Ich pflege
SR Pflegekenner Oppel Markus

Ich bin schon am Limit"

Markus Oppel pflegt seine beiden Kinder und seinen Vater.

Ich pflege… 

meine beiden Kinder. Mein Sohn hat eine Lungenerkrankung, für die es keine genaue Diagnose gibt – es sind Symptome verschiedener seltener Erkrankungen. Meine Tochter hat Asthma, Neurodermitis und eine Entwicklungsstörung.

 

Meinen Kindern sieht man den Pflegegrad nicht an. Deshalb geht oft unter, wie viel Arbeit hinter den Kulissen geleistet wird. Mein Sohn braucht zum Beispiel sechs verschiedene Medikamente, er muss feucht inhalieren und physiotherapeutische Übungen machen, um den Schleim aus der Lunge abzuhusten. Zwei Mal am Tag müssen wir ihn wegen seiner Neurodermitis duschen.

Zur Pflege dazu kommt für mich und meine Frau das, was alle Eltern machen: die Kinder in die Schule bringen, Pausenbrote schmieren, bei den Hausaufgaben helfen. Nebenbei pflege ich noch meinen Vater. Das fällt aber ein bisschen unter den Tisch, schließlich ist mit den Kindern immer was zu tun.

Das Leid von Angehörigen erlebe ich nicht nur persönlich live mit, sondern auch beruflich. Früher war ich Krankenpfleger, für die Pflege der Kinder habe ich meinen Job aufgeben. Jetzt arbeite ich als selbstständiger Pflegeberater. Ich habe mich auf Kinder spezialisiert und darauf, was ihnen zusteht. In der Pflege muss man für alles kämpfen. Wer sich mit der Bürokratie nicht auskennt, hat schon verloren.

Das fällt mir schwer

Ich bin schon am Limit. 60, 70 Stunden pro Woche arbeiten – das geht nicht spurlos an einem vorbei. Wie ich das mache? Wenig schlafen. Meine Hobbys habe ich eingestellt, Bier trinken oder zelten mit Freunden funktioniert nicht. Zwei Mal war ich schon außer Gefecht. Ich bin 36 und habe eine Depression. Zum Glück habe ich die Unterstützung meiner Familie.

Das gibt mir Kraft

Ich ziehe meine Energie nicht aus dem Lächeln meines Angehörigen oder so, wie es oft heißt. Gesehen und gehört zu werden tut mir gut. Ich setze mich für bessere Bedingungen für uns Angehörige ein. Vor kurzem war ich in Saarbrücken, um eine Petition im Sozialministerium abzugeben. Ich saß schon mit Politikern wie Hermann Gröhe und Karl-Josef Laumann zusammen. Wir Angehörigen lassen uns viel zu viel gefallen, gehen zu wenig auf die Barrikaden. Wenn jeder seinen begrenzten Einfluss nutzen würde, könnte man etwas bewegen.

Mein Tipp für andere

Machen Sie eine Pflegeberatung, darauf haben Sie einen Rechtsanspruch. Lassen Sie sich nicht mit einer telefonischen Beratung abspeisen, sondern bestehen Sie auf einem persönlichen Termin. Das bringt oft viel mehr.

Protokoll: Elsbeth Bräuer, 04.06.2019
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Lisa Bauernfreund
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