Alltag meistern

Corona und Pflege: Was Angehörige wissen sollten

So sollten Sie sich als Angehöriger verhalten, um die pflegebedürftige Person vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen

Für pflegebedürftige Menschen ist eine Infektion mit dem neuen Corona-Virus (in der Fachsprache: SARS-CoV-2) besonders gefährlich. Ihr Immunsystem ist meist weniger schlagkräftig als die Abwehr junger Menschen, auch leiden viele Pflegebedürftige unter chronischen Erkrankungen. Was können Sie tun, um Ihren Angehörigen zu schützen? Der Altersmediziner und Infektionsexperte Dr. Andreas Leischker aus Krefeld antwortet auf die wichtigsten Fragen.

1. Mein Angehöriger lebt in einem Pflegeheim. Kann ich ihn weiterhin besuchen, oder ist es in Zeiten der Corona-Pandemie ratsam, auf Besuche zu verzichten?

Immer mehr Pflegeheime gehen dazu über, Besuche generell zu untersagen. Hier finden Sie eine Liste mit den Regelungen in den einzelnen Bundesländern. Auch wenn diese Regelungen das Pflegeheim, in dem Ihr Angehöriger lebt, zurzeit nicht betreffen, sollten Sie auf Besuche so weit es geht verzichten. Bitte gehen Sie nicht in die Einrichtung, wenn Sie erkältet sind. Übers Telefon oder Videoanrufe können Sie Kontakt halten.

Falls Sie das Heim aufsuchen, tun Sie dies bitte allein und nehmen Sie nicht weitere Familienmitglieder mit. Lassen Sie insbesondere Kinder zuhause. Leischker rät, zwei Meter Abstand zum pflegebedürftigen Angehörigen zu wahren – also ihn nicht zu umarmen und ihm auch nicht die Hand zu geben. Darüber hinaus sollten Sie in jedem Fall beim Betreten des Heims Ihre Hände desinfizieren. Üblicherweise stehen im Eingangsbereich Spender mit Desinfektionsmittel.
Hinweis:
Erkundigen Sie sich bitte telefonisch bei der Einrichtung, inwieweit Besuche zurzeit möglich sind. In begründeten Fällen, etwa wenn ein Bewohner im Sterben liegt, kann es Ausnahmen von der Besuchssperre geben.

Wiebke Worm
Meine Erfahrung

Ändert sich für mich persönlich viel? Nein! Ich komme seit vielen Jahren kaum noch raus. Hygiene wird bei uns schon immer groß geschrieben, dazu gehört auch das Händewaschen. Mein soziales Umfeld habe ich zum Großteil am PC, und Großveranstaltungen kenne ich nur noch aus Erinnerungen. Ändere ich trotzdem etwas? Ja, natürlich. Arztbesuche, die nicht lebensnotwendig sind, werden gecancelt. Die wenigen, die uns noch besuchen, MÜSSEN sich jetzt die Hände waschen, bevor sie zu meinem Mann dürfen. Ich umarme nicht mehr unbedarft. Ich überlege mir zweimal, was notwendig ist, aber letzten Endes ist bei uns eh schon alles reduziert, sodass es keine gravierenden Änderungen sind.

Wiebke Worm, pflegt ihren Mann
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2. Ich habe in meinem Beruf viel Kontakt mit Menschen und kümmere mich nebenbei zuhause um einen pflegebedürftigen Angehörigen. Welche Vorsichtsmaßnahmen sind sinnvoll?

Bitte tragen Sie bei der Pflege Ihres Angehörigen einen Mundschutz aus Papier. Es muss kein spezieller Infektionsschutzfilter sein – hier geht es allein darum, Ihren Angehörigen zu schützen. Die Masken sind in Ihrer Gegend ausverkauft? Dann sollten Sie während der Pflege nicht sprechen und möglichst nur durch die Nase ein- und ausatmen. Zur Not können Sie sich auch aus Küchenpapier einen provisorischen Mundschutz basteln: Nehmen Sie ein Blatt und fixieren Sie es mit einem großen Gummiband an Ihren Ohren. So senken Sie das Risiko einer Tröpfcheninfektion. Vor der Pflege gründlich die Hände mit Seife waschen – mindestens 30 Sekunden lang.

3. Ich habe Erkältungsbeschwerden und fürchte, meinen kranken Angehörigen anzustecken. Wie kann ich das verhindern?

Übertragen Sie die Pflege nach Möglichkeit einer anderen Person, etwa einem gesunden Familienmitglied oder einem Pflegedienst. (Dessen Einsatz können Sie aus dem Topf der Verhinderungspflege finanzieren, sofern Ihr pflegebedürftiger Angehöriger einen Pflegegrad hat.) Sie sind darauf angewiesen, die Pflege weiterhin selbst zu übernehmen? Beachten Sie bitte die Hinweise unter Punkt 2.

Das Robert-Koch-Institut informiert aktuell über den Stand der Corona-Infektionen in Deutschland und weltweit. Klicken Sie hier, um mehr über die Fallzahlen und die Risikobewertung zu erfahren.

4. Mein betagter Angehöriger geht regelmäßig in eine Tagespflege. Sollte ich die Besuche wegen des Corona-Virus erst einmal aussetzen?

Zwar hält Experte Andreas Leischker die Gefahr, sich in der Tagespflege eine Infektion einzufangen, für gering: Pflegebedürftige Personen, mit denen Ihr Angehöriger den Tag in der Einrichtung verbringt, haben normalerweise weniger Berührung mit anderen Menschen als gesunde und fitte Personen. Das Pflegepersonal ist in Hygiene geschult und verpflichtet, sich die Hände zu desinfizieren. Dennoch ist es sicherer, Ihren Angehörigen vorläufig zuhause zu lassen, sofern Sie dies organisatorisch einrichten können: Jeder zusätzliche Kontakt erhöht das Risiko für Ihren Angehörigen, der infolge seines Alters und der Pflegebedürftigkeit zu den besonders gefährdeten Personen zählt.

Hinweis: Einige Tagespflegestätten haben derzeit geschlossen. Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrem Anbieter.

5. Jeden Morgen kommt bei uns der Pflegedienst ins Haus, um meinen Angehörigen zu waschen. Wie sicher kann ich sein, dass die Mitarbeiter das Covid-19-Virus nicht einschleppen?

Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Doch die Mitarbeiter des Pflegedienstes sind angehalten, sich vor jedem Einsatz die Hände zu desinfizieren und gegebenenfalls auch Mundschutz und Handschuhe zu tragen. Die Pflegekraft ist offensichtlich erkältet? In diesem Fall rät Leischker, den Pflegedienst aufzufordern, einen anderen Mitarbeiter zu schicken.

Kein Mundschutz zu bekommen? So können Sie sich behelfen:

Bei der Körperpflege Ihres Angehörigen sollten Sie einen Mundschutz aus Papier tragen. Es muss kein spezieller Infektionsschutzfilter sein – hier geht es allein darum, Ihren Angehörigen zu schützen. Die Masken sind in Ihrer Gegend ausverkauft? "Zur Not können Sie sich auch aus Küchenpapier einen provisorischen Mundschutz basteln", sagt Dr. Sebastian Michael, Apotheker aus dem sächsischen Waldheim: Nehmen Sie ein Blatt (oder zwei), und fixieren Sie es mit einem großen Gummiband an Ihren Ohren. Auch sollten Sie bei der Pflege nicht sprechen und möglichst durch die Nase atmen. So senken Sie das Risiko einer Tröpfcheninfektion.

6. Ich bekomme kein Händedesinfektionsmittel. Kann ich mir das Mittel auch selbst mischen?

Bitte nicht! Wer Desinfektionsmittel selbst zusammenrührt, riskiert nicht nur, dass es nicht wirkt. Zu groß ist die Gefahr, dass die Lösung die Haut reizt und sie rissig macht – und Sie sich am Ende nicht mal die Hände waschen können. Ohnehin ist ein Händedesinfektionsmittel zum Schutz nicht erkrankter Menschen vor dem Corona-Virus unnötig, weiß Leischker: Die wichtigsten und wirksamsten Maßnahmen sind gründliches Händewaschen, das Einhalten der Husten- und Niesetikette, der Gebrauch von Einmalhandtüchern, die sofort danach entsorgt werden, und das Vermeiden von Berührungen im Gesicht, insbesondere von Augen, Mund und Nase.

Fachliche Beratung: Dr. Andreas Leischker, Chefarzt der Klinik für Geriatrie im Alexianer Krankenhaus Krefeld

Text: Kai Klindt, aktualisiert am 22.03.2020
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