Wir werden Großeltern!

Endlich Oma und Opa: Acht Tipps für eine ganz besondere Beziehung

Opa mit Baby

Zärtlich steichelt Oma dem kleinen Jonas über die feinen Haare und schnuppert an seiner weichen Haut. So süß duften nur Babys! Das erste Enkelkind bringt natürlich eine riesige Freude mit sich. Zugleich stehen die Großeltern vor neuen Herausforderungen. Welche Rolle spielen sie künftig in der jungen Familie? Wie können sie die eigenen Kinder und ihre Partner unterstützen und die gemeinsame Zeit mit ihrem Enkel gestalten? Experten erklären, wie der Umgang zwischen den Generationen gut klappt, warum es wichtig ist, klare Grenzen zu akzeptieren und eigene Wünsche offen anzusprechen.

Ambivalente Gefühle sind ganz normal

„Großeltern zu werden kann gemischte Gefühle wecken“, sagt Renate Zwicker-Pelzer, Professorin für Erziehungswissenschaften an der Katholischen Hochschule in Köln. Ein Baby! „Das ist die Chance, die Welt noch einmal intensiv aus der kindlichen Sicht zu erleben, das Baby ganz nah beim Großwerden zu beobachten und zu begleiten. Auf der anderen Seite ist es eine Zeit, in der sich viele das erste Mal bewusst mit dem eigenen Alter useinandersetzen, wo nun eine zweite Generation nachrückt.“ Die junge Familie steht fortan im Mittelpunkt und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Manche sorgen sich: Werden die Eltern den Spagat zwischen Berufs- und Familienleben meistern, welchen Platz nehme ich ein? „Eine sensible Phase, in der jedes Familienmitglied erst langsam in seine Rolle finden muss“, so die Expertin.

Großelternkurs: Bringen Sie sich auf den neuesten Stand

Wie geht das noch mal mit dem Wickeln? Was tue ich, wenn das Kind Bauchweh hat? „In Sachen Babypflege, Kleidung und Ernährung hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert – viele Großeltern fühlen sich verunsichert“, weiß Sabine Corinth, Hebamme aus Teltow. Frischen Sie Ihr Wissen auf, und schmökern Sie in aktuellen Ratgebern. Sie möchten wissen, wie Sie mit dem Medienkonsum der Enkel umgehen sollen? Wenden Sie sich an eine pädagogische Beratungsstelle. Bundesweit organisieren Hebammenpraxen,

Mutter-Kind-Zentren oder der Kinderschutzbund Kurse für Großeltern, in denen diese eine Fülle an Informationen erhalten und sich austauschen können. „Großeltern, die zu uns kommen, sind sehr engagiert – ihre Erfahrung und ihr Wissen können eine tolle Unterstützung für die eigenen Kinder sein“, sagt Kursleiterin Bernhilde Stock aus Pansdorf.

Oma und Opa spielen mit Enkelin

Vorschlagen statt einmischen

Muss David unbedingt vegetarisch essen? Lässt du Moritz mit zerrissenen Jeans in die Schule gehen? So manch eine Erziehungsfrage brennt den Großeltern unter den Nägeln. Sollen sie reden oder besser schweigen? „Erziehung ist Sache der Eltern, sie sind die Hauptverantwortlichen für ihre Kinder“, sagt die Berliner Familientherapeutin Gundula Femmer. Oma und Opa sind Begleiter und Beobachter, sie können jedoch Vorschläge machen. Am besten verpackt in Ich-Botschaften, etwa: Ich habe das damals so oder so gemacht. „Großeltern, die ständig ungefragt Ratschläge erteilen, machen sich auf Dauer unbeliebt“, weiß Renate Zwicker-Pelzer. Frischgebackene Eltern fühlen besonders bei ihrem ersten Kind eine starke Verunsicherung – und diese legt sich nicht, indem Oma oder Opa alles besser weiß. „Eltern müssen selbst ihre Erfahrungen sammeln, das sollte man ihnen – wie den Großeltern damals auch – einfach zugestehen“, so Zwicker-Pelzer.

Opa kommt: Wann, das bestimmen Sie

Berufstätige Eltern sind oft dankbar, wenn Oma oder Opa in der Ferienzeit stunden- oder sogar tageweise die Betreuung der Enkel übernehmen. Eine Studie zeigt: Großeltern nehmen diese Rolle gerne wahr, doch stellen sie für die Aufgabe nicht unbedingt ihre gesamte freie Zeit zur Verfügung. „Ältere genießen es, in der Rente endlich das zu tun, was ihnen im Berufsleben nicht möglich war – etwa spontan zu verreisen. Andere dagegen sind gesundheitlich angeschlagen“, so Gundula Femmer. Ihr Rat: „Sprechen Sie zeitig darüber, in welchem Rahmen Sie einspringen können.“

Schenken Sie Aufmerksamkeit

Enkelin Mia ist zu Besuch. So manch einer stellt für den gesamten Tag ein buntes Unterhaltungsprogramm zusammen. „Das ist gar nicht nötig“, sagt Gundula Femmer. „Aus Studien wissen wir, dass Kleinkinder nicht stundenlang bespaßt werden müssen – eine halbe Stunde ungeteilte Aufmerksamkeit reicht ihnen aus.“ Dann heißt es aber: Fernseher oder Radio aus und das Telefon leise stellen. Was Kleine in der übrigen Zeit schätzen: eine eigene Spielecke bei den Großeltern!

Verwöhnen hat Grenzen

Ein riesiger Eisbecher, das schicke Top für die Enkelin – weil Großeltern nicht erziehen müssen, dürfen sie im Umgang mit ihren Enkeln ruhig großzügig sein und sie verwöhnen. Geht es um größere Geschenke oder um Taschengeld, sollten Sie sich jedoch vorher mit den Eltern absprechen.

Zeigen Sie, was Sie können

Das Kugellager von Jannicks Skateboard ist defekt. Papa würde es zur Reparatur in den Laden bringen. Zum Glück hat Opa eine prima ausgestattete Werkstatt und ist handwerklich begabt. Die meisten Großeltern freuen sich, wenn ihre Enkel Freude an selbst Hergestelltem zeigen. Ob selbst kochen, basteln oder reparieren: Nehmen Sie sich die Zeit, und leben Sie solche Fertigkeiten vor, damit wecken Sie auch das Interesse Ihres Enkelkinds. „Das Weitergeben von Fähigkeiten verbindet beide Generationen stark“, weiß Femmer.

Schaffen Sie Rituale

Die berufliche Flexibilität der Eltern fordert oft einen hohen Preis: Immer mehr junge Familien wohnen weit weg von ihrem Elternhaus. Bei großen Distanzen sind spontane Besuche schwierig. „Eine enge Beziehung zwischen Großeltern und Enkel können Sie aber trotzdem herstellen – in dem Sie die Initiative ergreifen und Rituale schaffen“, rät Renate Zwicker-Pelzer. „Vereinbaren Sie einen Wochentag, an dem Sie miteinander telefonieren.“ Sind die Enkelkinder noch klein? Vielleicht ist es möglich, dass die Großeltern ein Wochenende im Monat zu Besuch kommen oder die Enkel – zunächst mit elterlicher Begleitung – bei Oma und Opa schlafen dürfen.

 


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