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Coronavirus: Frag Dr. Leischker

Unser Experte Dr. Andreas Leischker beantwortet täglich Leserfragen. Er ist Geriater und Infektiologe, kennt die Situation in der häuslichen Pflege und weiß um die besonderen Nöte und Risiken während der Corona-Krise.

von Dr. Andreas Leischker und Kai Klindt , 27.04.2020

Die Corona-Krise sorgt bei vielen älteren Menschen für Verunsicherung: Wie komme ich jetzt an meine Medikamente? Soll ich überhaupt noch zum Arzt gehen – oder stecke ich mich da bloß an? Wie schütze ich meinen pflegebedürftigen Angehörigen am besten? In unserem täglichen Corona-Newsletter beantwortet Infektiologe und Geriater Dr. Andreas Leischker genau solche Fragen. Hier sammeln wir seine Antworten für Sie:

Schützt es mich, wenn ich außer Haus Handschuhe und Mundschutz trage?

Dr. Leischker: "Der normale Mundschutz senkt in erster Linie das Risiko, dass Sie andere Menschen anstecken. Um sich selbst zu schützen, halten Sie bitte immer mindestens zwei Meter Abstand zu anderen Personen – auch wenn es Freunde sind oder Angehörige, die nicht mit Ihnen im selben Haushalt leben. Handschuhe können Sie sich sparen. Wichtig ist es, die Hände regelmäßig – unbedingt auch nach jeder Rückkehr nach Hause – gründlich zu waschen und sich nicht in das Gesicht zu langen. Wenn Sie sich ins Gesicht fassen, gelangen Keime dorthin – egal, ob Sie Handschuhe tragen oder nicht."

Ich bekomme Blutdruckmittel. Sollte ich mich jetzt mit Tabletten bevorraten?

"Nein. Bitte machen Sie sich keine Sorgen: Die Versorgung mit Arzneimitteln ist und bleibt gesichert! Wie in normalen Zeiten auch, sollten Sie natürlich nicht warten, bis die Packung gänzlich aufgebracht ist."

Ich bekomme Tabletten für den Blutdruck. Ist mein Bluthochdruck trotzdem ein Risikofaktor?

"Auch wenn Ihr Bluthochdruck gut behandelt wird, ist Ihr Risiko für einen schweren Verlauf der Corona-Infektion leicht erhöht – wenn auch nicht so stark wie bei einem unbehandelten Bluthochdruck. Grund: Eine Infektion mit dem Corona-Virus belastet das Herz-Kreislauf-System, das bei Ihnen durch den Bluthochdruck ohnehin geschwächt sein kann."

Unterwegs habe ich nicht immer Gelegenheit, mir die Hände zu waschen. Sind Desinfektionstücher eine Alternative?

"Ja. Richtig angewandt, wirken Desinfektionstücher für die Hände genauso effektiv. Bitte benetzen Sie Ihre Hände vollständig und lassen Sie das Mittel mindestens 30 Sekunden einwirken."

Ich habe ein Abo und bekomme täglich die Tageszeitung ins Haus. Kann die Zeitung auch mit Viren befallen sein? Wie schütze ich mich?

"Das Risiko über die Zeitung ist wahrscheinlich gering. Trotzdem: Bitte fassen Sie sich beim Zeitunglesen nicht ins Gesicht, und waschen Sie sich nach dem Lesen gründlich die Hände. Auf keinen Fall sollten Sie die Finger zum Umblättern mit Spucke anfeuchten!"

Mein Mann, Anfang 70, muss wöchentlich zur Chemotherapie. Er hat eine Verordnung, um mit dem Taxi zu fahren. Wie schützt er sich am besten?

"Bitten Sie den Taxifahrer, einen Mundschutz aufzusetzen. Falls er keinen hat, stellen Sie ihm nach Möglichkeit einen Mundschutz zur Verfügung. Auch Sie selbst sollten während der Fahrt einen Mundschutz tragen. Nach der Ankunft sollten Sie sich gleich in der Praxis bzw. Ambulanz gründlich die Hände waschen oder desinfizieren."

Auch der ADAC hat hierzu sieben wichtige Punkte zusammengefasst.

Ich bin Ende 50 und habe ein Schilddrüsenleiden. Gehöre ich damit zur Risikogruppe?

"Gut eingestellt, erhöht Ihre Schilddrüsenerkrankung das Risiko nicht. Allerdings: Allein aufgrund Ihres Alters haben Sie ein erhöhtes Risiko, dass eine Corona-Infektion schwer verläuft. Achten Sie also bitte konsequent auf die empfohlenen Schutzmaßnahmen wie Abstand halten und gründliches Händewaschen."

Ich bekomme zwei Mal in der Woche Lymphdrainage. Kann ich da beruhigt hingehen? Ich bin Risikopatientin

"Bei einer Lypmphdrainage kann Ihre Therapeutin natürlich nicht den empfohlenen Abstand von zwei Metern einhalten. Da die Therapie für Sie offenbar unverzichtbar ist, sollten sowohl die Therapeutin als auch Sie bei der Behandlung – und im Wartezimmer – einen Mundschutz tragen."

Ich, Anfang 70, habe einen Stent und jogge regelmäßig 10 Kilometer. Ist das Laufen gut für die Abwehr?

"Moderate körperliche Aktivität, bei der Sie leicht ins Schwitzen kommen, ist gut für Ihre Abwehr. Nach starken körperlichen Belastungen – etwa hohes Tempo, aber auch Marathonlauf – steigt dagegen die Infektanfälligkeit. Also laufen Sie die 10 Kilometer besser etwas langsamer als sonst!"

Mein Mann und ich pflegen unsere schwerbehinderte Tochter zu Hause. Wir bekommen zurzeit weder Mundschutz noch Desinfektionsmittel. Wir sind beide über 60. Was raten Sie uns?

"Mit Ihrem Problem stehen Sie leider nicht allein: Auch in Pflegeheimen sind Masken mittlerweile sehr knapp. Halten Sie daher gegenüber anderen Personen wenigstens zwei Meter Abstand - das ist ein wirksamer Schutz! Was die Händedesinfektion betrifft: Zum Glück wird das Corona-Virus auch durch gründliches Händewaschen mit Seife für mindestens 30 Sekunden abgetötet. Ein Tipp: Das Risiko, dass Sie wiederum Ihre Tochter infizieren, können Sie minimieren, indem Sie bei der Pflege nicht sprechen und durch die Nase atmen."

Kann man bei diesem Virus wirklich sicher sagen, dass es nicht durch die Luft übertragen wird?

"Spannende Frage! Bislang ist man davon ausgegangen, dass das Corona-Virus hauptsächlich durch Tröpfchen übertragen wird. Doch gibt es Hinweise, dass auch kleinste virushaltige Aerosole, die noch für eine gewisse Zeit in der Luft bleiben, eine größere Rolle für die Ansteckung spielen als bisher gedacht. Allerdings ist unklar, wie relevant das ist. Das Tragen von Masken kann sowohl Tröpfchen als auch Aerosole zurückhalten."

Brauche ich in der Corona-Pandemie Vitaminpräparate?

"Wenn Sie sich abwechslungsreich ernähren, brauchen Sie keine Vitaminpräparate – an dieser Regel ändert Corona nichts. Falls es Ihnen zurzeit schwer fällt, sich gut zu ernähren, oder Sie nicht an die frische Luft kommen, sprechen (oder telefonieren) Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, ob ein Nahrungsergänzungsmittel Sinn macht. Bitte nehmen Sie Vitaminpräparate und andere Supplemente nicht ohne vorherige Beratung ein."
Mehr dazu hier bei der Verbraucherzentrale.

Ich leide unter Depressionen und habe Epilepsie. Worauf sollte ich jetzt besonders achten?

"Bei einer Depression kann es unter anderem zu starker Müdigkeit und Abgeschlagenheit kommen – beide Symptome können aber auch bei einer Corona-Infektion auftreten. Falls Sie sich also schlechter als sonst fühlen, sollten Sie zwei Mal am Tag die Körpertemperatur messen. Bei erhöhter Temperatur rufen Sie bitte Ihren Hausarzt oder eine Corona-Hotline (z.B. 116117) an. Fieber kann auch das Risiko für einen Krampfanfall erhöhen – gegebenenfalls kann Ihr Arzt daher zu einem fiebersenkenden Medikament raten."

Ich habe Morbus Crohn und bekomme Medikamente, die mein Immunsystem herunterfahren. Wie wirkt sich das auf eine Corona-Infektion aus?

"Bei Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, ist die Gefahr groß, dass eine Corona-Infektion schwer verläuft. Sie sollten sich daher konsequent vor einer Ansteckung schützen, also zum Beispiel möglichst alle Kontakte meiden und Einkäufe von anderen erledigen lassen. Bitte sprechen Sie auch mit Ihrem Arzt über das aktuelle Risiko."

Schützen mich Immunstimulanzien vor einer Corona-Infektion?

"Nach allem, was wir zurzeit wissen: Nein. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege oder Hinweise, dass Mittel, die als Immunstimulanzien beworben werden, auf die Ansteckungsgefahr oder den Verlauf einer Corona-Infektion wirken."

Kann ich mir das Corona-Virus mit den Schuhen ins Haus holen?

"Nach allem, was wir wissen, dürfte die Gefahr einer Übertragung durch Schuhwerk gering sein. Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, können Sie Ihre Schuhe beim Betreten der Wohnung mit Desinfektionstüchern abwischen."

Ich bin chronisch krank und merke, wie mich die vielen Vorsichtsmaßnahmen, die ganze Situation innerlich aufwühlen und traurig machen. Wie kann ich dagegen tun?

"Bitte nehmen Sie unbedingt psychologische Hilfe in Anspruch. Eine erste Anlaufstelle ist zum Beispiel das Corona-Telefon des Bundesverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen unter 0800/777 22 44. Die Telefonseelsorge erreichen Sie unter 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222. Bei beiden Angeboten berät man Sie kostenlos und anonym."

Darf ich mit Nachbarn im Aufzug fahren, wenn alle einen Mundschutz tragen?

"Enge Räume begünstigen eine Ansteckung. Ich würde mich in einem Aufzug nicht auf den Mundschutz verlassen. Nehmen Sie also, sofern möglich, die Treppe. Oder warten Sie ab, bis der Aufzug wieder frei ist und Sie ihn alleine benutzen können."

Das viele Händewaschen macht meine Haut rau. Ist Flüssigseife besser für die Haut als feste Seife? Oder sind sie unterschiedlich gut wirksam gegen das Corona-Virus?

"Flüssigseife und feste Seife sind gleichermaßen wirksam zum Schutz vor dem Corona-Virus. Seifen haben aber unterschiedliche Inhaltsstoffe, was ihre hautpflegenden Eigenschaften angeht. Achten Sie also auf ein hautpflegendes Produkt, lassen sich dazu gegebenenfalls in der Apotheke beraten. Und bitte pflegen Sie Ihre Hände nach dem Waschen mit einer rückfettenden Lotion."

Muss ich etwas beachten, wenn ich Kopf- oder Pflücksalat aus dem Supermarkt kaufe?

"Bei Blattsalaten sollten Sie stets die äußeren Blätter verwerfen – das reduziert das Risiko einer Infektion. Waschen Sie den Salat bitte besonders gründlich. Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, verzichen Sie momentan auf Blattsalate. Sicher sind zum Beispiel Gurken: Sie können mit Spülmittel gewaschen und dann geschält werden. So besteht kein Risiko mehr."

Macht es einen Unterschied, ob ich eine selbstgenähte Maske oder einen Einmal-Mundschutz aus Papier verwende?

"Zu dieser Frage gibt es noch keine Studien. Wenn Sie eine selbstgenähte Maske tragen, ist es wichtig, dass diese nach mehrere Stunden Tragen (und wenn sie durchnässt ist: sofort!) in der Waschmaschine gewaschen und anschließend getrocknet wird. Auch Einwegmasken aus Papier müssen nach mehrstündigem Tragen – und bei Durchfeuchtung sofort – gewechselt werden. Bei korrekter Reinigung und Trocknung dürften Stoffmasken aber ähnlich effektiv sein."

Wie sicher ist frisches Gemüse aus der Selbstbedienung? Es könnte doch sein, dass andere Kunden das Gemüse bereits in der Hand hatten?

"Bei frischen Lebensmitteln, die nicht erhitzt werden, besteht grundsätzlich das Risiko, dass das Corona-Virus übertragen wird, wenn ein infizierter Mensch etwa ein Gemüse mit ungewaschenen Händen berührt oder in der Nähe gesprochen oder gespuckt hat. Allerdings: Nach allem, was wir wissen, spielt die Übertragung über Lebensmittel eine untergeordnete Rolle. Gemüse sollten Sie in jedem Fall vor der Verarbeitung gründlich waschen."


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