Ich pflege
Friedlinde Steinberger

Ich pflege meinen Mann, weil er mein Mann ist"

Friedlinde Steinberger pflegt ihren demenzkranken Mann.

Ich pflege...

meinen Mann, weil er mein Mann ist. Ich nehme ihm inzwischen fast alles ab: Waschen, Duschen, alle Dinge, bei denen er erst überlegen müsste. Mein Mann erinnert mich manchmal an meine zweijährige Enkelin – die ihm in vielen Dingen voraus ist.

Das strengt mich an

Wenn mein Mann "auf Krawallo aus ist", wie ich es ausdrücke – also nicht macht, was ich sage. Das ist total anstrengend, vor allem wenn wir einen fixen Termin haben. Wenn ich ihm etwa vor einem Arztbesuch Sachen zum Anziehen rauslege, überlegt er es sich oft auf den letzten Drücker anders und zieht sich um. Und der Termin ist futsch. Das macht mich wütend, und wir stehen uns wie zwei Gockel gegenüber. Nachher plagt mich das schlechte Gewissen: Wie konnte ich ihn nur so unter Zeitdruck setzen?

Das gibt mir Kraft

Mein Mann hat meine Mutter gepflegt. Nun gebe ich etwas zurück. Der Gedanke, dass nie etwas verloren ist im Leben, hilft in schwierigen Situationen. Mein Mann kann heute noch spontan und witzig sein, dann denke ich einfach nur: "Boah!"

Mein Tipp für andere

Lasst zu, was geschieht. Haltet euch nicht daran fest, dass es wieder wie früher werden könnte. Das wird es nicht. Nehmt jeden Tag so, wie er ist. Mal geht was, mal geht gar nichts.

Protokoll: Raphaela Birkelbach, 29.04.2019
Friedlinde Steinberger
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Michael Klein
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