Ich pflege
Pflegekenner Ahmed Mahmud

Im Irak ist es normal, sich um die Eltern zu kümmern"

Ahmed Mahmud pflegt seit über 10 Jahren seine Mutter – und hat dafür einen Preis bekommen.

Ich pflege…

meine Mutter, 77. Sie hat Diabetes und wurde schon an beiden Füßen operiert. Sie kann kaum laufen, sitzt im Rollstuhl und hat auch psychische Probleme. Sie ist eigentlich nicht so alt, aber sie hat schon viel mitgemacht: Mein Vater und vier meiner Brüder sind im Irak gestorben.
Sie versteht kein Deutsch und hat Angst vor anderen Menschen. Deshalb kümmere ich mich alleine um sie. Wir haben es mal mit einem Pflegedienst versucht, aber es gab zu viele Probleme. An den Wochenenden fahren wir zu meiner Schwester und ihrer Familie, aber da bleibt meine Mutter nicht alleine. Ich kümmere mich seit 11 Jahren 24 Stunden am Tag um sie.

Das strengt mich an

Das größte Problem ist das Waschen. Sie will nicht duschen und ich muss sie immer bitten. Wir haben nur eine Badewanne und meine Mutter wiegt fast 90 Kilo – es ist sehr anstrengend. Ich habe schon Probleme mit der Bandscheibe und bin wegen eines Arbeitsunfalls zu 50 Prozent schwerbehindert. Ich habe schon zwei Anträge gestellt, aber wir können das Bad nicht umbauen. Eine neue Wohnung zu finden ist sehr schwer.

Das gibt mir Kraft

Meine Mutter ist immer freundlich und lacht viel. Ich habe einen sehr guten Kontakt zu ihr – besser als meine Schwester. Im Irak ist es normal, dass man sich um seine Eltern kümmert. Außerdem möchte ich nicht, dass meine Mutter alleine im Altenheim sitzt.

Mein Tipp für andere

Macht euch klar: Sie ist eure Mutter und hat schon so viel für euch getan. Jetzt könnt ihr etwas zurückgeben.

 

Ahmed Mahmud hat im Mai 2019 den "Compass Pflegepreis" in der Kategorie "Pflegender Sohn" erhalten.

Protokoll: Orla Finegan, 06.08.2019
Ahmed Mahmud
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Birgit Ruf
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