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Pflegekräfte gesucht

Ausgebildete Pflegekräfte, die aktuell nicht arbeiten, sollen in der Corona-Krise helfen. Timo Thranberend von der Bertelsmann Stiftung über die Plattform "Pflegereserve".

von Claudia Röttger, 16.04.2020

Herr Thranberend, als Projektleiter bei der Bertelsmann Stiftung kümmern Sie sich zwar um Gesundheitsthemen, aber vorwiegend am Schreibtisch. Wie kamen Sie darauf, eine Plattform zu kreieren, die in der Corona-Krise Pflegekräfte rekrutiert?

Timo Thranberend: Ich bin gelernter Krankenpfleger. Einer der Kollegen, mit denen wir die Idee entwickelt und umgesetzt haben, ist Arzt. Wir wollten der Hilfsbereitschaft, die wir überall wahrnehmen, einen Zielort geben. Auch unsere Partner wie der Deutsche Pflegerat und die Bundespflegekammer zeigten großes Interesse an einer solchen flächendeckenden Plattform. Unser Ziel ist es, Menschen, die jetzt in der Krise helfen wollen, mit denen zusammen zu bringen, die einen Bedarf an Unterstützung haben.

Was ist #pflegereserve?

  • Die Plattform #pflegereserve vermittelt Pflegekräfte außer Dienst an Kliniken und Pflegeeinrichtungen, die währen der Covid-19-Pandemie Unterstützungsbedarf haben.
  • Pflegekräfte, die helfen möchten, können sich unter http://pflegereserve.de registrieren. Den Rahmen und den Umfang ihres Engagements bestimmen die Reservisten selbst. Durch die Registrierung entsteht keine Verpflichtung.
  • #pflegereserve ist eine Initiative aus der Zivilgesellschaft, unter anderem unterstützt vom Deutschen Pflegerat und der Bundespflegekammer.

Welche Menschen suchen Sie?

Wir suchen Menschen mit einer Ausbildung im Pflegebereich, die bereit sind und die Möglichkeit haben, zu unterstützen. Menschen, die wie ich schon länger raus sind aus dem Beruf des Alten- oder Krankenpflegers oder die Ausbildung gerade erst abgeschlossen haben. Das können zum Beispiel Pflegekräfte sein, die jetzt Medizin oder Pflegewissenschaft studieren und Zeit haben, weil Vorlesungen oder Praktika derzeit nicht stattfinden. Oder Menschen, die in ihrem aktuellen Beruf in Kurzarbeit sind. Zudem suchen wir Hauswirtschafts- und Betreuungskräfte, die besonders in Pflegeeinrichtungen unterstützen könnten. Natürlich muss man im Einzelfall klären, was sich jeder zutraut, wie viel Erfahrung und wie viel Zeit jemand mitbringt und was der derzeitige Arbeitgeber zu einem Engagement als Reservist sagt.

"Reservisten gesucht" - das klingt nach Notstand. Wie schlimm schätzen Sie die Lage in Seniorenheimen und Krankenhäusern ein?

Unsere Wahrnehmung ist, dass aktuell der Bedarf an zusätzlichem Personal eher in Pflegeeinrichtungen als in Kliniken besteht und regional sehr unterschiedlich ausfällt. In manchen Regionen gibt es schon Engpässe, bei anderen deuten sich diese erst an und die Unterstützung wird eventuell erst in ein paar Wochen oder Monaten gebraucht.

Sie suchen explizit Menschen mit Pflege-Expertise. Was spricht dagegen auch Freiwillige anzusprechen, die einfach helfen wollen?

Wir haben uns bewusst auf Personen konzentriert, die eine Ausbildung in dem Bereich mitbringen. Das erleichtert die Ansprache. Wir wollen helfen, diese Kräfte unbürokratisch zu vermitteln. Es geht aber nicht um ehrenamtliches Engagement. Die Reservisten sollen ein ordentliches Vertragsverhältnis und eine entsprechende Honorierung bekommen.

Experte Thranberend Projektleiter Bertelsmann Stiftung

Im Kampf gegen Corona werden auch Pflegekräfte derzeit als Helden gefeiert. Bekommen sie diese längst überfällige Wertschätzung auch, wenn die Corona-Krise überstanden ist?

Ich hoffe sehr, dass diese Wertschätzung anhält und dazu beiträgt, Pflegeberufe nachhaltig aufzuwerten – was dringend notwendig ist. Die Chancen stehen gerade recht gut dafür.

Würden Sie gerne wieder als Krankenpfleger arbeiten?

Nach meiner Ausbildung und einigen Jahren im Beruf hatte ich den Impuls, mich zu verändern und zu studieren, was damals im Pflegebereich nur eingeschränkt möglich war. Heute gibt es da andere Möglichkeiten. Als Reservist habe mich registriert, ohne zu wissen, ob ich tatsächlich zum Einsatz komme.


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