Ich pflege

Was, wenn der liebe Gott mir das Licht ausmacht?"

Arnold Schnittger pflegt seinen Sohn, der eine Behinderung hat.

Ich pflege...

meinen Sohn. Nico ist von Geburt an körperlich und geistig behindert. Ich mache mit ihm all das, was ich machen würde, wenn er gesund wäre. Zum Glück ist er ein Abenteurer. Wir verreisen, gehen zelten. Als ich einmal ein Heißluftballon-Festival fotografieren sollte – ich bin Fotograf –, nahm ich Nico einfach mit, im Hubschrauber. Vielleicht dauert alles etwas länger oder ist anstrengender. Aber wir machen es.

Das strengt mich an

Die Empathielosigkeit der Behörden macht mich wütend. Um Nico zu pflegen, habe ich meinen Job aufgegeben. Beim Arbeitsamt fragten sie mich: Warum arbeiten Sie nicht, während Ihr Sohn in der Tagespflege ist? Dabei pflege ich 18 Stunden am Tag. Ich muss auch irgendwann mal schlafen.

Das gibt mir Kraft

Mich macht es stark, wenn ich mich ärgere. Weil die Pflege zu Hause von der Regierung immer noch zu wenig anerkannt wird, bin ich mit Nicos Rollstuhl dieses Jahr zu Fuß von Hamburg nach Berlin gegangen. Aber der Gesundheitsminister Jens Spahn hat einen großen Bogen um mich gemacht. Da stand ich dann wie der Ritter von der traurigen Gestalt vor dem Ministerium.

Mein Tipp für andere

Wehrt euch, empört euch, beschwert euch. Und seid selbstbewusst. Geht ins Restaurant, auch wenn sich die Leute nach eurem Kind umdrehen.

Protokoll: Elsbeth Bräuer, 29.04.2019
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Ariane Andres
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