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Mit Zuversicht durch die Krise

Die Corona-Pandemie macht vielen Angst. Wie es möglich ist, trotzdem hoffnungsvoll nach vorne zu schauen.

von Jana Hauschild, aktualisiert am 23.04.2020

Die täglichen Nachrichten können Angst machen. Todesfälle, Neuerkrankungen, wirtschaftliche Krisen. Aber auch im eigenen Leben verunsichern Veränderungen durch die Corona-Pandemie: Manch einer vermisst den wöchentlichen Plausch mit der Freundin, den Besuch der Familie, den Spaziergang im Park um die Ecke. Schnell geht da das Gedankenkarussel an: Wo führt das hin? Wie soll das wieder gut werden? Was kommt auf mich zu?

Ein stützender Begleiter in schwierigen Zeiten kann Zuversicht sein, das haben viele Studien gezeigt. Sie ist ein Zeichen für psychische Widerstandskraft. Krisen ertragen sich so leichter, das Wohlbefinden bleibt trotz der Umstände erhalten.

Die Chance in einer Krise

"Zuversicht ist der Glaube daran, dass eine Situation gut ausgehen wird. Zugleich finden zuversichtliche Menschen in herausfordernden Situationen auch oft etwas Sinnhaftes", erklärt die Psychotherapeutin Julia Leithäuser aus Bonn. Das bedeute zum Beispiel in der aktuellen Situation, dass wir bestimmten Aktivitäten gerade nicht nachgehen können, aber dafür etwas anderes hinzugewinnen. Ein Beispiel: Eine ältere Dame kann derzeit nicht einkaufen gehen, weil sie sich mit Covid-19 anstecken könnte. Dafür sind die Schmerzen in ihrer Schulter nun seit einer Woche wie weg. Na klar, sie muss ja auch nichts mehr die Treppen hochschleppen. Das übernehmen nun die erwachsenen Kinder.

Wieso der positive Blick nach vorne jetzt hilft

Krisen durch die Brille der Zuversicht zu sehen, gibt Aufwind. "Ohne sie durch diese Zeiten zu gehen, kann zu einer starken Verschlechterung der Stimmung führen", sagt Leithäuser. Dies führe dazu, dass wir uns nur noch schwer dazu aufraffen, etwas für uns zu tun.

Klar ist: Wir als einzelne können das Virus nicht aufhalten und die Situation umkehren. "Aber wir können sehr wohl schauen, wie wir sie für uns und unsere Mitmenschen gestalten", sagt Leithäuser. Aktiv zu werden, gebe einem das Gefühl zurück, Kontrolle über das eigene Leben zu haben. Und das spendet Zuversicht.

An gemeisterte Krisen erinnern

Wie viel Optimist in einem steckt, kann in den Genen liegen. Aber es hat auch mit der eigenen Lebenserfahrung zu tun. "Gerade ältere Menschen schauen auf ein langes Leben zurück, indem es sicher auch schon Krisen gegeben hat. Und die hat man gemeistert, andernfalls stände man jetzt nicht hier", sagt Psychotherapeutin Leithäuser. Daraus können Senioren Kraft ziehen. Sie können sich überlegen: Was habe ich schon alles geschafft und überstanden; welche schwierigen Zeiten habe ich gut überwunden wurden, und was genau hat mir damals geholfen?

Leithäuser fand dafür auch die Worte der Queen, die sie vor wenigen Tagen an das britische Volk richtete, sehr eindrücklich. Die 93-Jährige erinnerte an eine Zeit im Zweiten Weltkrieg. "Ihr Tenor war: Das haben wir damals gemeinsam geschafft, dann werden wir das jetzt auch durchstehen", fasst Leithäuser zusammen.

Die Tage mit kleinen Freuden füllen

Auch im Alltag findet sich seelisches Kraftfutter. "Was waren bisher Ihre Quellen der Lebensfreude? Das können auch ganz kleine Dinge sein: Ein Stück Kuchen, ein Telefonat mit dem Enkel oder eine Sendung, die jeden Tag um 17.00 Uhr kommt und verlässlich die Stimmung hebt", sagt Leithäuser. Mit solchen Wohltaten ließe sich auch der Tag ein wenig strukturieren. "Sie können sich über den Tag zwei, drei Termine setzen, die kleine Vorfreuden bringen." Das helfe dabei, sich nicht gehen oder hängen zu lassen.

Mit anderen verbunden fühlen

Was vielen besonders fehlt, ist der persönliche Austausch mit anderen, etwa in Seniorentreffs, im Aqua-Sportkurs oder bei Familienfeiern. Notfalls lässt sich das Einsamkeitsgefühl mit einem kleinen Kniff überwinden: "Nehmen Sie sich doch mal ein Fotoalbum zur Hand und lassen Sie schöne Erlebnisse mit Familie und Freunden Revue passieren", rät Leithäuser.

Dank moderner Medien fällt es aber heute nicht schwer in Kontakt zu bleiben, sei es mit einem Telefonat, in einem schriftlichen Chat oder auch über Video-Telefonie. Manche spielen per Videokonferenz sogar "Mensch-Ärger-Dich-Nicht" miteinander. Oder: Warum nicht mal wieder einen Brief oder eine Postkarte an jemanden schreiben?

Austauschen und etwas abgucken

In dem Austausch kann man die eigenen Gefühle ansprechen, das erleichtert. "Zuversichtlich durch diese Krise zu gehen, heißt nicht, immer nur froh sein zu müssen. Negative Gefühle dürfen sein. Die Situation ist nun mal schwierig", betont Leithäuser. Sich anderen gegenüber zu öffnen, knüpft ebenfalls ein Band zwischen den Menschen. Und: Im Austausch mit anderen kann man sich auch mal anhören, wie andere mit der Situation umgehen und sich vielleicht davon etwas abgucken.

Pläne für danach schmieden

Den Blick in die Zukunft scheuen gerade viele, Leithäuser ermuntert dazu – um Pläne zu schmieden. "Malen Sie sich aus, was Sie nach Ende der Ausgangssperren alles unternehmen möchte. Wen möchten sie treffen? Wo wollen sie hinreisen, wenn das wieder geht?" So bleibe der Blick offen dafür, dass es auch wieder andere Zeiten geben wird. Schon jetzt tut es gut, sich kleine Projekte vorzunehmen. Soll der Balkon grüner werden? Wollen Sie ihr Klavier endlich mal wieder öfter benutzen oder ein unbekanntes Stück einüben? War Ausmisten schon länger in Ihrem Hinterkopf? Warum also nicht ein Projekt für sofort daraus machen – und einfach damit starten.

Einmal täglich Nachrichten genügen

Sorgen, Ängste und ungute Gedanken werden in dieser Zeit trotzdem immer wieder  aufkommen. Gerade Nachrichten können belasten. Die Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung rät daher, nicht ständig die neuesten Informationen aufzunehmen, sondern bewusst nur ein- oder zweimal am Tag Fernseher oder Radio einzuschalten oder Zeitung zu lesen, um sich über die aktuelle Lage zu informieren. "Andernfalls ist der Körper in permanenten Alarmzustand. Denn die Nachrichten regen bei den meisten die Ausschüttung von Stresshormonen an", sagt Leithäuser.

Gelassenheit in Gedanken

Manchen helfen auch mutmachende Sprüche. Das können simple Aussagen sein, wie "Es wird wieder besser" oder "Die Situation geht vorüber", die etwa auf einem Zettel geschrieben am Spiegel im Bad kleben oder neben dem Bett liegen. Die Psychotherapeutin Julia Leithäuser schätzt an ihrer Wahlheimat, dem Rheinland, speziell einige Sprüche des "Kölschen Grundgesetzes" – etwa "Et kütt wie et kütt" (Es kommt, wie es kommt). Oder "Et hätt noch emmer joot jejange": Es ist bisher noch immer gut gegangen.

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