Im Heim leben

Wie finde ich ein gutes Pflegeheim?

Die Suche nach einem guten Heim ist mühsam - und dabei drängt die Zeit. Eine Checkliste

Auch wenn es schnell gehen muss: Nehmen Sie nicht das erstbeste Heim. Recherchieren Sie auf den Websites verschiedener Einrichtungen – aber belassen Sie es nicht dabei. Sprechen Sie mit den Beratern in einem Pflegestützpunkt oder der Pflegekasse, mit Seniorenbeiräten oder Wohlfahrtsverbänden.
Fragen Sie auch im Bekanntenkreis, in Angehörigengruppen und in den sozialen Netzwerken nach, welche Heime empfehlenswert sind.

Angehörige im Heim
Meine Erfahrung

"Es macht keinen Sinn, sich auf die Aussagen der "bunten Broschüren" oder Internet-Auftritte der Pflegeheime zu verlassen. Ich würde mich öfters in die Eingangshalle oder die Cafeteria setzen und versuchen, mit Bewohnern und Angehörigen ins Gespräch zu kommen. Versuchen Sie, nachmittags einen Termin zur Hausbesichtigung zu bekommen. Morgens sind die Stationen meist besser besetzt und es finden zusammengefasste Aktivitäten statt. Nachmittags zeigt sich, ob die Bewohner betreut oder alleingelassen werden."

Eva-Marie Cosar, besucht ihre pflegebedürftige Mutter täglich im Heim

Kosten beachten

Für ein Heim zahlt man in Deutschland durchschnittlich 1.830 Euro im Monat aus der eigenen Tasche, so eine Auswertung des Verbands der Privaten Krankenversicherung. Wer sich das nicht leisten kann, kann vom Sozialhilfeträger Hilfe zur Pflege beantragen. Kinder müssen unter Umständen Elternunterhalt zahlen.

Pflege-TÜV

Seit 1. Oktober 2019 gibt es den "Pflege-TÜV": Mit dem neuen System soll besser überprüft werden, wie gut Pflegeheime wirklich sind. Die Gutachter des MDK untersuchen anhand einer Stichprobe bei neun Bewohnern, wie gut sie versorgt sind. Außerdem werden Daten aus dem Pflegeheim gesichtet und mit anderen Heimen verglichen – zum Beispiel, wie oft es zu einem Druckgeschwür kommt. Die Ergebnisse veröffentlichen die Pflegekassen im Internet, allerdings erst 2020. Wie übersichtlich das neue System ist, wird sich zeigen.

Mit dem Pflege-TÜV reagiert die Politik auf Kritik am alten System: Bisher gab es Noten für Pflegeheime. Die waren aber wenig aussagekräftig, die meisten Heime erreichten Spitzen-Bewertungen. Schlechte medizinische Versorgung ließ sich z.B. durch einen gut lesbaren Speiseplan wettmachen, schreibt das Recherchekollektiv Correctiv.

Hingehen

Am aussagekräftigsten ist ein persönlicher Besuch. Verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl! Besichtigen Sie die Heime, die in Frage kommen, auch unangekündigt und gerne zu zweit, so entgeht Ihnen nichts. Lassen Sie sich einen Mustervertrag mitgeben, um mehrere Heime vergleichen zu können.

Manche Heime bieten die Möglichkeit, einen Bewohner einige Zeit zur Probe aufzunehmen. Das geht auch im Vorfeld über die Kurzzeitpflege: Dabei wird Ihr Angehöriger stationär versorgt, während Sie z.B. im Urlaub sind. Im Idealfall lassen Sie sich zeitnah auf die Warteliste eines Heims setzen, noch bevor es akut wird.

CHECKLISTE: Worauf muss ich beim Besichtigen achten?

 

1. Personal

Ständiger Wechsel ist für Ihren Angehörigen oft ungünstig. Fragen Sie nach: Wie viele Bewohner teilen sich eine Pflegefachkraft? Wie hoch ist der Anteil der Zeitarbeitskräfte? Gibt es eine feste Leitung für die Wohnbereiche? Wie viele Pfleger kümmern sich nachts um die Bewohner?

2. Versorgung

Wenn Ihr Angehöriger an Demenz erkrankt ist oder eine psychische Erkrankung hat: Erkundigen Sie sich, ob das Personal dafür geschult ist. Fragen Sie auch allgemein nach der medizinischen Versorgung: Ist ein Arzt vor Ort? Ist Physio- und Ergotherapie möglich?

3. Atmosphäre

Wie redet das Personal mit Ihnen und den Bewohnern? Das merken Sie oft schon beim ersten Anruf. Einen guten Eindruck bekommen Sie, wenn Sie sich für eine halbe Stunde ins Foyer oder in die Cafeteria setzen. Sitzen die Bewohner wie abgestellt dort? Sind sie liebevoll gekleidet? Wie riecht es auf dem Gang? Wenn die Heimleitung Ihren Besuch kritisch beäugt, ist das ein schlechtes Zeichen. Gute Heime suchen den Kontakt nach außen.

4. Ausstattung

Nehmen Sie sich genug Zeit, das Heim anzuschauen. Ist das Gebäude hell, freundlich und in einem guten Zustand? Wie groß sind die Zimmer, lassen sich die Türen abschließen? Für viele Menschen sind die eigenen Möbel ein Stück zuhause – fragen Sie nach, ob man die mitbringen darf.

5. Lage

Wie weit ist das Heim von Ihnen entfernt? Ist es auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar, damit Freunde Ihren Angehörigen besuchen können? Gibt es in der Umgebung einen Supermarkt, eine Kirche, ein nettes Café?

6. Angebot

Ausflüge, Skatrunde, Theaterabend, Gymnastikgruppe: Solche Beschäftigungen können für Ihren Angehörigen ein wichtiges Stück Lebensqualität sein.

7. Essen

Wird das Essen frisch im Haus gekocht oder angeliefert? Wie groß ist die Auswahl? Gibt es fixe Portionen oder ein Schöpfsystem? Werden die Bewohner beim Kochen eingebunden? Kann das Heim auf besondere Bedürfnisse eingehen - etwa bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten?

8. Vertrag

Unterschreiben Sie nicht schnell vor Ort! Bitten Sie um einen Mustervertrag und lesen Sie ihn in Ruhe durch. Wie hoch sind die Kosten? Kommen zusätzliche Ausgaben auf mich zu, z.B. Verwaltungs- oder Freihaltegebühren? Den Heimvertrag können Sie von Experten prüfen lassen, z.B. bei der BIVA für 60 Euro.

Angehörige im Heim
Meine Erfahrung

Bei der ersten Führung durchs Haus sollte man sich nicht blenden lassen. Stets werden nur die schönsten Zimmer gezeigt. Das Stationsbad mit Wellness-Badewanne (die meist gar nicht benutzt wird) ist weniger wichtig als die Ausstattung des Badezimmers, das zum Zimmer gehört. Achten Sie darauf, ob in den Fluren Duftspender angebracht sind! Das ist ein sehr schlechtes Zeichen und spricht nicht für die Einhaltung der Hygienevorschriften.

Eva-Marie Cosar, ihre Mutter lebt im Heim

Die ersten zwei Wochen im Heim gelten als Probezeit. In dieser Zeit können Sie von einem Tag auf den anderen kündigen, wenn Sie sich in der Einrichtung nicht wohlfühlen.

Fachliche Beratung:
Ulrike Kempchen, Rechtsanwältin bei der Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen e.V.
Manuela Bernreiter, Beraterin bei der Fachstelle für pflegende Angehörige in Regensburg

Text: Elsbeth Bräuer, aktualisiert am 01.10.2019
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