Trinkmythen im Check

Kaffee ist schlecht für den Blutdruck? Und Rotwein gut für das Herz? Wir nehmen neun häufig gehörte Aussagen über Getränke unter die Lupe
von Kirsten Hoffmeister, 03.03.2017

Kaffee: In Maßen auch bei Bluthochdruck kein Problem

Fotolia/coloures Pic

1. Alkoholfreies Bier enthält keinen Alkohol.

Falsch. Das deutsche Lebensmittelgesetz erlaubt einem Hersteller, ein Bier "alkoholfrei" zu nennen, wenn der Alkoholgehalt unter 0,5 Prozent liegt. Ein deutsches alkoholfreies Bier hat im Schnitt 0,35 Prozent Alkohol. Durch diesen Rest schmeckt das Getränk runder. Laut Deutschem Brauer-Bund ist der Grenzwert so gewählt, dass die Menge keinen nachweisbaren Einfluss auf den Konsumenten hat. Wer trotzdem null Prozent Alkohol trinken möchte: Solche Sorten gibt es inzwischen.

2. Pfefferminztee entkrampft den Magen

Stimmt. Tut der Bauch weh, liegt es oft an Magenproblemen. Neben Wärmeauflagen, etwa Kirschkernkissen, kann auch das Trinken von Pfefferminztee den Schmerz lindern, da der Hauptwirkstoff Menthol Krämpfe löst. Für einen Aufguss einen Teebeutel oder einen Teelöffel losen Tee mit kochendem Wasser über­gießen und zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen. Möglichst warm und in kleinen Schlucken trinken.

3. Cola hilft bei Durchfall.

Falsch. Bei Durchfall viel zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust des Körpers auszugleichen, ist richtig. Cola enthält aber viel Zucker, der im Übermaß genossen den Durchfall unter Umständen sogar verstärkt. Zudem greift er ebenso wie die Säuren des Getränks die Zähne an. Besser: Brühe, die auch Mineralstoffe ersetzt, und leicht gesüßte Kräutertees.

4. Milch macht die Knochen stark.

Je nachdem. Die Annahme liegt nahe, denn Knochen bestehen zum großen Teil aus Kalzium, und Milch enthält reichlich davon: 1200 Milligramm pro Liter. Das Max-Rubner-Insitut bestätigt in einem aktuellen Bericht: Milch und Milchprodukte sind im Kindes- und Jugendalter wichtig, um Knochenmasse aufzubauen. Dass Ältere sich durch mehr Milch vor Knochenbrüchen infolge Osteoporose schützen, sei dagegen nicht belegt. Dass davon eine Gefahr für die Knochen ausginge, aber auch nicht. Aktuelle Empfehlung: Pro Tag 200 bis 250 Milliliter Milch oder Joghurt und 50 bis 60 Gramm Käse. Es gibt Hinweise, dass ein Zuviel an Kalzium das Risiko für Prostatakrebs erhöht. Männer sollten es mit dem Milchkonsum also nicht übertreiben.

5. Kakao bringt das Gehirn auf Trab.

Umstritten. Roher Kakao enthält zwar das anregende, mit Koffein verwandte Theobromin, aber in so geringer Menge, dass keine Wirkung messbar ist. Eine amerikanische Studie der Columbia- Universität deutet zwar darauf hin, dass bestimmte Inhaltsstoffe der Kakaobohne altersbedingtem Gedächtnisverlust entgegenwirken können, dies muss aber noch weiter belegt werden.

6. Kohlensäurehaltiges Mineralwasser kann Blähungen verursachen.

Falsch. "Das ist unwahrscheinlich, selbst bei Menschen, die sehr viel trinken",
sagt Anja Krumbe, Diplom-Ökotrophologin aus Köln."Bis in die unteren Darmabschnitte, wo Blähungen entstehen, gelangen nämlich nur minimale Mengen Kohlensäure." Die Expertin sieht eher positive Auswirkungen: Kohlensäure sorgt für eine bessere Durchblutung der Mundschleimhaut, reinigt die Geschmackspapillen im Mund und regt den Speichelfluss an. Außerdem füllt das Wasser den Magen und bremst so den Hunger. In größeren Mengen kann das Völlegefühl unangenehm werden und Aufstoßen verursachen.

7. Kaffee treibt den Blutdruck hoch.

Kommt drauf an. "Wer nur selten Kaffee trinkt, bei dem kann der Blutdruck nach einer Tasse um bis zu 20 mmHg hochgehen", weiß Dr. Heribert Brück, Kardiologe aus Erkelenz, "allerdings meist nur vorübergehend für etwa eine halbe Stunde." Bei "Gewohnheitstrinkern" dagegen fällt die Wirkung geringer aus oder bleibt ganz aus. Bluthochdruckpatienten müssen nicht auf das koffeinhaltige Getränk verzichten – zumindest nicht, wenn sie es bei vier bis fünf Tassen am Tag bewenden lassen. Vielen Studien zufolge hat regelmäßiger Kaffeegenuss womöglich sogar günstige Auswirkungen, etwa auf den Blutzucker.

8. Grüner Tee kann vor Krebs schützen.

Richtig. Grüner Tee enthält besonders viele sogenannte Antioxidanzien. Studien legen nahe, dass diese Radikalfänger helfen, Krebszellen zu bekämpfen. Mittlerweile gibt es sogar schon Studien, die besagen, dass grüner Tee hilft, vorhandene Tumore und Metastasen einzudämmen. Eine Empfehlung, wie viel grünen Tee man täglich trinken soll, haben die Experten aber bisher nicht gegeben.

9. Rotwein ist gut fürs Herz.

Ja und nein. Studien zeigen, dass der Genuss von rund 150 Millilitern Rotwein am Tag das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung um rund 30 Prozent senken kann. Allerdings sollte man deshalb niemandem zum täglichen Glas Rotwein raten. Alkohol kann je nach Menge kurzfristig den Blutdruck erhöhen und andere Organe beeinträchtigen. Experten sehen die nega­tiven Auswirkungen von Alkohol als stärker an als die schützenden Effekte.


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