrauchen.

Noch als Timm moderierten Sie "Spiele ohne Grenzen" - mit Kandidaten aus mehreren Ländern. Fehlt so ein europaweiter spielerischer Wettstreit heute?

Absolut. Ich wünschte mir, dass es so eine Sendung wieder gäbe, und hätte dafür auch Konzepte. Aber derzeit ist das nicht "in". Ein Nachfolger von "Spiele ohne Grenzen" müsste wohl in einem Hotel mit Nackten spielen.

Kommt das Spielelement zwischen Quiz und Krimi generell zu kurz im Fernsehen?

Wenn ein Quiz erfolgreich ist, dann gibt es vier Wochen später 20 weitere. Und die blockieren die guten Sendeplätze. Der Raum, wirklich Neues auszuprobieren, schrumpft. Trotzdem: Wir haben heute eine Vielfalt wie noch nie. Das Fernsehen war früher nicht besser. Wer da nostalgisch mit den Augen rollt, hat die Fernsehwelt nie richtig betrachtet. Oder ist zu faul, sich das rauszusuchen, was ihn interessiert.

Welche Sendungen gucken Sie?

Ich bin nachrichtensüchtig, schaue auch Talkshows. Ich sehe sehr gerne "Let’s Dance" und Günther Jauch. Über ihn und seine 1000 Gesichter kann ich herzlich lachen.

Sie haben die große Samstagabendshow gemacht, das kleine Quiz, die gepflegte Talkshow und 138 Nobelpreisträger interviewt …

Wahrscheinlich sind meine Kinder darauf später mal am meisten stolz.

Hat es Sie bereichert, mit all den klugen Köpfen zu sprechen?

Sie werden sehr bescheiden, wenn Sie merken, wie bescheiden diese Wissenschaftler sind. Wie einfach viele wohnen, das hat nicht den Hauch von Karriere und Ruhm.

Gibt es noch etwas, das Sie dabei gelernt haben?

Ich habe dabei gelernt, dass der schnelle "run" nach Erfolg sehr trügerisch ist. Man muss einfach auch warten können.

Was bedeuten Ihnen Ihre Naturdokus "Elstners Reisen", die Sie weiter fortführen?

Ich bin Vegetarier, Tierfreund von klein auf. Ich habe mal ein Jahr auf einem Bauernhof gelernt und kann sogar melken. Mit dem Karlsruher Zoodirektor Matthias Reinschmidt bin ich befreundet. Er ist der Fachmann auf meinen Reisen, und ich bin der Journalist, der fragt. Kurz vor der Corona-Sperre waren wir noch in Uganda und haben die Berggorillas gefilmt.

Trotz all der TV-Erfolge sagen Sie: "Beim Privatradio war es am schönsten."

Ja, vor allem wegen der direkten und schnellen Art, Ideen umzusetzen. Wenn wir morgens eine Idee hatten, lief die nachmittags über den Sender. Davon konnte ich später nur träumen.


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