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Einheimische Alternativen zu Superfoods

Exotische "Superfoods" erobern derzeit unsere Märkte. Sie sollen besonders gesund sein – sind aber auch besonders teuer. Wir stellen günstigere Alternativen vor, die den Neulingen in nichts nachstehen

von Heidi Loidl, aktualisiert am 17.03.2020
Vergleich Grünkohl und Moringa

Grünkohl enthält ähnlich viele krebshemmende Stoffe wie die Moringa-Pflanze


Sie heißen Açaí, Chia und Goji, Maca, Matcha und Moringa, Quinoa, Chlorella und Spirulina, kommen meist von weit her, wo sie angeblich seit Urzeiten die Menschen fit halten, glänzen Herstellern zufolge durch extra viele gesunde Inhaltsstoffe und tragen den klingenden Beinamen "Superfood".

Mit den Exoten wird ordentlich Umsatz gemacht. 2015 wurden in Deutschland 663 Tonnen Chiasamen im Wert von fast 11 Millionen Euro verkauft. Doch die Neuankömmlinge im Supermarkt versprechen mehr, als sie halten. Und es gibt preiswerte Alternativen, die gleichsam vor unserer Haustür wachsen.

Superfoods: Viel Marketing, wenig Inhalt

Exotisch, neu und hochgelobt – das sind die Gemeinsamkeiten von "Superfood". Der Begriff ist nicht gesetzlich geschützt, wissenschaftliche Kriterien oder Mindest­anforderungen an den Nährstoffgehalt gibt es nicht. Theoretisch könnten demnach auch Bratwürstchen als Superfood verkauft werden. Allein, ihnen fehlt die Exotik.

Das Internet und populärwissenschaftliche Bücher polieren kräftig mit am Image von Superfood. "Dort werden vorbeugende oder sogar heilende Wirkungen von Superfood angepriesen", sagt Daniela Krehl, Ernährungs­­expertin von der Verbraucherzentrale Bayern.

Studien zum gesundheitlichen Nutzen sind Mangelware

Auf der Verpackung von Lebensmitteln sind dagegen allzu blumige Werbeaussagen nicht erlaubt. Denn jedes Gesundheitsversprechen verlangt die Überprüfung und ausdrückliche Zulassung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit.

Dort stapeln sich seit Jahren die Anträge. Die Behauptungen sind aber kaum überprüfbar. So beziehen sich etwa die wenigen wissenschaftlich basierten Nährstoffangaben meist auf das frische Lebensmittel; die hochgelobten Früchte und Blätter kommen aber so gut wie nie unverarbeitet zu uns, sondern getrocknet, als Püree oder Saft, Extrakt oder Pulver. Die Krux: Bis zur Entscheidung über den Antrag dürfen die Gesundheitsversprechen übergangsweise weiter verwendet werden. "Das ist den meisten Verbrauchern aber natürlich nicht bewusst", sagt Ernährungsfachfrau Krehl.

Wenn schon ihr Nutzen infrage steht, schaden diese Lebensmittel denn wenigstens nicht? Das stellt die Novel-Food-Verordnung sicher. Seit 1997 müssen neue Lebensmittel – nach einer Unbedenklichkeitsprüfung – ausdrücklich zugelassen werden. "Das ist aber keine Garantie, dass nicht eine Allergie auf ein für den Körper fremdes Eiweiß auftritt", weiß Krehl.

Ideal: saisonal und regional einkaufen

Die Zeitschrift "Ökotest" prüfte zudem im April 2016 Superfoods. Zwei Drittel fielen wegen Rückständen von Pestiziden, Mineralölen oder Schwermetallen negativ auf.

Fazit: Superfoods können interessante neue Geschmackserlebnisse vermitteln, Wundermittel sind sie aber nicht. "Vor allem darf niemand erwarten, dass Superfood Esssünden ausgleicht", sagt Daniela Krehl. Preisgünstiger und keinesfalls schlechter sind einheimische Lebensmittel der Saison – am besten eine ausgewogene Mischung davon.


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