{{suggest}}


Corona: Impfaufklärung bei Demenzkranken

Es muss schnell gehen, wenn der lange ersehnte Impfstoff im Impfzentrum vor Ort eintrifft. Doch Aufklärung vor einer Impfung ist in jedem Fall wichtig. Was Angehörige von Demenzkranken oder Pflegebedürftigen, die selbst keine Entscheidung treffen können, wissen sollten

von Christine Leitner, 23.02.2021

Ende letzten Jahres begannen deutsche Pflege- und Seniorenheime mit den ersten Vorbereitungen für die Corona-Impfung. So auch eine Einrichtung im niederrheinischen Kleve. "In dieser kurzen Zeit mussten wir rund 100 Bewohner fragen, ob sie mit der Impfung einverstanden sind", berichtet Seniorenheimleiterin Jutta Manz. Viele seien allerdings mit der Entscheidung und dem Ausfüllen der Formulare überfordert gewesen. "Eine besondere Aufgabe war zudem die Impfung unserer dementen Bewohner", sagt Manz.

Weil vor Impfbeginn eine schriftliche Einverständniserklärung nötig ist, habe man schließlich die Angehörigen oder den Betreuer um Hilfe gebeten. Doch sie dürfen Ihren pflegebedürftigen Familienmitgliedern die Entscheidung nicht abnehmen. Laut Bundesgesundheitsministerium leben 1,6 Millionen Personen mit Demenz in Deutschland. Sie müssen bei der Entscheidung unterstützt werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten für Angehörige:

Darf ich für meinen Angehörigen mit Demenz entscheiden?
Die Entscheidung für oder gegen die Corona-Impfung kann rein rechtlich nur der Patient selbst treffen. Angehörigen ist es verboten, ihm die Entscheidung abzunehmen. Anders sieht es aus, wenn ein rechtlicher Betreuer vorhanden ist oder eine Vorsorgevollmacht vorliegt. Dann gelten die in der Patientenverfügung stehenden Aussagen zur Impfung. Rechtliche Betreuer können nach einer entsprechenden Aufklärung zum Wohle des Patienten für oder gegen eine Corona-Impfung entscheiden.

Wie kann ich meinen demenzkranken Angehörigen darin unterstützen, eine Entscheidung für oder gegen die Impfung zu treffen?
Patienten im frühen Stadium der Demenz sind oft noch in der Lage, medizinische Angelegenheiten für sich zu entscheiden. Als Angehöriger können Sie ihn dabei unterstützen: Erklären Sie in ruhigen Worten, worum es bei der Impfung geht. Besorgen Sie die Informationen in "leichter Sprache", die das Robert Koch-Institut zusammengestellt hat (siehe unten). Setzen Sie ihn aber bitte nicht unter Druck.

Mein Angehöriger kann seinen Willen nicht selbst äußern. Was dann?
"Dann gilt der mutmaßliche Wille", erklärt Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Deutscher Patientenschutz. Angehörige oder der gesetzliche Betreuer müssen dann überlegen, wie der Patient in gesundem Zustand entschieden hätte. Brysch rät dafür einen Blick in die Patientenverfügung zu werfen. Auch auf frühere Äußerungen des pflegebedürftigen Angehörigen könne man sich beziehen: Stand der Patient zum Beispiel Impfungen positiv gegenüber?

Wie kann ich mich vorbereiten?
Ulf Zitterbart, Vorsitzender des Thüringer Hausärzteverbands, rät Angehörigen und Betreuern sich auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts über die Schutzimpfung zu informieren. Dort findet man das Aufklärungsblatt auch in leichter Sprache – und zwar zu allen Impfstoffen, die derzeit in Deutschland zugelassen sind. Ist man unsicher, hat man noch Fragen "können sich Angehörige, wenn genug Zeit ist, vor dem Impftermin an den Hausarzt des Bewohners oder den Arzt, der die Impfung durchführt, wenden", rät Seniorenheimleiterin Manz. Dies sei natürlich auch am Impftag selbst noch sinnvoll.

Warum ist das Impfgespräch so wichtig?
Patienten und deren Angehörige sollten über mögliche Nebenwirkungen, die auftreten können, Bescheid wissen. Dazu zählen etwa Schmerzen an der Einstichstelle, vorübergehend Fieber, Kopfweh, Müdigkeit.

Gibt es Gründe, die gegen die Corona-Impfung sprechen?
Es sprechen nur sehr wenige Gründe gegen eine Corona-Impfung. Eine akute Krankheit mit hohem Fieber zählt etwa dazu. "Aber auch, wenn Patienten am Impftag selbst sagen, dass sie keine Nadel im Arm haben wollen, impfen wir nicht", betont Hausarzt Ulf Zitterbart. Und bei Vorerkrankungen? Menschen, die auf Inhaltsstoffe des Covid19-Impfstoffs allergisch sind sowie Patienten mit schwereren Vorerkrankungen wird grundsätzlich von einer Impfung abgeraten. Sollten sie dennoch geimpft werden, sollten sie nach dem Pieks noch 30 Minuten lang beobachtet werden, also im Impfzentrum bleiben.


Newsletter abonnieren

Newsletter Senioren Ratgeber

Senioren Ratgeber - Newsletter