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Corona und Pflege: Was Angehörige wissen sollten

Pflegende Angehörige stellt die Coronakrise oft vor große Schwierigkeiten. Das kann bei der Pflege zuhause helfen.

von Kai Klindt, Elsbeth Bräuer , aktualisiert am 09.03.2021

Auf einen Blick: Neue Regelungen für die Pflege zuhause* (befristet in der Pandemie)

  • Pflegehilfsmittel zum Verbrauch: Bis Ende des Jahres vorübergehend 60 statt 40 Euro im Monat. Zur Quelle.

  • Entlastungsbetrag flexibler einsetzbar: Bei Pflegegrad 1 lässt sich der Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat unkomplizierter einsetzen. Sie können etwa Nachbarn, Freunde oder Angehörige damit bezahlen, wenn sie bei der Pflege einspringen. Wichtig: Diese dürfen nicht im selben Haus leben wie der pflegebedürftige Mensch.

  • Vereinbarkeit von Beruf und Pflege: In akuten Fällen bis zu 20 Tage bezahlte Auszeit von der Arbeit und flexiblere Regelungen bei längeren Job-Pausen (zur Quelle). Das gilt bis Ende Juni 2021.

  • Pflegedienst: Notfallregelung, wenn der Pflegedienst nicht kommen kann. Zur Quelle.

Impfungen für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige

  • Ganz oben im Impf-Plan stehen Menschen in Pflegeheimen und über 80-Jährige: Sie werden zuerst geimpft. Etwa Ende März soll das abgeschlossen sein. 
  • Dann sind die über 70-jährigen an der Reihe, aber auch Menschen mit Erkrankungen wie Demenz. Das wird vermutlich ab April sein. 
  • An dritter Stelle kommen die über 60-Jährigen und Menschen mit bestimmten Erkrankungen wie Schlaganfall, Krebs oder Rheuma.

In Gruppe 2 und 3 dürfen zwei enge Kontaktpersonen von Menschen, die zuhause gepflegt werden, geimpft werden. Wer das ist, entscheidet der Betroffene oder sein Stellvertreter.

Die Organisation der Impfung und die Vergabe der Impftermine liegt in den Händen der Bundesländer. Die entsprechenden Regelungen in Ihrem Bundesland finden Sie hier. In vielen Fällen laden die Bundesländer schriftlich diejenigen ein, die beim Impfen an der Reihe sind.

Pflegegrad in Corona-Zeiten beantragen: Teils Hausbesuche des Medizinischen Dienstes, teils Telefonate

Sie können natürlich weiterhin einen Pflegegrad beantragen. "Behutsam" sollen die Hausbesuche des Medizinischen Dienstes wieder anlaufen. "Dort wo es aus Infektionsschutzgründen erforderlich ist", kann ein Telefonat oder eine Entscheidung nach Aktenlage ein Ersatz sein. Die Entscheidung liegt beim Medizinischen Dienst. Die Bundesregierung schreibt dazu, sie hält es für "angezeigt", dass es die Möglichkeit einer kontaktlosen Begutachtung bis Ende Juni 2021 gibt.

Verpflichtende Beratungseinsätze meist telefonisch oder digital

Ab Pflegegrad 2 sind bestimmte Beratungstermine Pflicht, wenn man ohne Pflegedienst pflegt. Sonst wird das Pflegegeld gekürzt oder gestrichen. Diese Besuche sind in verschiedenen Bundesländern vorerst ausgesetzt bzw. finden telefonisch oder per Videokonferenz statt. Voraussetzung ist, dass Sie sich das so wünschen. Die Regelung gilt befristet bis zum Ende Juni 2021.

Pflegegrad 1: Entlastungsbetrag von 125 Euro auch anders einsetzbar

Sie haben Pflegegrad 1 und es gibt durch die Corona-Krise Probleme bei der Pflege, Betreuung oder im Haushalt? Dank einer Sonderregelung können Sie den Entlastungsbetrag von 125 Euro jetzt unkomplizierter einsetzen. Sie können etwa Nachbarn, Freunde oder Angehörige damit bezahlen, wenn sie bei der Pflege einspringen. Wichtig: Diese dürfen nicht im selben Haus leben wie der pflegebedürftige Mensch.

Stellen Sie einen formlosen Antrag an die Pflegekasse. Darin muss stehen, wann welche Hilfe erbracht wurde und Name und Anschrift der helfenden Person. Mit Rechnungen oder Quittungen weisen Sie die Kosten nach. Bis zu 125 Euro pro Monat können erstattet werden. So steht es in den Empfehlungen des GKV-Spitzenverbandes. Die Regelung gilt bis Ende Juni 2021.

In manchen Bundesländern darf man auch bei höheren Pflegegraden den Entlastungsbetrag flexibler einsetzen. Normalerweise ist ja streng geregelt, mit wem man abrechnen darf: In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel oder Hessen darf man in der Corona-Pandemie ausnahmsweise auch mit Nachbarschaftshelfern abrechnen, die eine geforderte Qualifikation nicht haben. Auch diese Regelung ist befristet. Wie das in Ihrem Bundesland geregelt ist, fragen Sie am besten eine Pflege-Beratungsstelle – hier finden Sie eine in Ihrer Nähe.

Mehr Geld für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch

Statt 40 Euro können jetzt 60 Euro im Monat für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch abgerechnet werden. Das sind zum Beispiel Mundschutz, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel für die Hände.

In letzter Zeit sind die Preise für einige Hilfsmittel rasant gestiegen: Deshalb bekommen pflegebedürftige Menschen auch mit dem größeren Budget jetzt nicht unbedingt mehr Produkte als vorher – das ist abhängig davon, welche Hilfsmittel Sie brauchen.

Die neue Regelung gilt bis Ende Dezember 2021. Zur rechtlichen Grundlage hier entlang.

Der Entlastungsbetrag von 2019 und 2020 verfällt wegen einer Sonderregelung dieses Jahr erst Ende September 2021.

Wenn der Pflegedienst ausfällt

Der Pflegedienst hat abgesagt, andere Dienste haben keine Zeit und Sie als Angehöriger können nicht einspringen? Für diese Fälle gibt es eine neue Regelung. Wenn der Pflegedienst nicht kommen kann, kann man in der Coronakrise private Hilfe organisieren und über die Sachleistungen abrechnen. So kann ein einspringender Nachbar etwa Geld bekommen, das sonst für den Pflegedienst gedacht ist. Das soll bei Engpässen in der Versorgung daheim helfen. Fragen Sie bei Ihrer Kasse nach: Diese hilft Ihnen auch bei der Suche nach Alternativen, wie z.B. einem Mitarbeiter einer Tagespflegeeinrichtung. Hier entlang zur rechtlichen Grundlage.

Vorsichtsmaßnahmen für zuhause

Für pflegebedürftige Menschen ist eine Infektion mit dem neuen Corona-Virus besonders gefährlich. Ihr Immunsystem ist meist weniger schlagkräftig als die Abwehr junger Menschen, auch leiden viele Pflegebedürftige unter chronischen Erkrankungen. Bitte tragen Sie bei der Pflege Ihres Angehörigen daher einen Mundschutz. Es muss kein spezieller Infektionsschutzfilter sein – hier geht es vor allem darum, Ihren Angehörigen zu schützen. Vor der Pflege gründlich die Hände mit Seife waschen – mindestens 30 Sekunden lang. Auch Selbsttests können mehr Sicherheit geben.

Wenn Sie Erkältungsbeschwerden haben: Übertragen Sie die Pflege nach Möglichkeit einer anderen Person, etwa einem gesunden Familienmitglied oder einem Pflegedienst. Dessen Einsatz können Sie aus dem Topf der Verhinderungspflege finanzieren, wenn Ihr Angehöriger einen Pflegegrad hat.

Viele Menschen in der Pflege fühlen sich alleingelassen und überfordert. Woraus wir lernen sollten und wo pflegende Angehörige Hilfe und auch Erholung finden können, beantwortet der Pflegeberater André Scholz.

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Corona-Infektionsgefahr durch den Pflegedienst?

Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Allerdings werden zunehmend auch Pflegekräfte ohne Symptome zur Sicherheit auf eine Corona-Infektion getestet. Und die Mitarbeiter des Pflegedienstes sind angehalten, sich vor jedem Einsatz die Hände zu desinfizieren und in der Regel auch Mundschutz und Handschuhe zu tragen.

Kontakt halten zu Angehörigen in Pflegeheimen

Inzwischen sind in vielen Heimen Besuche wieder möglich – mit einer Plexiglasscheibe dazwischen, viel Abstand und Mundschutz oder im Garten. Wenn ein Besuch noch nicht möglich ist, halten Sie den Kontakt auf anderen Wegen aufrecht, etwa über Briefe und Postkarten, regelmäßige Telefonate oder Videotelefonie. "Vielleicht können die Jüngsten ein selbst gemaltes Bild schicken, oder man sendet Fotos aus dem Garten", sagt die Sozialforscherin Prof. Annette Franke von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg.
Mehr zu den aktuellen Besuchsregeln nach Bundesland hat die BIVA hier zusammengefasst.


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