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Achtung, Lungenentzündung: So beugen Sie vor

Wie Sie möglichen Erregern aus dem Weg gehen und mehr Luft in Ihr Atmungsorgan bringen.

von Elke Schurr, aktualisiert am 07.04.2020
Frau streckt sich am Fenster

Tief Atmen stärkt die Lungen.


Drei Dinge spielen bei der Entwicklung einer Lungenentzündung oder Pneumonie eine Rolle: Kontakt mit Keimen, eine geschwächte Abwehr und eine schlechte Lungenbelüftung. An allen drei Stellschrauben lässt sich drehen, um vorzubeugen. Vor allem ältere Menschen sollten das beherzigen, insbesondere wenn sie viel liegen oder gar bettlägerig sind. Ihr Risiko ist höher, da ihre Lungen dadurch schlechter belüftet sind.

Die Lungen­entzündung zählt unter den Infek­­tionskrankheiten zu den häufigsten Todesursachen. Immerhin trifft es mehrere Hunderttausend Frauen und Männer jährlich in Deutschland. Aktuell kommt eine Pneumonieform hinzu, die im Rahmen der Corona-Virus-Infektion auftritt und Covid-19 genannt wird.

Die Auslöser einer Lungenentzündung:

Pneumokokken: Bis zu 80 Prozent der Lungenentzündungen werden von Bakterien verursacht, am häufigsten von Pneumokokken.
Viren und Bakterien: Auch Grippeviren können Pneumonien hervorrufen. Oft gesellen sich Bakterien dazu: ein Doppelangriff auf die Lunge.  Diese Bakterien, die sich bei einer Grippe und womöglich auch bei Covid-19  hinzugesellen, sind in der Regel Pneumokokken.
Coronaviren: Die äußerst ansteckenden Coronaviren (genauer SARS CoV 2) können eine Krankheit verursachen, die als Covid-19 bezeichnet wird. In 5 bis 10 Prozent der Fälle tritt im Rahmen von Covid-19 ein Lungenentzündung auf. Sie kann so schwerwiegend sein, dass die Erkrankten beatmet werden müssen.
Verschluckte Fremdkörper können – häufig bei Schluckstörungen – in die Bronchien gelangen und dort ebenfalls zu einer Lungenentzündung führen.
Vorerkrankungen: Menschen mit einer vorerkrankten Lunge, wenn sie etwa unter COPD oder einem schlecht kontrollierten Asthma leiden, aber auch wenn sie Raucher sind, haben  ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf, sollten sie an Covid-19 erkranken. Auch Herzerkrankungen oder Tumorleiden sind Erkrankungen, die im Rahmen einer Lungenentzündung das Risiko für weitere Komplikationen erhöhen: So kann ein vorgeschädigtes Herz überfordert werden, wenn es schneller schlagen muss, um genug Sauerstoff durch den Körper zu pumpen.

Ansteckung vermeiden

Bakterien, wie etwa Pneumokokken, lösen am häufigsten eine Pneumonie aus. Sie oder andere mögliche Erreger befallen die Atemwege und bewirken, dass sich die Lungenbläschen entzünden und häufig immer mehr Schleim und Flüssigkeit entsteht. Die Lungenbläschen sind der Ort, an dem der Gas­­austausch stattfindet: Hier geht der Sauerstoff ins Blut, und hier nimmt das Kohlendioxid den Weg zurück, um ausgeatmet zu werden. Sind die Bläschen jedoch angefüllt mit Entzündungszellen, Bakterien und Viren, beeinträchtigt das den Gas­austausch. Der Betroffene erkrankt, und das mehr oder weniger schwer – je nach Art der Erreger und abhängig vom Alter und Gesundheitszustand des Patienten. Raucher sind besonders gefährdet.

Gerade in Erkältungs- aber auch Infektionszeiten sollten Ältere deshalb die typischen Infektionsquellen so gut es geht meiden. Dazu gehört, "peinlichst genau auf die Händehygiene zu achten", rät der Internist und Lungenfachmann Dr. Peter Kardos aus Frankfurt. Denn die ­Erreger sitzen überall: auf Türklinken, Haltegriffen oder Einkaufswägen.

Das gilt erst recht bei einer Erkrankung  wie Covid-19, die jedoch nicht nur über eine Schmierinfektion droht. In erster Linie besteht Ansteckungsgefahr, wenn jemand hustet oder niest, selbst beim reinen Ausatmen kann es zur Übertragung des Erregers durch Tröpfcheninfektion kommen. Gegen die Tröpfcheninfektion schützen Sie sich vor allem mit genügend Abstand (1,5 bis 2 Meter) zu Menschen und mit disziplinierter Händehygiene!

 

  • Ob nach einer Bahnfahrt oder einem Einkauf: Waschen Sie sich nach jedem Außenkontakt die Hände gründlich mit Seife, 30 Sekunden lang! Schütteln Sie niemandem die Hand und fassen Sie sich nicht ins Gesicht.
  • Unabhängig von Covid- 19-Vorsichtsmaßnahmen, gilt bei anderen Erregern: Sehen Sie besser von einem Besuch der verschnupften Cousine oder des erkälteten Enkels ab. "Meiden Sie insbesondere Menschen, die bereits eine Lungenentzündung haben", rät Kardos. "Die Ansteckungsgefahr ist einfach zu groß."  
  • Für die neue Corona-Infektion gelten weitaus strengere Quarantäne- und Isolationsregeln.

Risiko Corona-Viren  

Coronaviren gehören zu einer großen Familie von Viren, die verschiedene Krankheiten verursachen können: von harmlosen Erkältungsbeschwerden bis hin zu sehr schweren Erkrankungen, etwa einem schweren Atemwegssyndrom (= SARS).
Das Coronavirus mit der Bezeichnung SARS CoV 2 ist ein neuer Stamm. Patienten, die an Covid-19 erkranken, entwickeln zunächst typische grippale Symptome wie Husten, Schnupfen, Fieber über 38° C, oft auch Kopf- und Gliederschmerzen; sogar Magen-Darmbeschwerden können auftreten. Nach einigen Tagen können bei einem kleinen Teil der Betroffenen Atemnot und Kurzatmigkeit hinzukommen: ein Hinweis darauf, dass sich eine Lungenentzündung entwickelt hat. Oft bleibt es aber bei leichten Symptomen, die spontan wieder abklingen.
In anderen Fällen verschlechtert sich die Lungenentzündung innerhalb von wenigen Tagen: Der Patient muss womöglich beatmet werden. Die bisherige Erfahrung zeigt, dass Senioren und Personen mit chronischen Herz- und Lungenerkrankungen, mit Diabetes oder allgemeiner Körperabwehrschwäche mehr gefährdet sind, diese schweren Verläufe zu entwickeln.
Was passiert? Aufgrund der Entzündung lagern sich sowohl Entzündungszellen ein, die die Viren aufnehmen, als auch Flüssigkeit, die den Gasaustausch zwischen Lungenbläschen und Blutgefäßen behindert: Der Körper kann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Patienten mit einem derartig schweren Covid-19-Verlauf leiden dann unter schwerer Luftnot. Eine intensivmedizinische Betreuung ist notwendig und manchmal auch eine Beatmung.

Lunge

Die Abwehr stärken

Vor allem sollten Senioren ihr Abwehrsystem auf Vordermann bringen. "Lassen Sie sich, wenn möglich, impfen!", mahnt Kardos. Für den Lungenexperten die erste Pflichtübung zum Winteranfang. Die alljährliche Grippeimpfung können alle ab 60 beim Hausarzt vornehmen lassen, chronisch Kranke übrigens auch vorher.  Die Spritze wappnet einen besser gegen Grippeviren, die gerade Ältere häufig schnell schachmatt setzen. Denn wenn die Bronchien erst mal entzündet sind, haben Bakterien ein leichteres Spiel – eine Lungenentzündung kann die Folge sein.

Eine Pneumokokken-Impfung schützt nicht vor Covid-19. Doch ähnlich wie bei der Grippe können sich im Rahmen einer coronabedingten Lungenerkrankung Pneumokokken in der Lunge vermehren und eine Lungenentzündung verursachen.  Eine entsprechende Impfung kann das verhindern.   
Angesichts der derzeit beschränkten Impfstoffmenge sollten zur Zeit jedoch nur jene Personen geimpft werden, die ein besonders hohes Risiko für Pneumokokken-Erkrankungen haben. Deshalb rät die STIKO allen Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen, Menschen mit eingeschränktem Immunsystem sowie Menschen ab 70 zur Pneumokokken-Impfung.  
Unabhängig von der aktuellen Pandemie kann eine Pneumokokken-Impfung jederzeit, also un­abhängig von der Jahreszeit, erfolgen. "Die Wiederholung der Impfung nach sechs Jahren sollte erwogen werden", betont Lungenfachmann Kardos. "Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt dazu beraten." Eine Impfung gegen Coronaviren ist derzeit noch nicht möglich.

Sport treiben

Und noch eine andere Abwehrstrategie sollten Ältere nicht unterschätzen: Wer sich körperlich betätigt, steigert nicht nur seine Immunkraft. Er atmet schneller und tiefer, "was die Lunge wiederum besser belüftet", ermuntert Kardos. Also immer raus ins Freie, viel spazieren gehen und Sport treiben! In Zeiten von Corona natürlich nur alleine oder nur mit Menschen aus dem eigenen Haushalt.  

Nicht umsonst ist die Gefahr einer Pneumonie bei bettlägerigen Menschen größer. Im Liegen atmet man flacher. Die tieferen Bereiche der Lunge werden weniger belüftet, Schleim sammelt sich an – ein idealer Nährboden für Keime. Deshalb müssen bettlägerige Menschen unbedingt richtig gelagert werden; sie sollten außerdem regelmäßig eine Atemgymnastik ausüben.

Atemwege frei räumen

Wer bereits erkältet ist, sollte alles tun, um die Atemwege wieder frei zu bekommen. Hustenlöser und Inhalationen können dabei helfen. "Halten Sie die Schleimhäute feucht, damit sich Erreger nicht festsetzen", erklärt Apothekerin Annika Schulze aus Goslar.  In hartnäckigen Fällen empfiehlt die Apothekerin Inhalationen mit Kochsalzlösung. "Das klappt mit einem Vernebler, den man sich in der Apotheke ausleihen kann. Er befeuchtet die Atemwege und löst gut den Schleim."

Befreien Sie gegebenenfalls Ihre verstopfte Nase für einige Tage mit abschwellenden Sprays, damit Sie nicht ausschließlich durch den Mund atmen. Über diesen Weg fließt im Winter kalte, ansonsten ungefilterte, trockene Luft in die Lungen. Die Nasenschleimhaut dagegen mit ihren Flimmerhärchen erwärmt, befeuchtet und reinigt die Luft und bewahrt so vor Infektionen. "Die Nasenatmung hat eine besondere Schutzfunktion", bestätigt Sabine Weise, Physio- und Atemtherapeutin aus München.

Mit ihren Übungen (s. Bildergalerie) lässt sich dieser Atemweg besonders pflegen. Sie stärken zudem die Atemmuskulatur, damit auch die unteren Bronchien mit genug Luft versorgt werden.


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