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Corona und Krebs: Was Sie beachten sollten

Die Diagnose Krebs macht Angst, und das gilt in den Zeiten von Corona ganz besonders. Betroffene Patienten und Angehörige stellen sich viele Fragen. Hier finden Sie Antworten.

von Raphaela Birkelbach, aktualisiert am 22.07.2020

Sind krebskranke Patienten in Zeiten der Corona-Krise besonders gefährdet?

Derzeit gehen Experten davon aus, dass Menschen mit einem geschwächten Immunsystem schneller und womöglich auch schwerer an Covid-19 erkranken als Gesunde. Deshalb zählen Krebspatienten derzeit vor allem dann zur Risikogruppe­, wenn ihre Abwehr durch den Tumor an sich oder die Therapie geschwächt ist.

Ein Krebskranker gilt als besonders gefährdet, wenn weitere Risikofaktoren hinzukommen. Dazu zählt etwa, wenn der Betreffende über 60 Jahre alt ist, Raucher ist oder unter anderen Grunderkrankungen wie dem chronischen Lungenleiden COPD leidet. Fest steht aber auch: Pauschal lässt sich die Frage nach dem Risiko nicht beantworten. Je nach Patient, Krebsart, Verlauf der Krankheit und Therapie muss man das im Einzelfall abwägen. 

Wer beispielsweise von ärztlicher Seite aus als vom Krebs geheilt gilt, ist vergleichbar gefährdet für eine Corona-Infektion wie ein gesunder Mensch. Einem größeren Risiko ist ein Patient ausgesetzt, der aktuell eine Krebstherapie macht oder diese erst vor Kurzem abgeschlossen hat. Jeder Betroffene sollte seinen behandelnden Arzt fragen, ob er ein erhöhtes Risiko trägt, welche Vorsichtsmaßnahmen er persönlich einhalten sollte und ob und wie mögliche Therapien weitergehen.

Ist es sinnvoll, anstehende Krebstherapien zu verschieben?

Mit den zunehmenden Lockerungen der Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen ist auch wieder Normalität in die ärztliche Versorgung zurückgekehrt. Gerade bei Krebserkrankungen mit einer hohen Heilungsrate ist es in der Regel ratsam, eine Strahlenbehandlung, Chemo- oder andere Therapie zum vereinbarten Termin durchzuführen. Oftmals ist zeitnahes Handeln erforderlich, um die Heilungschancen zu erhöhen. Ein Verschieben der Termine kann dann lebensbedrohlich sein.

Manchmal aber ist die akute Bedrohung durch den Tumor nicht so groß. Dann kann es im Einzelfall sinnvoll sein, die Therapie zu verschieben. Das bespricht der Arzt mit seinem Patienten.

Müssen sich auch Patienten mit einem gutartigen Tumor Sorgen machen?

Zunächst ist es wichtig zu klären, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist. Je nach Diagnose wird der Erkrankte dann gegebenenfalls sofort behandelt. Steht sicher fest, dass der Tumor gutartig ist, und hat der Patient keine Beschwerden, lässt sich die Behandlung vielleicht hinauszögern. Das entscheidet der Arzt stets individuell gemeinsam mit dem Erkrankten. Der Patient sollte zeitnah behandelt werden, etwa durch eine Operation, wenn der Tumor Beschwerden bereitet.

Welche Schutzmaßnahmen soll der Krebskranke beachten?

Es gelten generell die Regeln, die Experten vom Robert-Koch-Institut für alle deutschen Bundesbürger aufstellen. Dazu zählen vor allem die gründliche Händehygiene, das Einhalten eines Mindestabstands von eineinhalb bis zwei Metern zu anderen Personen und das Einschränken persönlicher Kontakte.

Achtgeben müssen besonders Krebskranke, die aktuell durch den Tumor oder die Therapie unter einer schwachen Körperabwehr leiden. Sie sollten sich mit ihrem Arzt besprechen, was zu tun ist. Ärzte empfehlen den Patienten in solchen Fällen oft, sich freiwillig in Quarantäne zu begeben und Kontakt zu anderen Menschen zu meiden. Auch die Angehörigen sollten dem Kranken mit besonderer Vorsicht begegnen (siehe nächste Frage) und sind dann umso mehr dazu angehalten, die Hygieneregeln im Haushalt strikt einzuhalten.

 

https://klartext-corona.podigee.io/44-warum-naturheilmittel-nicht-gegen-corona-helfen/embed?context=external

Wie können Angehörige den Krebskranken unterstützen?

Sie helfen dem Patienten bereits sehr, wenn sie sich selbst an die von den Experten empfohlenen Hygieneregeln halten. Je nach Schweregrad des Krebsleidens (vor allem bei einem abgeschwächten Immunsystem) kann es ratsam sein, dem Erkrankten nur mit Mundschutz zu begegnen ­– mit ausreichendem Abstand und nur dann, wenn es zwingend erforderlich ist. Statt den Patienten zu besuchen, können sie öfter anrufen und nach seinem Wohlergehen fragen.

Ebenso sinnvoll: für den Kranken Einkäufe oder andere Arbeiten erledigen. Bieten Sie Fahrten zum Arzt, in die Krebsambulanz oder in die Klinik an – aber nur unter Beachtung der Schutzmaßnahmen.

Sollen Anschluss-Heilbehandlungen oder Reha-Maßnahmen besser verschoben werden?

Während der ersten Monate der Covid-19-Pandemie hatten viele Reha-Kliniken einen Aufnahmestopp. Die meisten nehmen inzwischen wieder neue Patienten auf. In einigen Regionen gelten aber weiterhin behördliche Aufnahmebeschränkungen.

Sprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt – ebenso mit Ihrer zuständigen Krankenkasse oder Rentenversicherung. Eine Anschluss- Heilbehandlung muss in der Regel zeitnah nach der Akutbehandlung erfolgen. Fragen Sie Ihren Arzt, ob das in der derzeitigen Situation sinnvoll ist. Nehmen Sie Kontakt mit Ihrer Krankenkasse oder Rentenversicherung auf, was diese in der Corona-Krise rät.

Sind Impfungen gegen Grippe und Lungenentzündung sinnvoll?

Das sollten Patienten mit ihrem Arzt besprechen. Bei einer Immunschwäche infolge der Tumorerkrankung oder anderer Risikofaktoren sind die Impfungen in der Regel zu empfehlen.

Kann es passieren, dass Krebspatienten während der Corona-Krise nur unzureichend behandelt werden?

Um dies zu prüfen, wurde eine spezielle Arbeitsgruppe (Taskforce) durch das Deutsche Krebsforschungszentrum (dkfz), die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Krebsgesellschaft gegründet. Sie und andere Einrichtungen führen regelmäßig Befragungen in deutschen Krebszentren durch, um die Versorgungssituation zu erfassen. Derzeit sind die Corona-bedingten Infektionszahlen relativ niedrig, und die Kliniken sind wieder zum Regelbetrieb zurückgekehrt. Der Rat an Patienten: Bitte scheuen Sie sich nicht, bei unklaren Symptomen zum Arzt zu gehen oder eine verschobene Therapie jetzt anzugehen. Der Nutzen einer wissenschaftlich fundierten Krebstherapie überwiegt das Risiko einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus.

Weitere Informationen bekommen Sie auch beim Krebsinformationsdienst.

Fachliche Beratung: Prof. Dr. Olaf Ortmann, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft


Darauf kommt es an, wenn Sie sich die Hände desinfizieren:


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