Pflege verändern

Menschen mit Demenz per GPS orten

Ortungssysteme können pflegenden Angehörigen dabei helfen, demenzkranke Menschen leichter zu finden. Was GPS in der Pflege bringt

Für Angehörige ist es eine schreckliche Vorstellung: Der demenzkranke Vater ist alleine losgezogen und findet nicht mehr nachhause. Immer mehr Familien setzen deshalb auf GPS-Ortungsgeräte. Am Handy oder PC lässt sich schnell herausfinden, wo der demenzkranke Mensch gerade ist.

Solche Sensoren werden immer beliebter. "Pro Jahr werden ca. 10.000 GPS-Produkte verkauft", schätzt die Demenz-Expertin Herlind Megges von der Berliner Charité. Sie forscht über den Nutzen von GPS-Ortungshilfen. Ein Fazit ihrer Studien: Auch wenn das sicher nicht bei allen Demenzpatienten klappt - GPS kann Angehörige enorm beruhigen und gefährliche Situationen vermeiden.

Michael Klein
Meine Erfahrung

Diese GPS-Tracker könnte ich mir gut für die Zukunft vorstellen. Es gab schon Situationen, in denen sich meine demenzkranke Frau verlaufen hat und mich dann angerufen hat, damit ich sie abhole. Momentan ist sie auf manchen Strecken noch alleine unterwegs und solange sie das Handy dabei hat, habe ich keine zu großen Bedenken. Aber wenn die Krankheit weiter fortschreitet, werden solche Geräte für uns irgendwann ein Thema sein.

Michael Klein pflegt seine demenzkranke Frau.
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Darf ich das überhaupt?

Man darf einen Menschen nicht ohne sein Einverständnis orten. Herlind Megges empfiehlt: Sprechen Sie mit Ihrem Angehörigen darüber, wenn er geistig dazu in der Lage ist - etwa bei einem Arzt oder in einer Beratungsstelle. Sie können zum Beispiel sagen: "Das ist für den Fall der Fälle, damit ich dich wieder finde." Für manche demenzkranke Menschen bedeuten die Ortungshilfen ein Stück mehr Freiheit: So können sie wieder gefahrlos alleine spazieren gehen.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Hat Ihr Angehöriger sein Handy dabei, können Sie ihn darüber orten lassen. Das müssen Sie vorher auf seinem Gerät einstellen, z.B. so bei Apple oder Android. Auf ihrem eigenen Handy oder PC können Sie sich dann seinen Aufenthaltsort anzeigen lassen. Wenn Sie mit der Technik nicht zurechtkommen: Vielleicht kann Ihnen Ihr Enkel oder der junge Nachbar helfen.

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, jemanden zu orten. Wenn der demenzkranke Mensch sein Handy zuhause vergisst, helfen vielleicht andere Tracker – kleine Ortungssysteme, etwa in Form einer Uhr, als Kette oder zum Anbringen an die Kleidung. Damit das funktioniert, braucht das GPS-Gerät die SIM-Karte eines Mobilfunkanbieters. Die Sender können oft mehr als das Smartphone: Manche schlagen Alarm, wenn die pflegebedürftige Person ein Areal wie z.B. den Garten verlässt. Über andere kann man einen Notruf absetzen. Wichtig ist bei allen Geräten, auf eine lange Akku-Laufzeit zu achten und sie regelmäßig aufzuladen.

Wie viel kostet das?

Die Ortung übers Handy ist gratis. Tracker kann man bei den meisten Online-Händlern für 40 bis 120 Euro kaufen. Achtung: Sobald Produkte mit dem Wort "Demenz" beworben werden, sind sie meist teurer. Manche Angehörige verwenden deshalb die billigeren Peilsender für Hunde und Katzen.

Fragen Sie beim Hersteller nach, ob Sie den Sender ausleihen und testen können. Im Alltag zeigt sich schnell, ob und wie gut die Ortung klappt. Anbieter von teureren Geräten bieten oft einen besseren Service und sind bei Fragen erreichbar. "Rufen Sie vorher bei der Servicehotline an", empfiehlt Megges. "Seien Sie skeptisch, wenn niemand ran geht und Sie einen schlechten Eindruck haben."

Wie schaffe ich es, dass mein Angehöriger das Gerät mitnimmt?

Der beste Sender nützt nichts, wenn er zuhause in der Ecke liegt. Wichtig ist vor allem: Akzeptiert ihn der demenzkranke Mensch und nimmt ihn mit? Orte, an denen man die Geräte tragen kann, gibt es viele: als Kette oder Armband, in der Schuhsohle, in der Gürtelschlaufe oder Hosentasche, an der Jacke oder Tasche befestigt. Sender stören oft weniger, wenn sie wie eine Armbanduhr aussehen (GPS-Uhr); schließlich sind viele Menschen an eine Uhr gewöhnt. Probieren Sie aus, was für Sie beide funktioniert!

Fachliche Beratung:
Gerontologin Herlind Megges von der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Text: Elsbeth Bräuer, aktualisiert am 29.04.2019
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