Die Formel fürs Alter

Seit Langem sind Forscher dem individuellen Alter auf der Spur. Jetzt gibt es eine Formel dafür, sagt Molekularbiologe Alexander Bürkle

von Raphaela Birkelbach , 09.07.2018
Fitness

Herr Professor Bürkle, Sie interessieren sich für das tatsächliche Alter eines Menschen. Stimmt das im Personalausweis etwa nicht?  

Das chronologische Alter, also das, was im Ausweis steht, muss nicht mit dem übereinstimmen, das Alternsforscher biologisches Alter nennen. Jeder kennt dieses Phänomen: Jemand sieht mit 70 aus wie 50, ein anderer wie ein Greis. Jeder altert anders. Das Geburtsdatum im Pass hilft einem da nicht weiter.  

Haben Sie die wahre Altersformel gefunden?

Wir haben sie im Rahmen eines großen europäischen Projekts erforscht und erstellt. Es ist nicht die einzig mögliche, aber wir sind zufrieden.

Wie sind Sie vorgegangen?   

Zunächst haben wir aussagekräftige Biomarker gesucht, die sich im Körper mit dem Alter oft verändern und auf eine beschleunigte Organalterung hinweisen können. Dazu ­gehören gängige Werte wie der Blutzucker, aber auch neue, die nicht routinemäßig gemessen werden, etwa  miteinander verknüpfte, zuckerartige Stoffe oder auch chemische Bausteine, die die Aktivität von Zellen steuern. Die zehn wichtigsten Marker haben wir in einer Formel kombiniert.    

Wie messen Sie damit das Alter?

In der Blutprobe eines Menschen werden spezielle Messwerte bestimmt. Die Ergebnisse bringen wir in unsere Formel ein und errechnen damit eine Zahl. Das ist dann das biologische Alter, zum Beispiel 80. 

Dann kann jemand 90 sein, aber biologisch gesehen erst 80?  

So ist es.

Liegt es an den Genen, wie die biologische Uhr tickt? 

Unsere Erbanlagen bestimmen mit bis zu 25 Prozent, wie wir altern. Das können wir nicht beeinflussen. Wohl aber unseren Lebensstil: Es spielt die viel größere Rolle, ob wir rauchen, viel Stress haben oder nicht genug schlafen. Solche Umwelteinflüsse sind entscheidend, auch weil sie indirekt die Aktivität der Gene steuern.

Was hat jemand davon, sein biologisches Alter zu kennen?  

Wer erfährt, dass sich sein biologisches Alter mit dem im Pass deckt oder er sogar jünger ist, darf sich freuen. Offenbar hat er bislang vieles richtig gemacht. Umgekehrt können wir denjenigen, der ein hohes biologisches Alter hat, warnen.

Weil er krank wird? 

Nicht automatisch. Bestimmte Alterungsprozesse laufen bei dieser Person jedoch rascher ab. Sein Risiko, zu erkranken, steigt. Wer das weiß, kann vorbeugen und sich regelmäßig untersuchen lassen, ob etwa das Herz oder die Blutgefäße intakt sind.  

Viele wissen längst, dass sie ungesund leben, tun aber nichts.  

Allgemeine Ratschläge, etwas am Lebensstil zu ändern, bewirken oft nichts, das ist wahr. Die konkrete Altersangabe wirkt jedoch wie eine amtliche Bescheinigung. Manche bringt das vielleicht dazu, ihr Gesundheitsverhalten zu überdenken.

Macht der Arzt so einen Alterstest?  

Derzeit tun nur wir das im Rahmen von Studien. Aber wir arbeiten darauf hin, den Test billiger zu machen und künftig breiter anbieten zu können. 

Prof. Alexander Bürkle hat einen Lehrstuhl für Molekulare Toxikologie an der Universität Konstanz



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