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Corona-Impfung: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Die Impfungen gegen das Corona-Virus haben in Deutschland begonnen. Ältere Menschen haben bei der Schutzmaßnahme gegen das Virus Vorrang. Was Sie dazu wissen sollten.

von Christian Wolf und dpa, aktualisiert am 29.03.2021

Wer wird wann geimpft?

Bislang stehen Impfstoffe nur eingeschränkt zur Verfügung. Deshalb werden zunächst nur bestimmte Bevölkerungsgruppen geimpft. Zu ihnen gehören Menschen, die ein besonders hohes Risiko für schwere oder tödliche Verläufe einer COVID-19-Erkrankung haben. Die Reihenfolge der Impfungen ist in einer Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums festgelegt.

Gruppe 1 bis Ende März:

Nach der Impf-Verordnung haben über 80-Jährige die höchste Priorität und werden zuerst geimpft. Das Gleiche gilt für Menschen in Pflegeheimen und Ärzte und Pflegekräfte. Die Impfungen haben bereits begonnen.

Gruppe 2 ab April:

  • An zweiter Stelle sind dann die über 70-jährigen dran, aber auch Menschen mit bestimmten Erkrankungen. Dazu gehören:
  • Demenz
  • Geistige Behinderung
  • Trisomie 21
  • Schwere psychiatrische Erkrankung (bipolare Störung, Schizophrenie, schwere Depression)
  • Nach Organtransplantationen
  • Krebs ohne gestopptes Tumorwachstum
  • Schwere chronische Lungenerkrankung (z.B. COPD)
  • Chronische Leber- oder Nierenerkrankung (z.B. Leberzirrhose)
  • Diabetes mit hohen Blutzuckerwerten
  • Fettleibigkeit mit Body-Mass-Index über 40

Die Liste ist nicht vollständig: Menschen, denen Ärzte aufgrund besonderer Umstände ein hohes Risiko bescheinigen, können ebenfalls in die Gruppe fallen. Außerdem werden bis zu zwei enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen zu Hause und Betreuer geistig Behinderter geimpft. Die Personen werden vom Betroffenen oder dem rechtlichen Vertreter bestimmt. Für die Gruppe 2 gilt: Wer unter 65 ist, soll vorrangig den AstraZeneca-Impfstoff erhalten.

Gruppe 3:

In diese Gruppe fallen Menschen über 60 und Menschen mit bestimmten Erkrankungen. Dazu zählen:

  • Krebserkrankung, in Remission
  • HIV-Infektion, Autoimmunerkrankungen, Rheuma
  • Herzprobleme (z.B. Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern, koronare Herzkrankheit)
  • Schlaganfall
  • Asthma
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankung
  • Diabetes mit etwas besseren Werten
  • Fettleibigkeit mit Body-Mass-Index über 30

Außerdem dürfen zwei enge Kontaktpersonen von Menschen in dieser Gruppe geimpft werden. Wer das ist, entscheidet der Betroffene oder sein Stellvertreter.

Warum sollte man sich impfen lassen?

Eine Impfung gegen COVID-19 ist grundsätzlich freiwillig. Es gibt keine Impfpflicht. Experten raten aber zu einer Impfung. Denn sie trägt nicht nur zum eigenen Schutz vor schweren Erkrankungsverläufen bei. Sie hilft auch, die Pandemie einzudämmen. Und sie ermöglicht, die Kontaktbeschränkungen mittelfristig zu lockern. Dafür muss allerdings ein Großteil der Bevölkerung eine Immunität gegen das Virus entwickelt haben – also entweder die Infektion bereits überstanden haben oder geimpft sein.

Wie sicher ist die Impfung?

Um das Immunsystem gegen das Coronavirus scharf zu machen, nutzt der derzeit verwendete Impfstoff eine neuartige Technologie. Bislang gibt es keine Hinweise auf gesundheitliche Risiken. Wegen der beschleunigten Zulassung sind die Erfahrungen aber noch zeitlich begrenzt. Die meisten Experten gehen jedoch davon aus, dass auch langfristig keine Gesundheitsprobleme ausgelöst werden.

Wann sind pflegende Angehörige an der Reihe?

Wird jemand aus der Risikogruppe 2 oder 3 zuhause gepflegt, können zwei enge Kontakpersonen geimpft werden - also etwa pflegende Angehörige.

Wo wird geimpft?

Verabreicht wird der COVID-19-Impfstoff vor allem in Impfzentren, die von den Bundesländern eingerichtet werden. Darüber hinaus gibt es mobile Impfteams, die etwa stationäre Pflegeeinrichtungen besuchen. Ab Mitte April können auch Hausärztinnen und Hausärzte impfen. Dazu nehmen Sie mit ihren Patientinnen und Patienten Kontakt auf. Auch sie halten sich an die Impf-Reihenfolge, die das Bundesgesundheitsministerium festgelegt hat.

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Ab April soll auch in Hausarztpraxen geimpft werden können. Und was passiert mit der Impfreihenfolge? Das beantwortet ein Hausarzt.

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Wie komme ich zum Impfzentrum, wenn ich nicht mobil bin?

Gesetzlich krankenversichterte Personen mit eingeschränkter Mobilität, insbesondere für Personen die laut ihrem Schwerbehindertenausweis eine außergewöhnliche Gehbehinderung haben (Kürzel aG), blind (Bl) oder hilflos (H) sind, können die Fahrt zum Impfzentrum erstattet bekommen. Das gilt auch für Personen, die Pflegegrad 4 oder 5 haben. Bei Pflegegrad 3 muss laut GKV-Spitzenverband zugleich die Mobilität dauerhaft beeinträchtigt sein.

Das gilt aber nur, wenn es vor Ort keine mobilen Impfteams, Impfbusse oder ähnliche lokale Impfangebote gibt. Der Verband betont jedoch: Die zuständige Krankenkasse entscheidet im Einzelfall, ob die Kosten erstattet werden. Sie ist dazu nicht verpflichtet. Wer die Fahrtkosten nicht von der Kasse erstattet bekommt, sollte prüfen, ob die zuständigen Landesbehörden Transportmöglichkeiten bereitstellen. In manchen Städten können Ältere oder mobil eingeschränkte Personen sich zum Beispiel gratis mit dem Taxi zum Impfzentrum und zurück fahren lassen.

Ich bin bettlägrig und kann das Haus nicht verlassen. Wie ist es mit der Impfung?

Menschen, die nicht mobil sind und zu Hause leben, "können vermutlich erst dann geimpft werden, wenn es einen einfach zu handhabenden Impfstoff gibt." Das sagt der Hamburger HNO-Arzt Dirk Heinrich, der derzeit Teil eines mobilen Impfteams ist. "Der bisher in Deutschland zugelassene und verwendete Impfstoff von BioNTech und Pfizer muss stark gekühlt werden", erklärt Heinrich. "Und es sind fünf Dosen in einem Fläschchen, die nach der Öffnung schnell verbraucht werden müssen. Daher sind sie nicht für Einzelimpfungen zu Hause geeignet." Hoffnung auf eine Impfung zu Hause durch einen Hausarzt macht aber der Impfstoff des Herstellers Moderna, der von der Europäischen Kommission am 6. Januar 2021 zugelassen wurde. Diesen kann man auch in einem normalen Kühlschrank lagern.  

Wie bekomme ich einen Impftermin?

Die Organisation der Impfung und die Vergabe der Impftermine liegt in den Händen der Bundesländer. Die entsprechenden Regelungen in Ihrem Bundesland finden Sie hier: https://www.116117.de/de/corona-impfung.php. In vielen Fällen laden die Bundesländer schriftlich diejenigen ein, die beim Impfen an der Reihe sind.

Reicht eine Impfung aus?

Nein. Damit man vor einer Ansteckung geschützt ist, muss man zwei Mal geimpft werden. Je nach Impfstoff sollte die zweite Impfung drei bis neun Wochen nach der ersten erfolgen. Der Impfstoff wird in den Muskel am Oberarm verabreicht. Einzig der Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson muss nur einmalig verimpft werden. Allerdings ist er der EU erst seit kurzem zugelassen und noch nicht vorrätig (Stand 29.03.21).

Was ist mit Patienten, die eine Chemotherapie gegen Krebs bekommen?

"Sie sollten vor der Impfung mit ihrem behandelnden Azt sprechen", empfiehlt Dirk Heinrich. "Unserer Erfahrung nach raten die meisten Onkologen zu einer Impfung. Denn die Impfung richtet sich ja auch gerade an Menschen, die in einer gesundheitlich schwierigen Situation sind. Eine zusätzliche Infektion mit Corona ist gerade für diese Menschen besonders gefährlich."

Wenn jedoch die Abwehrkräfte durch eine hochdosierte Chemotherapie geschwächt sind, kann womöglich nicht geimpft werden. Darauf weist eine Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums hin. In solchen Fällen könne es sinnvoll sein, das Ansteckungsrisiko zu verringern, indem sich nahe Angehörige und Personen aus dem gleichen Haushalt impfen lassen.

Ist ein bestimmter Tageszeitpunkt für die Impfung sinnvoll? Und muss man nüchtern sein?

"Zur Impfung muss man nicht nüchtern kommen und auch der Tageszeitpunkt ist egal", sagt Dirk Heinrich. "Wichtig ist: Man sollte jeweils zwei Wochen davor und danach keine andere Impfung erhalten. Menschen, die schon einmal schwer auf eine Impfung reagiert haben oder eine Allergie mit einem anaphylaktischen Schock (eine sehr schwere Allergie-Reaktion bis hin zum Kreislaufversagen, Anmerk. d. Red.) hatten, würden wir im Moment auch nicht impfen."

Was muss man zur Impfung mitbringen?

Den Personalausweis (für den Altersnachweis), die Terminvereinbarung und den Impfpass. Wenn man keinen Impfpass hat, wird eine Ersatzbestätigung im Impfzentrum ausgestellt. Daneben sollte man seinen Medikationsplan mitbringen und auch wissen, welche Krankheiten und Allergien man hat. Die Krankenkassenkarte ist nicht erforderlich.

Achtung! Betrugsmasche
Aus mehreren Bundesländern berichtet die Polizei von Fällen, in denen Betroffene meist aus Callcentern angerufen wurden. Die Trickbetrüger geben sich als Mitarbeiter von Arztpraxen, Krankenkassen oder Pharmafirmen aus und bieten Impfstoff gegen Geld an. Besonders im Visier haben die Betrüger ältere Menschen. Wichtig zu wissen: Man muss für die Corona-Impfung nichts bezahlen! Wer einen dubiosen Anruf erhält: ohne Erklärung auflegen und die Polizei verständigen.

Warum werden Ältere jetzt doch mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft?

Erst hieß es, Menschen über 64 Jahren sollen nicht mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft werden. Der Grund: In dieser Altersgruppe wurde nicht genug geforscht, um sicher sagen zu können, dass der Impfstoff bei Seniorinnen und Senioren genauso wirksam ist wie bei Jüngeren. Seit Donnerstag, 4. März 2021, gibt es Neuigkeiten: Das Robert Koch-Institut verkündete, dass zukünftig auch Menschen ab 65 Jahren den Impfstoff erhalten sollen. Denn in Großbritannien wird der Stoff von Astrazeneca schon seit einigen Monaten benutzt und schützt auch Menschen über 65 gut vor ernsten Covid-19-Erkrankungen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Wenn man nach der Impfung Beschwerden hat, an wen soll man sich wenden?

Am häufigsten treten als Nebenwirkungen leichte bis mittelstarke Schmerzen an der Einstichstelle, Erschöpfung sowie Kopfschmerzen auf, die normalerweise innerhalb von wenigen Tagen verschwinden. Hat man nach der Impfung stärkere Beschwerden, sollte man sich an seinen Hausarzt wenden.

Wenn ich geimpft bin: Wann darf ich mich wieder mit Freunden treffen?

"Bei dem Impfstoff von BioNTech und Pfizer sind zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen erforderlich", sagt Dirk Heinrich. Ab einer Woche nach der zweiten Impfung sei man nach den derzeitigen Daten vor einer Covid-19-Erkrankung geschützt. Aber man wisse momentan nicht, ob man trotz einer Impfung andere Menschen anstecken kann. "Deshalb hat die Impfung letztlich keinen Einfluss auf die Frage, ob man sich mit Freunden treffen kann." Es gelten nach wie vor die bekannten Regeln: Abstand halten, Händewaschen, Mund-Nasen-Schutz tragen und Lüften.


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