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Sicherer Auftritt: Hallux valgus

Fast immer trifft es Frauen. Oft schmerzt der unschöne Ballenzeh und passt kaum noch in einen Schuh. Was gegen das Cinderella-Syndrom hilft

von Elke Schurr , 21.10.2019
Halux-Valgus-Barfuss-Herbst-Ballenzeh

Das hilft bei Hallux valgus: Barfuß laufen und Fußgmnastik


Barfußlaufen: So fordern Sie Muskeln, Sehnen und Bänder

Dass vor allem die Großzehen von Frauen aus der Reihe tanzen, könnte an ­ihrem weicheren Binde­gewebe und an der hormonellen Umstellung nach den Wechseljahren liegen. Schuld an der Misere ist aber auch die ­Mode: Hohe Absätze, vor allem zu enge Schuhe bewirken eine falsche Belastung am Vorfuß und schwächen auf Dauer die ohnehin unterforderten Fußmuskeln. Über Jahre senkt sich das gesunde Quergewölbe zum Spreizfuß. Der Ballenbereich sackt durch und verbreitert sich. Bänder und Sehnen ändern ihre Zugrichtung. Der Muskel, der den Großzeh in der Bahn hält, verliert langsam an Kraft – der Zeh weicht aus. Höchste Zeit, mal wieder barfuß zu laufen! Ein prima Training für schwache Füße. Alles, was sie kräftigt, ist gut.

 

Training zuhause - so stärken Sie Ihre Fußmuskeln

Übung 1: Krake

Wölben Sie Ihren Fuß über einen halbierten Tennisball. Die Ferse bleibt dabei immer am Boden. Position für 10 Sekunden halten. Mehrmals wiederholen.

Fuß-Übung 1: Krake

Übung 2: Murmelspiel

Versuchen Sie, die Glaskugeln mit den Zehen aufzunehmen. Statt Murmeln geht es auch mit Knöpfen (schwieriger!)

Fuß-Übung 2: Murmelspiel

Übung 3: Tuchhalter

Den Fuß auf ein Tuch am Boden legen, dieses mit den Zehen greifen und langsam in die Höhe heben. Mehrmals wiederholen.

Fuß-Übung 3: Tuchhalter

Übung 4: Sandkasten

Besorgen Sie sich Vogelsand und erwärmen ihn im Backofen oder in der Mikrowelle. Bewegen Sie Zehen und den gesamten Fuß gleichmäßig in der Wärme. Schmerzlindernd!

Fuß-Übung 4: Sandkasten

Manuelle Therapie: So legen Physiotherapeuten Hand an

Ein Hallux valgus lässt sich nicht rückgängig machen, aber sein Fortschreiten abbremsen. "Damit sich die Krümmung nicht verschlimmert, muss der Ballen vom Druck befreit und der Fuß trainiert werden", mahnt Professor Ralf Skripitz, Orthopäde aus Bremen. Das gelingt zum einen mit dem richtigen Schuhwerk, zum anderen "über ein gesundes Muskel korsett, das den Fuß stabil hält", sagt Antje-Kathrin Naujoks, ­Physiotherapeutin in Bremen. Daher gibt sie ihren Patienten Übungen mit nach Hause, die das Quer­gewölbe stärken. Eine manuelle Therapie sorgt zusätzlich für Entlastung: "Dabei versuchen wir, die Glieder der Großzehe wieder in die Normalposition zu bringen, indem wir die Gelenkflächen vorsichtig auseinanderziehen." Ob Halluxschienen oder Zehenpolster die Krümmung des Zehs aufhalten können, ist umstritten. Viele tragen die Schienen nachts, um zumindest den verkürzten Muskel zu dehnen und die Schmerzen zu lindern.

Operative Korrektur: So bringt der Chirurg den Knochen in eine Gerade

Nur eine Operation kann eine Schiefzehe wieder in ihre ursprüngliche Form zurückbringen. Doch ist sie deshalb auch notwendig? "Wenn jeder Schritt wehtut, wenn Sie in keinen einzigen Schuh mehr hineinpassen, dann sollten Sie sich an den Gedanken schon mal gewöhnen", rät Chirurg Skripitz. Für den Eingriff gibt es inzwischen mehr als 100 Varianten. Welche genau für Sie infrage kommt, ent­scheidet der Orthopäde ­anhand des Krümmungs­winkels des Zehs und des ­Gelenks. In der Regel wird der Knochen durchsägt und mit Schrauben aus Titan oder Magnesium fixiert.

Eine Regionalbetäubung des Fußes reicht normalerweise aus. "Rund 80 Prozent der Operierten sind nach einem Jahr wieder beschwerdefrei", sagt Skripitz – vorausgesetzt, der Patient halte sich nach der Operation an ein paar Regeln: Er trägt mindestens sechs bis acht Wochen lang einen Verbandschuh mit einer steifen Sohle, mit dem man laufen, aber nicht ab­rollen kann. Trotzdem nicht übertreiben, warnt der Bremer Arzt: "In den ersten zwei Wochen sollte man sich unbedingt schonen, den Fuß hochlegen, schön kühlen und auch kleinste Strecken wie zur Toilette nur mit Verbandschuh gehen. Dann wird der Fuß auch nicht dick."

Lymphdrainagen und Mobilisationsbewegungen beim Physiotherapeuten helfen, schnell auf die Beine zu kommen. Nach etwa zwei Monaten kann der Patient mit Nordic Walking auf weichem Boden beginnen, sagt Physiotherapeutin Antje-­Kathrin Naujoks, "um wieder zu lernen, richtig abzurollen".

 


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