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Jetzt eine Busreise?

Ob Schlössertour oder vier Tage Ostsee: Aktuell ist wieder Urlaub mit dem Reisebus möglich. Doch wie sicher sind solche Reisen, welche Regeln gelten – und kann ich mich im Bus mit Corona anstecken? 10 Fragen, die Sie sich stellen sollten.

von Petra Haas, 21.07.2020

1. Gehören Sie zu einer Risikogruppe?

Ab dem Alter von circa 50 Jahren scheint das Risiko für schwere Covid-19-Verläufe zu steigen, am höchsten ist es bei über 80-Jährigen. Ob Herzschwäche oder Lungenleiden: Ein Grund kann das Vorliegen mehrerer chronischer Grunderkrankungen sein. Auch Menschen, die nach einer Organtransplantation Immunsuppressiva einnehmen, oder die wegen einer Krebserkrankung eine Chemotherapie bekommen sind stärker gefährdet. Diabetes-Patienten mit schlecht eingestellten Blutzuckerwerten können ebenso ein erhöhtes Risiko haben. "Risikopatienten sollten meines Erachtens noch auf Busreisen verzichten", rät Dr. Andreas Leischker, Altersmediziner und Infektiologe am Alexianer-Krankenhaus Krefeld. Im Zweifel sollte man seinen Arzt fragen.

2. Stellt das Reisebusunternehmen sicher, dass Abstand gewahrt wird?

Der Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern gilt nur noch außerhalb des Reisebusses, sowie beim Zu- und Ausstieg. In Reisebussen gilt diese Regelung nicht mehr. Das bedeutet, dass Veranstalter wieder jeden Sitzplatz belegen können. Infektiologen wie Dr. Andreas Leischker sehen dies kritisch, da direkte Sitznachbarn – auch in den Reihen dahinter und davor – das Ansteckungsrisikos erhöhen. Einige (wenige) Unternehmen bieten Hygienekonzepte, die über die gesetzlich vereinbarten Regelungen hinausgehen. Manche lassen auf Wunsch den Platz im Bus neben Alleinreisenden, sowie die Sitzbank daneben und vor und hinter diesen frei.

3. Gibt es ein Ein- und Ausstiegskonzept?

Die Fahrgäste bekommen feste Sitzplätze zugewiesen und werden vorab informiert, ob sie über die vordere oder hintere Bustür zusteigen. Das Reisegepäck wird nur vom Busfahrer in den Gepäckraum verstaut. Diese Regelung steht und fällt mit der Diszipliniertheit der Gäste – und ob sich die Reiseleitung/der Fahrer genug kümmert.

4. Achtet die Reiseleitung darauf, dass alle Mitreisenden vorschriftsmäßig eine Gesichtsmaske tragen?

Das Tragen ist während der gesamten Fahrt im Bus für alle Reisenden Pflicht. Dies kann dazu beitragen, die Verbreitung des Virus zu bremsen. Inwieweit und ob das Masken-Gebot jedoch von den Reisenden befolgt wird, und was bei Nichtbeachtung folgt, liegt in den Händen der Reiseleitung. Ausnahme: Die Länder Baden-Württemberg und Hamburg verwehren Gästen, die sich nicht an diese Auflage halten, ausdrücklich eine Beförderung.
Gesichtsmasken müssen jedoch stets über Mund und Nase getragen werden, damit sie ihre Schutzwirkung erfüllen. Ist Trinken und Essen während der Fahrt erlaubt, kann/muss dafür die Maske aber abgenommen werden, was das Risiko einer Übertragung erhöht.

 

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5.  Wird der Bus vor dem Einsteigen und nach dem Aussteigen speziell gereinigt?

Um die Gefahr einer möglichen Schmierinfektion zu senken, müssen alle geeigneten Oberflächen, etwa Haltestangen, Griffe, Knöpfe, im Bus vor dem Zu- nach dem Ausstieg gereinigt bzw. desinfiziert werden. Oft macht das der Busfahrer – besser dafür geeignet ist jedoch geschultes Personal. Reisende sollten darauf achten, beim Ein- und Aussteigen so wenige Oberflächen wie möglich anzufassen, sich nicht ins Gesichts zu fassen – und sich nach dem Hinsetzen sowie nach der Fahrt die Hände zu reinigen. Desinfektionsmittel müssen Reisenden bei jedem Ein- und Aussteigen zur Verfügung stehen.

Sie planen eine Busreise? So schützen Sie sich selbst und andere:

  • Zu allen Mitmenschen, so gut es geht, Abstand halten
  • Hände regelmäßig, mehrmals am Tag mit Wasser und Seife reinigen (stets auch vor dem Aufsetzen und nach dem Absetzen der Maske)
  • Wer die Maske etwa zum Trinken abnimmt, bitte nicht einfach auf das Kinn schieben oder an einem Ohr baumeln lassen. So gelangen Keime möglicherweise in den Mund oder verteilen sich auf Händen oder im Gesicht
  • In Geschäften, Restaurants, im Bus Gesichtsmaske tragen. Im Freien auch dann, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Einmalmasken abends entsorgen (Restmüll), wiederverwendbare täglich nach Anleitung waschen.
  • Nies- und Husteetikette beachten: Von anderen wegdrehen. Taschentuch benutzen, zur Not in die Armbeuge niesen oder husten
  • Daheimbleiben, wenn man krank ist

6. Ist Essen und Trinken während der Fahrt erlaubt?

Vorher fragen. Dazu muss die Maske abgelegt werden, was die Infektionsgefahr wiederum erhöht. Sicherer ist es, wenn nur in den Pausen draußen an der frischen Luft getrunken und gegessen werden darf. Wer sich im Bus Lebensmittel kaufen will: Diese dürfen aus Infektionsschutzgründen in Reisebussen in den Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen nur noch fertig verpackt, Getränke nur in Flaschen verkauft werden. Das Personal muss sich vor der Ausgabe die Hände desinfizieren.

7. Wie ist es mit Toilettenpausen?

In Nordrhein-Westfalen bleiben die Bordtoiletten aus Infektionsschutzgründen außer Betrieb. In den anderen Bundesländern ist das abhängig vom Reiseveranstalter und dessen Hygienekonzept. Die Fahrer sind bei geschlossenem WC angehalten, alle zwei Stunden eine Pause an einer Raststätte, einem Rastplatz einzulegen. Doch Stau oder Umfahrungen können immer passieren. Bei Blasenproblemen ist es daher ratsam, eine Vorlage oder Windel für den Notfall zur Hand zu haben. Auf keinen Fall sollte man aus Angst, auf die Toilette zu müssen, weniger trinken.

Corona: Um ein mögliches Ansteckungsrisiko zu reduzieren, haben sich die jeweiligen Landesregierungen mit den Busunternehmern auf Hygiene-Bestimmungen geeinigt. Diese können von Bundesland zu Bundesland variieren (Stand: 21.7.2020). Gute Veranstalter geben bereitwillig Auskunft über ihr Hygienekonzept, sowie zu möglichen Szenarien, falls am Zielort z.B. die Covid-19-Fallzahlen steigen sollten. Erkundigen Sie sich.

8. Stellt der Busfahrer sicher, dass der Bus während der Fahrt gut belüftet wird?

Ob Husten, Sprechen oder Atmen. Die so entstehenden Tröpfchen können sich in Innenräumen anreichern und die Infektionsgefahr erhöhen. Die Lüftung im Bus soll dies verhindern und für ausreichend Frischluftzufuhr von außen sorgen. Die Fahrer in Mecklenburg-Vorpommern sind angehalten, für 100 Prozent Frischluftzufuhr während der Fahrt zu sorgen. Sinnvoll! Das Problem: "Reisende können aber gar nicht prüfen, wie hoch dieser Frischluftanteil ist, liegt er bei 100, bei 70 oder nur bei 30 Prozent", sagt Thomas Wollstein vom VDI, Verein Deutscher Ingenieure e.V.. Mitunter könnten Reisebusfahrer manchmal die Umluft aktivieren – etwa im Stau oder in langen Tunnels, damit Schadstoffe nicht nach innen gelangen. Gängige Filter in Lüftungsanlagen können Staub oder Pollen zurückhalten. Ihre Wirksamkeit gegen Keime hingegen ist unklar. "Bei Umluftbetrieb bleiben Krankheitserreger in der Luft und werden nur gleichmäßig verteilt", warnt Wollstein.

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9. Achtet die Reiseleitung auf Einhaltung wichtiger Regeln unterwegs? 

Besuchen die Reisenden zum Beispiel ein Restaurant, ist es sinnvoll, wenn sie gebeten werden, sich für die Dauer des Urlaubs stets mit den gleichen Mitreisenden an einen Tisch zu setzen.

10. Trifft der Reiseveranstalter spezielle Vorkehrungen für die An- und Abreise?

Einige Reisebusunternehmen haben die Anreisemöglichkeiten im Zuge von Corona erweitert. So ist es mitunter möglich, das Auto für die Dauer des Urlaubs kostenfrei unterzustellen. Manche bezahlen ihren Gästen eine Anreise mit dem Taxi zum Bus oder bieten einen Abholservice von daheim. Gut für alle, die eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln scheuen.

Weitere fachliche Beratung: Clara Janning, RDA Internationaler Bustouristik Verband e.V., Köln


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