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In sechs Schritten zum Hörgerät

Wieder besser hören: Wie viele Extras Sie wirklich brauchen und was die Kasse bezahlt.

von Petra Haas, 25.07.2019
Zwei Menschen

Ein Hörgerät stärkt das Wohlbefinden in Gesellschaft.


So kommen Sie in sechs Schritten zum Hörgerät

  1. Hals-Nasen-Ohren-Arzt misst Grad des Hörverlusts und verordnet bei Bedarf ein Hörgerät. Die meisten Menschen benötigen für jedes Ohr eines.
  2. Patient fragt bei Kasse nach, welche Hörakustiker in Wohnortnähe Vertragspartner sind. Termin vereinbaren: telefonisch, persönlich oder online über die Homepage.
  3. Zum Termin Verordnung mitnehmen. Hörakustiker testet nochmals den Hörverlust. Fragt nach Gewohnheiten, ­Wünschen. Berät zu Modellen, erklärt Vor- und Nachteile
  4. Kunde trägt geeignete Geräte zur Probe – nacheinander, etwa zwei, drei Wochen lang. Probleme währenddessen? Akustiker kann jederzeit Feinanpassungen vornehmen.
  5. Gerät gefunden? Akustiker erstellt Kostenvoranschlag. Bei etwas teurerem Modell Antrag auf Erstattung der Mehrkosten sinnvoll, sofern die Technik medizinisch notwendig ist.
  6. Kostenübernahme bewilligt? Farbe auswählen, nach ca. zwei Tagen ist das Gerät da. Kunde zahlt Rezeptgebühr oder Zuzahlung. Akustiker berät zu Pflege und gibt Serviceheft mit.

Alle Hörgeräte arbeiten inzwischen mit Digitaltechnik. Töne, Sprache, Hintergrundgeräusche werden so blitzschnell registriert, analysiert und reguliert. Was muss gedämpft, was verstärkt werden? Trägt man zwei Hörgeräte, synchronisieren sich diese. Selbst aufzahlungsfreie Modelle sind mittlerweile auf einem ­hohen Stand der Technik: Sie müssen über vier einstellbare Kanäle und drei Hörprogramme (z. B. ruhige Umgebung, im Café), eine Rückkoppelungs- und Störschallunterdrückung verfügen. Als Extra ohne Aufpreis ist oft auch eine Induk­tionsspule erhältlich. In dafür ausgestatteten Sälen, Theatern oder Kinos wird Sprache oder Musik drahtlos übertragen. Über einen Audioeingang und ein Kabel lässt sich ein MP3-Player andocken.

Gute Gründe für ein Hörgerät:

  • Fördert das Selbstbewusstsein
  • Gibt mehr Sicherheit im Straßenverkehr
  • Stärkt das Wohlbefinden in Gesellschaft
  • Senkt die mit Hörverlust verbundene Anspannung und Müdigkeit
  • Senkt vermutlich das mit Schwerhörigkeit verbundene Demenzrisiko
Mit Hörhilfe wird die Welt wieder lauter. Das Gehirn muss  lernen, den Geräuschpegel zu akzeptieren. Wer sich damit schwertut: Einige Kliniken, Praxen, Hörakustiker bieten Hörtrainings an.

Was die Kasse für das Hörgerät zahlt:

Krankenkassen übernehmen im Rahmen der Festbetragsregelung für ein Hörgerät rund 734 Euro netto. Vom Laden als "Nulltarif" angepriesen. Für Versicherte fällt nur die Rezept­gebühr (max. 10 Euro pro Gerät) an. Kassen schließen dazu mit Akustikern Ver­träge. Diese bieten unterschiedliche Geräte zum Nulltarif. Deshalb lohnt oft ein Preisvergleich.

Aufgepasst: Bei aufzahlungsfreien Modellen sind Wartung und kleinere Reparaturen sechs Jahre lang gratis. Anders bei Zuzahlung: Hier leistet der Kunde anteilig anfallende Mehrkosten.

Diese Hörgerät-Typen gibt es

Hörgeräte: Mehr Extras, höhere Kosten

Die Hersteller schnüren gegen Aufpreis unterschiedliche Technik-Pakete, bei denen meist mehrere Extras enthalten sind (Angaben für Zuzahlung: je Gerät).

  • Drahtlos Hörsystem via Smartphone und App bedienen, z.B. Störgeräusche weiter absenken. Beliebt bei Handy-Nutzern. Bei Zuzahlung: circa 500 Euro
  • Akku Kein wöchentlicher Batteriewechsel mehr. Nachts kommen die Hörgeräte ins Ladegerät. Gut sind Modelle mit auswechselbaren Akkus. Sinkt deren Leistung, kann man sie austauschen. Bei Zuzahlung: ab 600 Euro
  • Automatik Passt Lautstärke oder Programme selbstständig an, ohne dass man am Gerät etwas drücken muss. Gut bei eingeschränkter Fingerfertigkeit. Bei Zuzahlung: circa 250 bis 1000 Euro
  • Impulsschallfilter Geschirrklappern, Beifallklatschen: dämpft plötzlich einsetzende Geräusche im Hochtonbereich. Top für Sensible. Bei Zuzahlung: circa 500 Euro
  • Windgeräuschfilter Minimiert die durch Verwirbelungen entstehenden Geräusche. Eine Überlegung wert für Gassigeher, Radfahrer, die in windreichen Gegenden wohnen. Bei Zuzahlung: circa 1000 Euro
  • Richtmikrofone Je mehr ein Gerät besitzt, desto besser kann man etwa Sprache verstehen, die von der Seite oder von hinten (z. B. Autorücksitz) kommt. Für Gesellige, die viel unterwegs sind. Bei Zuzahlung: ab 300 Euro

Batteriefach klemmt?

Es kann immer etwas kaputtgehen. Den Akustiker aufsuchen. Alle drei Monate den meist kostenlosen Check-up nutzen. Lohnt sich eine Extra-Police? Nachfragen!

Fachliche Beratung:
Armin Herbertz, Dozent an der Akademie für Hörakustik, Lübeck;
Andreas Fink, Hörakustik-Meister, Freising


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