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Corona: Schnelltests für Pflegeheime

Um Infektionen in Pflegeheimen zu verhindern, bezahlen Krankenkassen seit 15. Oktober Corona-Schnelltests.

von Christian Wolf, 15.10.2020

Monatlich bis zu 50 Tests pro Bewohner: Damit Pflegeheime ihre Bewohner noch besser vor Covid-19 schützen können, kann nun jedes Heim mithilfe von Antigen-Schnelltests sämtliche Besucher, das Personal und Bewohner regelmäßig auf das Virus testen. Das sieht die Testverordnung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn vor, die seit 15. Oktober gilt.

Bis zu 50 Tests pro Monat stehen rechnerisch pro Bewohner zur Verfügung. "Eine Einrichtung mit 80 Bewohnern kann so beispielsweise 4.000 Tests im Monat nutzen, um aktuell und schnell zu testen", so das Bundesgesundheitsministerium. Bezahlt werden sollen die Schnelltests über den Gesundheitsfonds, aus dem gesetzliche Krankenkassen ihre Mittel erhalten.

Corona-Schnelltest: Ein Abstrich aus dem Nasenrachenraum

Schnelltests vor Ort sollen verhindern, dass eine Ansteckung von Bewohnern durch Besucher oder Mitarbeiter erfolgt – denn für sie ist das Risiko von schwerwiegenden Folgen einer Infektion am größten. Der Test basiert auf dem Nachweis von SARS-CoV-2-Eiweißen. Dazu wird ein Abstrich im Nasenrachenraum vorgenommen. Die einfachere Auswertung erlaubt es, eine Diagnose auch in einer Pflegeeinrichtung ohne Diagnostiklabor zu stellen.

Die Schnelltests sind allerdings weniger verlässlich als die herkömmlichen Corona-Tests. Damit ein Antigen-Test etwa ein positives Ergebnis anzeigt, ist im Vergleich zur PCR-Testung eine größere Virusmenge notwendig. Ein negatives Antigen-Testergebnis heißt daher nicht zwingend, dass die zu testende Person auch wirklich gesund ist. Testet man 100.000 Menschen, werden von den statistisch 50 Infizierten zwei übersehen.

Die Corona-Fallzahlen steigen stark an. Somit bleibt es weiterhin wichtig, sich und andere zu schützen. Kennen Sie die AHA-Regel? Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen. Experten raten jetzt im Herbst und Winter auch zu regelmäßigem Lüften von Innenräumen sowie zum Nutzen der Corona-Warn-App.

Trotz der geringeren Zuverlässigkeit hält Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt solche Schnelltests in bestimmten Situationen für sinnvoll. "Zum Beispiel bei Menschen ohne Symptome, die einen Besuch im Altenheim planen", sagte sie dem Science Media Center Germany.

Vertreter der Pflegebranche sehen die Schnelltests positiv. "Wenn es jetzt wirklich ab Mitte Oktober diese Schnelltests gibt, dann ist das für unsere Branche zu begrüßen", sagt Helmut Wallrafen. Er ist Geschäftsführer der Sozial-Holding Mönchengladbach, der die kommunalen Pflegeheime angehören, und NRW-Landesvorsitzender des Verbandes der kommunalen Senioren- und Behinderteneinrichtungen.

An den Abläufen bei Besuchen werde sich in seinen Heimen aber nichts ändern. "Besucher müssen weiterhin Schutzkleidung tragen und ihre Körpertemperatur überprüfen lassen." Schnelltests machten Besuche aber etwas sicherer, so Wallrafen. Wenn bei einem Besucher ein Schnelltest positiv ausfällt, hat er Zugangsverbot zum Heim. "Und wir raten ihm dringend, einen herkömmlichen Corona-Test bei seinem Hausarzt zu machen."

 

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Trotz Corona-Schnelltests die Hygiene-Regeln einhalten

Dass nun Angehörige mit der vermeintlichen "Sicherheit" dieses Tests wieder häufiger zu Besuch kommen und womöglich beim Thema Masken, Hygiene und Abstand halten nachlässiger werden, glaubt Wallrafen nicht. "Wenn man die Schnelltests richtig versteht, bieten sie nur für den Moment eine Sicherheit." Falle bei einem Besucher an einem Tag der Test negativ aus, heiße das ja schließlich nicht, dass der Test auch am nächsten Tag negativ ausfalle. "Wenn ein Besucher mehrmals hintereinander kommen möchte, müsste er eigentlich an jedem Besuchstag einen Test machen. Ansonsten macht das keinen Sinn." Und wenn der Test negativ ausfällt und der Besucher ins Pflegeheim darf, muss er sich auch weiterhin an die Hygienemaßnahmen halten.

Auch der Deutsche Pflegeverband begrüßt die Schnelltests. "Das bringt ein Stück weit Qualitätssicherung in die stationäre Pflege ein", so dessen Vorsitzende Martina Röder, zugleich Heimleiterin in der Neanderklinik Harzwald. "Zwar werden auch nach Einführung der Tests die strengen Hygienemaßnahmen bleiben, wir hätten aber durch sie ein Stück weit mehr Mobilität und könnten mehr Angebote für die Senioren zulassen." Röder denkt etwa an die Teilnahme an Konzertangeboten, Veranstaltungen, jahreszeitlichen Festen und Ausflügen mit den Familien.

Natürlich bedeuten mehr Tests einen personellen Aufwand. Aber den Mehraufwand habe man schon seit Beginn der Corona-Krise, so Martina Röder. "Und ich betreibe als Heimträger lieber mehr Aufwand, wenn ich dafür im Gegenzug mehr Sicherheit bekomme, dass unsere Bewohner und unsere Mitarbeiter nicht durch Besuche von außen gefährdet werden." Die Sicherheit soll auch dadurch gewährleistet werden, dass die Schnelltests nur von geschultem, medizinischem Personal durchgeführt werden, so das Bundesgesundheitsministerium. Das fällt in die Verantwortung der Pflegeheime.

Das bestätigt auch Helmut Wallrafen: "Der Schnelltest darf nur von Fachpersonal – in unseren Heimen sogar nur von der Pflegedienstleitung – durchgeführt werden. Ob das aber auch andere Heimträger machen, kann ich nicht sagen." 

Der Bundesverband der kommunalen Senioren- und Behinderteneinrichtungen ist insgesamt optimistisch: "Dass zusätzliche Testmöglichkeiten zu Problemen in den Einrichtungen etwa im Rahmen des Besuchermanagements führen könnten, können wir im Moment nicht erkennen."


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