Ich pflege
Pflegekennerin Inge Liebel

"Ich habe drei Angehörige gepflegt"

Inge Liebel hat sich gleich um drei Menschen gekümmert: um ihren Partner und ihre Eltern. Nach deren Tod fällt ihr der Alltag manchmal schwer.

Ich pflege...

nicht mehr. Ich habe mich um drei Familienmitglieder bis zu ihrem Tod gekümmert: meinen Vater, meinen Mann und meine Mutter. Nach einem schweren Unfall war ich selbst in Frührente, als das mit meinem Vater losging – so bin ich in die Pflege hineingerutscht. Jeder hatte eine andere Vorgeschichte: Bei meinem Vater war es eine körperliche Erkrankung, er war geistig voll da. Mein Mann hatte Krebs, und meine Mutter ent­wickelte Demenz. Die Pflege war belastend, aber auch eine intensive Zeit. Ich bin froh, dass ich meine Angehörigen begleiten konnte.

Das fällt mir schwer:

Nach der Pflege hatte ich plötzlich unendlich viel Zeit. Früher dachte ich, ich gehe auf dem Zahnfleisch. Nun weiß ich oft nicht, wie ich die Zeit füllen soll. Und ich bin furchtbar traurig, weil drei Menschen nicht mehr da sind, die mir so wichtig waren.

Das gibt mir Kraft:

Meine Kinder und ihre Partner haben mir immer den Rücken frei gehalten. Und ich habe drei Freundinnen, die mir geduldig zuhören – da hat man das Gefühl, es ist leichter. Schön ist auch, dass ich meine zwei Enkel nach der Schule betreuen kann. Die zwei Jungs werden mit der Zeit immer selbstständiger und brauchen weniger Hilfe. Genau umgekehrt wie bei der Pflege! Danach bin ich müde, aber es ist eine gute Müdigkeit, weil der Tag ­einen Sinn hatte.

Mein Tipp für andere:

Geniert euch nicht, den Nachbarn Bescheid zu sagen. Früher wunderten sie sich, warum meine Mutter nicht richtig angezogen war oder weglaufen wollte. Ich habe ihnen erklärt, dass es an der Demenz liegt. So konnten sie es besser zuordnen.

Protokoll: Elsbeth Bräuer, 01.06.2020
"Ich habe drei Angehörige gepflegt"
Weiter zur nächsten Geschichte:
Sylvia Pasieka
Schreiben Sie uns: Hier geht's zum Kontaktformular.
Lesen Sie auch:
nach oben