Hilfen nutzen

Wie Apotheken demenzkranken Menschen helfen

Gezielte Ansprache: Apotheken sollten die erste Anlaufstelle für demenzkranke Menschen und ihre Angehörigen sein, sagt Apotheker Paul Schmitz.

Herr Schmitz, an Ihrer Tür hängt ein Schild "Demenzfreundliche Apotheke". Wie sind Sie zu dieser Auszeichnung gekommen?

Wir gehören zu einem Netzwerk-Projekt in Bayern, das mit speziellen Schulungen interessierte Apotheken und ihre Mitarbeiter zum Thema ­Demenz sensibilisiert und fortbildet. In Augsburg sind es 51 Apotheken, in Fürth wollen bereits 14 mitmachen.

Warum ist gerade die Apotheke bei dieser Erkrankung gefragt?

Eine Apotheke ist eine sehr niederschwellige Anlaufstelle. Man kann recht unkompliziert Probleme ansprechen. Ältere Menschen besuchen weitaus häufiger ihre Apotheke als ihren Arzt. Außerdem können wir Apotheker mit den Angehörigen reden, sobald uns etwas im Verhalten oder in der Sprache auffällt, und rasch einen Arztbesuch anregen: So hat einer unserer Kunden über Wochen mit den immer gleichen Worten ein Schmerzmittel verlangt, das ich ihm nicht aushändigen durfte. Je früher also eine notwendige Behandlung in die Wege geleitet wird, umso besser für den ­Patienten. Das kann den Krankheitsverlauf verlangsamen.

Apotheker Paul Schmitz
Meine Erfahrung

Wir erkennen, wenn ein langjähriger Kunde sich auffallend anders verhält

Paul Schmitz, Apotheker in Fürth

Gilt damit nicht jede Apotheke als demenzfreundlich?

Was das Vertrauensverhältnis zu den Kunden betrifft, ja. Gerade von einer Stammapotheke profitiert jeder: Man lernt sich über die Jahre kennen, dank der Kundenkartei weiß der Apotheker über alle Medikamente Bescheid und kann so für mehr Sicherheit sorgen. Durch Schulungen sind wir allerdings noch stärker auf demenzspezifische Veränderungen vorbereitet und können sie bei den Patienten leichter erkennen.

Was tun Sie dann?

Es gibt inzwischen ein dichtes Netz an Beratungsstellen und Hilfsangeboten für Demenzerkrankte. Viele Betroffene und ihre Angehörigen wissen aber nichts davon, gerade in der Anfangsphase. Wir können dann sehr früh schon lokale Angebote, Ärzte und Partner unseres Demenz-Netzwerks vermitteln. Das ist das eigentliche Hauptziel einer demenzfreundlichen Apotheke.

Muss man demenzerkrankte Kunden anders beraten?

Wer unter einer Demenz leidet, versteht die Infos zu den Arzneimitteln nur teilweise und kann oft nicht nachvollziehen, wie man diese richtig anwendet. Die Verständigung mit solchen Kunden ist schwieriger. Umso wichtiger ist es, dass wir die Angehörigen mit einbeziehen. Sie können dabei behilflich sein, dass der Patient seine Medikamente regelmäßig einnimmt und auch das Schema einhält. Demenz-Medikamente sollten immer zum richtigen Zeitpunkt eingenommen werden. Nur so können sie überhaupt optimal wirken.

Beraten Sie auch zur Demenz selbst, zu ihrer Prävention?

Wir sprechen aktiv Kunden an, wenn sie etwa unter einem Diabetes leiden oder rauchen. Beides Faktoren, die ­eine Demenz begünstigen. Wenn wir von Vorerkrankungen wissen, geben wir auch Informationsmaterial mit.

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Text: Elke Schurr, 07.10.2019
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