Hilfen nutzen

Pflegebedürftig: Wie hilft die Apotheke?

Mehr als nur Tabletten und Salben – wie die Apotheke pflegende Angehörige unterstützen kann

Beratung zu Hilfsmitteln von der Kasse

Spezielle Trinkbecher für pflegebedürftige Menschen, Urinflaschen oder Einmalhandschuhe – in der Apotheke bekommen Sie, was Sie zum Pflegen benötigen. Auch den Freibetrag von derzeit 40 Euro für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, den Ihnen die Pflegekasse zahlt, können Sie über die Apotheke einlösen. Meist leiten die Angestellten den Antrag auf Erstattung ohne Umwege für Sie weiter und helfen Ihnen beim Zusammenstellen der wichtigsten Pflegeartikel. Fragen Sie nach.

Sortieren der Medikamente

Immer mehr Apotheken sortieren die Medikamente für ihre Kunden. Im Fachjargon nennt sich der Service "Blistern", denn die Tabletten und Arzneien werden luftdicht in versiegelte Plastikschälchen (Blister) verpackt. Der Kunde bekommt dann einmal die Woche alle seine Medikamente nach Wochentag und Einnahmezeitpunkt sortiert geliefert. Manche Apotheken haben extra Mitarbeiter eingestellt, die akribisch die Blister befüllen, andere arbeiten mit einem Dienstleister zusammen, der die fertigen Blister liefert. Die Kosten unterscheiden sich je nach Modell und Apotheke und liegen zwischen fünf und zehn Euro pro Woche. Der Vorteil für pflegende Angehörige: Sie sparen Zeit und Nerven – sie müssen nicht mehr selbst mehrere Medikamente sortieren und tragen auch nicht mehr die volle Verantwortung dafür, dass alle Arzneien richtig dosiert sind.

Waltraud LeBrun
Meine Erfahrung

Ich finde es sehr hilfreich, dass Medikamente zugestellt werden, wenn sie erst bestellt werden müssen. Toller Service - jedenfalls bei unserer Apotheke. Es wird immer alles, was gebraucht wird, sehr schnell beschafft und unkompliziert erledigt.

Waltraud LeBrun, pflegte ihren demenzkranken Mann nach einem Narkose-Zwischenfall
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Schwerpunkt-Apotheke Geriatrische Pharmazie

Meist hat sich mindestens ein Mitarbeiter auf geriatrische Pharmazie spezialisiert und kann noch gezielter auf die Bedürfnisse von älteren Kunden eingehen. Er kann kompetente Auskunft zu Stomaversorgung, künstlicher Ernährung oder Inkontinenzprodukten geben. Außerdem ist ein geriatrischer Apotheker darauf geschult, bei Ihren Medikamenten auf Wechselwirkungen zu achten – denn ein älterer Körper kann anders auf bestimmte Wirkstoffe reagieren als ein junger Körper. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann auch eine aufwendige Medikationsanalyse machen lassen. Für müssen Sie mit Kosten zwischen 60 und 100 Euro rechnen. Mehr zur Medikationsanlyse lesen Sie hier.

Kunden mit pflegebedürftigen Angehörigen, die an hartnäckigen Hautdefekten wie Dekubitus leiden, kann der Apotheker Tipps mit auf den Weg geben: Welche Creme schützt, wenn die wunde Stelle zu ist? Wie wirken Pflaster mit Silberbeschichtung? Welche Inkontinenzhilfsmittel sind bei einem Geschwür am Steißbein sinnvoll? Manche Apotheken arbeiten mit einem speziellen Wundmanager zusammen, der zu Ihnen nach Hause kommt und schwer heilende, chronische Wunden versorgt. Der erste Ansprechpartner bei hartnäckigen Wunden bleibt aber Ihr Hausarzt.

Anleitungen für neue Hilfsmittel und Medikamente

Manche Hilfsmittel muss man erstmal kennenlernen. Die Mitarbeiter der Apotheken erklären Ihnen gerne, wie Sie ein Asthmaspray anwenden oder worauf sie achten müssen, damit die Thrombosestrümpfe gut sitzen. Auch wenn Sie oder Ihr Partner mit Diabetes diagnostiziert wird, müssen Sie sich auf vieles neu einstellen. In der Apotheke bekommen Sie Blutzuckermessgeräte oder Insulinpens, ab jetzt wichtige Helfer in Ihrem Leben. Die Mitarbeiter der Apotheke zeigen Ihnen, wie Sie Ihren Blutzucker richtig bestimmen können und wie ein solcher Insulinpen richtig angewendet wird. Gerade am Anfang kann das knifflig sein. Ihr Arzt sollte Sie zwar zum Umgang mit neuen Hilfsmitteln schulen – aber bei Nachfragen hilft auch die Apotheke.

Individuelle Rezepturen

Die Apotheker und Apothekerinnen gehen auf spezielle Bedürfnisse ein. Sie oder Ihr Angehöriger haben Probleme, Pillen zu schlucken? Vielleicht lässt sich der Wirkstoff auch als Saft verabreichen. Sprechen Sie mit Ihrem Apotheker über die ideale Darreichungsform des Wirkstoffs.

Begleitende Therapie

Apothekerin Bärbel Schulz aus Kierspe hat auch die Erfahrung gemacht, dass gerade alte und schwerkranke Kunden von einer Komplementär-Therapie profitieren. Ergänzend zu den vom Arzt verschriebenen Medikamenten können zum Beispiel duftende Aromaöle anregen oder entspannen und spezielle Heilkräutertees Symptome lindern. Falls Sie unter starken Nebenwirkungen eines Medikaments leiden, sprechen Sie Ihren Arzt oder Apotheker darauf an – besser als Kräuter wirkt dann meist ein neues Präparat oder eine geänderte Dosierung.

Treffpunkt Apotheke

Fast wie auf dem Wochenmarkt trifft man auch in der Apotheke oft Bekannte und Freunde. Oder plauscht noch kurz mit dem Mitarbeiter, wenn nicht so viel los ist. Das hat vor allem dem Vorteil, dass Ihr Apotheker meist bestens informiert ist: Über welchen Pflegedienst im Stadtteil wird nur Gutes berichtet? Wo gibt es einen Gesprächskreis für pflegende Angehörige? Haben Sie keine Scheu ihn anzusprechen, wenn nicht gerade Hochbetrieb herrscht.

Text: Orla Finegan, 29.04.2019
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